Wieso Jesus nur seine Keuschheit bedecket

Ich habe es schon verschiedentlich erwähnt, will es aber nochmals aufgreifen.

Die vorm Publiko öberststärkste aller Aufmerksamkeitsstärkegranaten wäre gegeben, wo man Geld (oder Gold), Sex, Jesus, Skandal und Katastrophe (Weltuntergang) in eine Büchs schüttete.

Gier, Trieb, Glaube, Entrüstung, Schauder: Wer all das in eine Geschichte zu packen weiß, ist der Meister aller Klassen, der Meister aller Flaschen.

Probieren wir’s mal aus.

Es war kurz vor Armageddon. Jesus war ziemlich abgebrannt, und die Magdalenerin hatte ihn schon tagelang nicht rangelassen. Petrus hatte ihm gar den ganzen Wein weggesoffen. Er war stinksauer.

Da kam ein Marketender esels des Weges, allerlei bunte Bänder, Schnüre, Kupferkettchen und sonstigen Tand feilbietend.

“Schmuck und Zierrat für einsame Herzen! Schmuck und Zierrat f…”

Bams da lag er. Das war Jesus nun doch Hohnes zuviel.

Sich berappelnd, schrie der billige Jakob (so nannte er sich), seinen vom Sturze zerrissenen Ärmel, Tränen in den Augen, beschlechtachtend: “Bube, du Schmock, du hast mir mein Gewand ruiniert!”

“Was schiert mich das! Steh auf, Wegelagerer, ich bin dir wieder gut!” – versetzte Jesus, plötzlich wieder ganz sich selbst, also milde lächelnd, wie als ob er gerade gewaschener Füße sein Essenerbrot mit Lammfleisch und Bergwein verzehrt.

“Schaffst du mir geschwind eine Dirne, reichlich Speis und Trank, so will ich dir nicht nur den Esel lassen, sondern noch meines Vaters Golde genung!

Das ließ sich der billige Jakob nicht zweimal sagen.

Einerseits, weil er den beherzten Hieb, der ihn vom Asino befördert, noch keineswegs vergessen hatte, andererseits, da er, sich den Straßenstaub aus den Augen wischend, einen doch recht schmucken, hochgewachsenen Mann von edler Gestalt gewahrte, dem wohl zuzutrauen war, dass er wenigstens ein paar Silberlinge auftreiben könne.

“Gut, Herr, die Stadt ist nicht weit, ich will Euch das Begehrte schaffen.”

Er reichte Jeso einen Schlauch Weins und sagte: “Wartet nur hier kühle unter dem Ölbaume, ich will Euch schon zu salben wissen.”

So schuf er denn schon eine Stunde später die versprochne Atzung und sonstige Labsal, und Jesus war’s sehr zufrieden.

“Herr, wollt Ihr mich nun zum Golde Eures Vaters führen?”, sprach der wackere Marketender, nachdem er, allerdings wachsamen Auges, etwas entfernt, zwei Stunden geruht, zu Jeso.

“Siehe, Jakob (Jesus hatte sich, denn er hatte ein freundlich’ Herz auch für die Armen und Beladenen, zwischenzeitlich nach dem Namen seines Wohltäters erkundigt), dort hinten, wo eben die Sonne untergeht, wirst du am anderen Morgen das Gold meines Vaters empfangen.”

Indes, Jakob hatte zwar nie eine Rabbinerschule besucht, war nicht einmal schriftkundig, aber er war weit herumgekommen und kannte von daher so ziemlich jede Sorte Spitzbube und Betrüger.

So wartete denn hinter einem Mönchspfefferstrauche auch schon jener Büttel, der ihm noch einen Gefallen schuldig war, gerne auch die Hand aufhielt, sprang auf ein Zeichen hin von dort flugs hintvor: “Bube! Solche wie du treiben rund um Jerusalem alle Tage ihr Unwesen! Schaffe das Geld, elf Silberlinge, oder marsch, ab in den Schuldenkarzer!” (Der Büttel war eher ein Büffel als ein Büttel, hatte einen dicken Knittel dabei; Jeso ward darob recht ohngemach.)

Sich etwas Zeit zu verschaffen, in solch unerwartet böser Ohnbill, erfand Jesus der ganzen Menschheit auf ewig das Heilige Wort: “Äh…”.

Allein, es half nur einen Augenblick, da der Büttel, ob solcher ohnkannten Ausrede, kurz stutzte.

“Das feine weiße Linnengewand, wenn du sonst nichts hast, Bube, her damit! Oder ich komme dir!”

Jesus fügte sich in sein ungerechtes Schicksal.

Seit dieser unangenehmen Erfahrung ging er nur noch im Lendenschurz.

Kein Wegelagerer und kein unziemlicher Stadtbüttel sollte ihn jemals wieder seines Gewandes berauben zu können wiederum eine günstige Gelegenheit zu ergreifen in die Lage versetzt sein.

Ja, so war das.

Jetzt wissen Sie, wieso Jesus nur seine Keuschheit bedecket.

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4 Antworten zu “Wieso Jesus nur seine Keuschheit bedecket”

  1. haschmech sagt:

    @ Magnus

    “Seit dieser unangenehmen Erfahrung ging er nur noch im Lendenschurz.”

    Was trugen die Leute bzw. speziell jetzt die Männer damals unter ihrem Gehrock? Der junge Mann, von dem hier die Rede ist, trug nichts darunter:

    Markus 14:52 er aber ließ das Leinengewand fahren und entfloh nackt.

    Was Jesus betrifft:

    Matthäus 27:35 Nachdem sie ihn nun gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider unter sich und warfen das Los, auf daß erfüllt würde, was durch den Propheten gesagt ist: «Sie haben meine Kleider unter sich geteilt, und über mein Gewand haben sie das Los geworfen.»

    Warum also sollte es bei ihm anders gewesen sein, als bei dem jungen Mann oben?

    Lohnt es sich etwas zu bedecken, was nur mickrig ist?

    Hier ist von Jesus die Rede:

    Jesaja 53:2 Er wuchs auf vor ihm wie ein Schoß, wie ein Wurzelsproß aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht; wir sahen ihn, aber sein Anblick gefiel uns nicht.

    http://haschmech.files.wordpress.com/2012/10/der-schlange-den-kopf-zertreten.jpg

    Tarzan war bedeckt mit einem großen Lendenschurz. Wie vom Affen gebissen schwang er sich von Liane zu Liane, blieb dann aber doch bei seiner Jane und die wurde schließlich schwanger.

    Hatte Maria Magdalena Kinder? Gewiß, aus dem Kelch floß reichlich Blut. Aber es gibt Mannsbilder, die verlässt genau deshalb alsbald der Mut.

    Soll doch der arme Jakob fleißig Kinder kriegen. Es ist sein täglich Kreuz und das bis zum Nudel verbiegen. Und auch niemand anders als er bereut’s.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ haschmech

    Du glaubst irgendwelchen Markussen und Sonstnochwers und nicht mir?

    Schäm’ Dich.

  3. Kolibri sagt:

    @haschmech

    Wenn ich hier in diesem Blog noch einmal etwas lesen könnte, was haschmech persönlich sagt,ich wäre überglücklich, sei einfach du selbst,die Welt braucht haschmech und keinen zweiten Jesus. du hast hohe Ideale, das passt ja, bevor du die aber in die Tat umsetzest, sei bitte einfach nur haschmech.
    Vergiss diese ganzen Bibelzitate, gleich gut kannst du Göllers Geschichte weiter erzählen, ergibt den gleichen Sinn.
    Solange du einem Idol im Aussen nachhängst, wirst du dich selbst ,deine Fähigkeiten und Talente nicht kennenlernen,mit denen du die Welt bereichern und verändern könntest.

  4. haschmech sagt:

    @ Kolibri

    Danke an Dich für die freundliche Kritik.

    “…sei bitte einfach nur haschmech.”

    Das finde ich einfach nur krass.

    Die Welt ist insgesamt ein einziges Ding, so ist auch Jesus in mir und ich in ihm und wir alle sind im Ganzen und das Ganze ist der Geist.

    Bibelzitate gehören hin und wieder für mich einfach auch dazu.

    “…gleich gut kannst du Göllers Geschichte weiter erzählen, ergibt den gleichen Sinn.”

    Wir, Magnus und ich, suchen nach dem gleichen Sinn im ganzen Unsinn, das stimmt. Wir packen’s nur von verschiedenen Seiten her an und das finde ich auch gut so.

    Und übrigens, ich habe die Welt schon bereichert – ich half z.B. Lars G Petersson (www.larsgpetersson.com) nicht nur dabei, sein neues Buch zu schreiben… Ob ich die Welt auch im Ganzen verändern kann, das ist natürlich wieder eine andere Frage. Zum Teil aber habe ich, und das steht fest, schon mehr verändert an ihr, als ich je gehofft habe.

    LG

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