Vom Geheimen

Mein Gott, bin ich froh, nach drei Bonds, dass ich nur ein geheimer Agent bin, und kein Geheimagent.

Denn als echter Geheimagent ist man ja gar nicht wirklich geheim.

Kann es gar nicht sein.

Da gibt es Chefs, manchmal sogar Chefinnen, mehr oder weniger klare Vorschriften und Aufträge, und man muss sich bei dem ganzen Schiet, den man zu erledigen hat, auch noch selbst vorgaukeln, wenigstens nach außen so tun, als täte man es aus Patriotismus.

Man kann noch nicht einmal ernsthaft sauer auf einen Kollegen werden, egal aus welchen Reihen, wenn der einem selber das Fell über die Ohren zieht.

Selbst im Bett muss man noch aufpassen, wofern man wenigstens, traditionell, noch mit einer Agentin reindarf, dass die einem bei der Rückenmassage nicht plötzlich von hint einen Dorn ins Herze rammt.

Da lobe ich mir doch die Schriftstellerei.

Man bekommt seinen Code nicht von irgendeiner womöglich korrupten Zentrale, um sich beim ersten Funkspruch vielleicht selber zu pulverisieren, weil der Job getan und keiner je rauskriegen können soll, von wem, sondern chiffriert so, wie man gerade lustig oder stinkig.

Mein diesbezügliches Vorbild ist Cervantes.

Der war der mir bislang bekannte erfolgreichste und gleichzeitig geheimste aller geheimen Agenten.

Sein Code ist so genial, dass er heute noch nur von den Wenigsten verstanden.

Obschon er zu Lebzeiten schwerste Gefahren zu meistern hatte, ihm übel mitgespielt ward, schlug ihn doch keiner wegen seines geheimen Codes tot: denn es dauerte noch nach seinem natürlichen Tode Jahrhunderte, bis überhaupt einer draufkam, dass er einen hatte.

Dabei ist so ziemlich das Letzte, was man ihm andichten könnte, dass er feige gewesen sei. Oder kein Patriot.

Unser Geheimrat Goethe dagegen war beides. Aber das nur am Rande.

Zurück zum Kern der Sache.

Die meisten Menschen denken, es sei der Hauptbehuf des Literaten, viele Bücher zu verkaufen, indem er der Masse eingängige, verständliche Botschaften halbwegs lesbar rüberzubringen versuche.

Das aber stimmt nur anteilig, bloß zeitweilig.

Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe, die zwar zusammenhängen, aber doch zunächst getrennt betrachtet werden müssen.

Einerseits gibt es, gab es zumindest inalsoweit ich das überblicken kann, keine Zeit ohne eine wie auch immer geartete Zensur (Nietzsche dürfte davon am freiesten gewesen sein). Daraus erklärt sich die Folge selbst.

Andererseits ist der Mensch vom Grunde her zwar lernfähig, will aber sehr oft gerade das nicht lernen, was er sollte. Und noch umso weniger, wenn man ihm das Jeweilige auf den Kopf zusagt.

Lieber wird er sich mit jedem Pfarz beschäftigen, mit seinen Karnickeln oder Meersauen, als dass er sich den unangenehmen Wahrheiten freiwillig näherte, die man ihm offen nahelegt.

Da es nun in der Literatur nicht nur darum geht, das Bruchrechnen zu erklären, was man, an Absurdem fehlt es wahrlich nicht, wie ich kürzlich darlegte, ja vielerorts auch schon nicht mehr in klarem Unterrichte beizubringen für psychosozial angemessen hält, ist umso mehr unterschwellig anzulegen, desto unsicherer die Menschen in ihrer vermeintlichen gesellschaftlichen Gefestigtheit.

Ich stehe, nicht missverstanden zu werden, so weit als nur möglich für die deutliche Rede.

Selbst und teils noch gerade erst recht gegenüber Frauen und Kindern.

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