Heilige Bohnensuppe (II)

Heute könnte es mal wieder gelingen: eine Heilige Bohnensuppe.

Ich habe eine, sozusagen, Vorsuppe, die vom feinsten; die spanischen Wachtelbohnen, über Nacht gequollen, köcheln gerade noch salzlos separat vor sich hin; am richtigen Punkt kömmt beides zur Vermählung zusammen; rechtschaffen nachgewürzt, sollte es ein Fest werden. (Ich habe, ich fasse es kaum, jenen gerauchten spanischen Paprika dazu, den ich, wie treue Leser wissen, vor ein paar Tagen, ihn schon probiert habend, darob tanzend, aus der Markthalle gefischt.)

Eine echte Heilige Bohnensuppe ist mit nur wenigen Dingen ansatzweise zu vergleichen; nicht nur, dass sie eine Kraft spendet, die fast nicht mehr von dieser Welt; sie verbindet eben das Erdige, Bodenständige, Kräftige, Derbe, das Urige, mit einer Art kosmischen Genusses, dass ich dafür eigens vom Aldebaran anreiste. Und müsste ich in Klumpschuhen gehen.

Eine echte Heilige Bohnensuppe macht alle Unbilden vergessen; sie ist wie ein schönes, herbes, pralles, dabei unendlich feinsinnig-zartes, fröhliches, freundlich lachendes Weib; sie nimmt einen in die erhabensten Welten mit.

Allerdings: Gierige seien gewarnt.

Sie heischt, einen dergestalt verführen zu können, höchster Aufmerksamkeit und des besten Zurats; wer hier beim Knoblauchkauf spart, den besten Gewürzen, den wird sie gnadenlos in seine eigene Mittelmäßigkeit verweisen.

Geiz, Gier, Nachlässigkeit schaffen nunmal nichts Heiliges.

Sie verlangt aber auch nicht zuviel; ein wenig anständigen Fleisches will sie schon; bei den Gewürzen kennt sie in der Tat kein Grüßgott; die aber sind nicht sehr teuer, nur ehrfurchtsvoll anzumischen und zuzufügen: die Heilige Bohnensuppe will vor allem Liebe.

Sie w i l l ja genau so sämig werden, sie w i l l ja nur, was sie will!

Die Heilige Bohnensuppe ist wie ein Stein, der ein Kunstwerk werden will.

Der nicht auch mal ablässt, drumrumzugehen, nochmal hinzuschauen, der sie erzwingen will, scheitert, gnadenlos.

Eine Heilige Bohnensuppe wird durch den Geist.

Sie ist kein Kantenstein, den man mit der Flex abgeigt und rauspeitscht.

Sie ist eine Kreuzblume.

Ja, sie will nicht verschämt geschont sein; wer an Zwiebelhieben spart, wird nur einen mittleren Magenklotz schaffen; sie verzeiht auch nicht die Zagheit im Groben.

Sie will einfach, dass man sich in jederlei Hinsicht als ihrer wert erweist.

(Gerade haben mir die Bohnen zugerufen, dass sie, bei allem Geschreibsel, dessen ich gerade überhold, endlich wieder einmal umzudrehen seien. Sie hocken eben nicht gerne an.)

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3 Antworten zu “Heilige Bohnensuppe (II)”

  1. Thomas sagt:

    Woher und aus was ist die Vorsuppe?

    Wer sooo über eine Suppe Lobpreis in Text gießt, der muss eigentlich auch eine Kostprobe abliefern! ;)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Es ist leider keine Heilige Bohnensuppe geworden. Der blöde Mönchspfeffer, den ich kürzlich noch mochte (Tittenpfeffer, der Teufel hol’ ihn!), bevor ich erfuhr, dass man seinen Namen ernstnehmen muss, hat die ansonsten ausgezeichnete Vorsuppe wie Endsuppe überwürzt.

    Die Vorsuppe war vom Pferd. (Im Ernst.)

  3. Thomas sagt:

    OK, besser als von äh für die Katz.
    Isst du gerne scharf und züchtest dir Scharfes gerne selbst? Ich könnte dir bei Gelegenheit ein paar Habanierossamen zukommen lassen, sobald ich sie getrocknet habe. Ein Daumennagelgroßes Früchtchen reicht aus, um das Essen für eine 20köpfige indische Familie aufs Delikateste zu würzen. ;) Ich liebe das Zeug. Hin und wieder mal ordentlich die Kehle ausbrennen…

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