Angänge der Ewigkeit

Wenn das Ewige angegangen wird, verliere ich immer. Vorderhand.

Andere haben es in seiner unendlichen Fülle sozusagen schon klar im Blick; nur bei mir ist es immer noch ziemlich klein.

Das liegt daran, dass mein schwäbisch gehaltenes Ewiges, meinem Geiste gemäß, ziemlich überschaubar bleibt.

Bei mir kömmt nicht einfach alles ins Fass.

Ich leiste mir gar den ohngeistigsten aller bösen Frevel: Jenen der Unterscheidung.

Ich glaube noch nicht einmal daran, dass jeder Blödsinn ewig sein müsse.

Ich halte es durchaus für möglich, dass selbst der diskarnieren könne, immerhin hier, auf wenigstens lange Zeit.

Ich verliere indes, vorderhand, regelmäßig wider jene, die ein keineswegs greifbares Irgendwas im Irgendwo behaupten: Also gegen freche Esoteriker.

Daran liegt nichts.

Es sind nur Gläubige, die sich einen Anstrich von Wissen geben wollen.

Dass die einzige relativ erfassbare Form von Ewigkeit in der Kunst liegt, missfällt ihnen schon. Schon gar, wenn sie wenigstens eine von gewisser Bedeutung nunmal leider nicht geschaffen haben noch wahrscheinlich je schaffen werden.

Es geht um ein Sichwohlfühlen. Der Feind ist – bewusst oder unbewusst – damit der Künstler.

Der Künstler nämlich, indem er in d i e s e r Welt ans erfassbar Ewige Hinanreichendes schafft, ist der große Beleidiger jenes nur sonstwohinnen zu erlaubenden Ewigen.

D e r holt hier schon etwas her, was erst d o r t sein darf, vielmehr schon, in aller Vollkommenheit, nicht mehr sein darf!

Ja, wir setzen hier schon etwas, das Euch wohl nirgend je wird!

Und wir sehen es nicht nur: Es ist unser Werk.

Meint Ihr etwa, w i r bräuchten Euer kleines, zusammengezimmertes, schäbiges Stückchen Ewigkeit?

Meint ihr etwa, wir durchhörten nicht das Wortgeklingel, das Ihr ob Eurer Unfruchtbarkeit darum macht?

Irgendwo, dahinten, unten, oben, nebicht, da gäb’s dann doch was von Eurer erbärmlichen Nichtmehrwirklichkeit als ganz besonders wichtig und bedeutend drangemolken?

Ich verrate Euch eins: Wahrscheinlich wird noch nicht einmal das Jenseits Zeit für Euch haben. Platz schon. Aber keine Zeit.

Es ist aber gut, wenn Ihr bald dahingelangt. Normalerweise sollte man meinen, dass da nur Männer hinkommen, Euer Gebiet also eher was für Schwule sei.

Inzwischen wollen aber auch Frauen dorthin.

Nur, leider, Jungs, könnt Ihr dort schon erst recht nichts mehr mit ihnen anfangen.

Was aber nicht heißt, dass sie ausgerechnet daselbst, im Nichts, deswegen weniger zickig wären.

Frauen können nämlich selbst im Nichts noch nerven!

Nur Ihr Blödel, Ihr könnt das nicht!

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3 Antworten zu “Angänge der Ewigkeit”

  1. Dude sagt:

    “Wahrscheinlich wird noch nicht einmal das Jenseits Zeit für Euch haben.”

    Logisch! Also kannst Du das wahrscheinlich streichen, denn wie sollte etwas ewiges – also Zeit-loses – auch Zeit haben können??

    “Platz schon.”

    Quatsch!

    Wo keine Zeit, da auch kein Raum.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Klar, dass Dir das so nicht behagt.

    Da aber so viele anscheinend wohin wollen, wo sie der Zeit entbunden sind, habe ich mal postuliert, dass es diesen Raum gebe.

    Ist doch das (wo ein Wille ist, heißt es, sei auch ein Weg) in Wirklichkeit Angestrebte: Irgendwie da sein, bescheid wissen, und dabei nicht älter werden.

    Selbstverständlich ist der obige Text auch mal wieder eine kleine Provokation, gerade was diesen Punkt anlangt.

    Ich habe mir gestern Abend mal wieder eine Schelte zu meinen schäbigen bzw. mangelnden “Glaubenssätzen” (die Lisa hier eingeführt hat und bei meinem Gesprächspartner, der ein treuer Leser, wohl mächtig Eindruck gemacht haben müssen, denn früher pflegte er sich dazu nicht in dieser Weise auszudrücken) angehört, was mich dann veranlasste, meine Sorte Pfriem rauszuholen.

    Ist doch eine (zumindest für mich) lustige Vorstellung: Da sitzen die Leute mit den stabilen Glaubenssätzen irgendwann endlos glücklich irgendwo. Gönne ich ihnen gerne; schließlich haben sie sich das verdient.

    So sitzen sie denn und sitzen und sitzen.

    Und lächeln und lächeln und lächeln.

    Wahrscheinlich haben sie dort nicht einmal mehr ein Problem mit der Langeweile.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Zur Erläuterung noch das folgende.

    Die Raumzeiteinsteinerei geht mir schon lange auf den Keks. Das ist zwar kein Argument an sich, aber ein Grund für meine Ausführungen.

    Weiterhin, das hängt damit zusammen, verstehe ich nicht, wie es mehr oder weniger Konsens der Wissenschaft sein kann, dass das Nichts irgenwann explodiert wäre, sich in der also entstandenen Zeit (so las ich’s mal im hyperkompetenten Spiegel) zwischen zehn hoch minus 47 und zehn hoch minus 42 Sekunden mit Überlichtgeschwindigkeit ausgebreitet habe, was aber die Relativitätstheorie nicht widerlege, da es da ja der Raum selber gewesen sei, was alsomit in diesem Sinne nicht zähle.

    Normalerweise hält man, wenn einem besseres als das nicht einfällt, das Maul oder schreibt halt gleich, offen, eine Satire.

    Jedenfalls wird man wohl, logischerweise, mindestens über fünf Zehnerpotenzen hinab mal mit Überlichtgeschwindigkeit fliegen müssen, um in den zentralen Knallkörper, das Nichts, irgendwie zielsicher zurückzugelangen.

    Solange derartiges Gezeugse nicht nur verbraten, sondern auch noch ernstgenommen wird, wundere ich mich wahrlich nicht, weshalb man der Gravitation, dem Geiste der Schwere, nicht beikommt.

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