“Shitstorm” ok, “Scheißesturm” oweh?

Eben las ich davon, gleich im Aufmacher eines großen Mediums, über die Piratin Julia Schramm sei, ob einer ungemeinfreien Buchveröffentlichung, im Netz ein “Shitstorm” hinweggefegt. (Im Artikel ohne die Anführungszeichen.)

Wieso traut sich – bislang, so weit ich es sah – kein großes Medium, geläufigerweise “Scheißesturm” (wiederum ohne Gänsefüßchen) hinzuschreiben?

Etwa, weil die Übersetzung so schwierig wäre? (Kleiner Scherz.)

Nein, man soll ja im Deutschen nicht Scheiße sagen. Heißt es. Es hält sich zwar keiner daran, aber so heißt es.

Jedenfalls soll man es in einer seriösen Zeitung nicht hinschreiben. Jedenfalls redaktionell nicht. Allenfalls in einem Zitat, in Gänsefüßchen. Also sagt man, da die Sache sich englisch nunmal so eingebürgert hat, Shitstorm.

Das Witzige dabei ist, dass das Wort “shit” im Englischen normalerweise viel verpönter ist, als viel vulgärer gilt, als “Scheiße” im Deutschen.

Man kann in Deutschland, selbst unter sich für sehr gepflegt Haltenden, auch bei Damengegenwart, sobald die Sache etwas vertraulich-privater ist, an jedem gepflegten Abendessenstisch mit 5-Gänge-Menü und besten Weinen ohne weiteres mal – nicht unbedingt dauernd, aber, wenn passend, mal – das Wort oder ein Kompositum unter Beteiligung dessen verwenden, ohne darob persönlich zum Pferdeapfel auf der weißen Tischdecke zu werden; bei den Angelsachsen hingegen wird man an solcher Stelle reichlich desamüsierte Gesichter sehen.

Also, Leute: Der Göller sagt Scheißesturm.

Bleibt Ihr ruhig bei Euren Shitstorms. (Shitstormen? Shitsstürmen?)

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5 Antworten zu ““Shitstorm” ok, “Scheißesturm” oweh?”

  1. Zwingmann sagt:

    Ein einziger Kommentar zu diesem Thema:

    Die Piraten (entern) – das Ganze ist ein gut gemeinter Witz und eine letzte Demaskierung der Parteienlandschaft, also subversiv, die
    mir als gewissenhaftem jahrzehntelangem Nichtwähler ( siehe auch Gabor Steingart:Die Machtfrage, der Typ war früher beim Spiegel und ist jetzt Chefredakteur beim Handelsblatt) Spaß macht.
    Irgendwo hat auch ein Piratenvorstand Ärger wegen Drogen.
    Jede Demaskierung ist eine Demaskierung der Parteienlandschaft.

    Im übrigen:Ohne ihren Piratenstatus hätte Shitstorm nicht die Publizität bekommen.

    Die Piraten – der Boss dieser Exoten sitzt als Beamter im
    Kriegsministerium und ist somit dem hugenottischen Kriegsminister
    unterstellt- ein Bezeichnung ohne Substanz.

    Die Piraten können aber wohl alles tun und lassen, was sie wollen, solange sie sich nicht gegen die Kriegspolitik der Regierung und Opposition zur Wehr setzen.

    Also, Parteien sind voll scheiße, ein Orkan der Windstärke 11
    würde sie im Sturm nehmen und wegfegen.

    Komisch, warum erinnert mich der Titel an den ekelhaften Wüstensturm
    gegen das irakische Volk?

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Zwingmann

    Genau.

    Die Piraten können jede Scheiße rausblasen, solange sie sich nicht gegen die Kriegspolitik der Altparteien stellen.

    Das wissen diese ansonsten Inkontinenten ganz genau, dass sie dazu den Poppes zusammenzuklemmen haben.

  3. Zwingmann sagt:

    @Magnus,

    ich wollte nichts mehr dazu schreiben, außer das das jetzt natürlich
    -siehe Schavan- wunderbar ablenkt von den Schweinereien um
    Seehofer. Der darf natürlich gerade jetzt nicht abfallen und sein
    Dackel Dobrindt. Die Spezialdemokraten wollen jetzt gerade die Köpfe von Dobrindt und Seehofer.

    Willkommen wieder bei SPON ganz aktuell: Doppel-Rücktritt erschüttert
    Piratenpartei. Julia Schramm und Matthias Schrade verlassen den
    Bundesvorstand.

    Offensichtlich dürfen die Piraten nicht nur ganz viel Scheiße machen,
    sie sind auch eine wunderbare Nebelkerze, ein geschicktes
    Ablenkungsmanöver der Schafsmedien, die im Augenblick wohl
    aus Gründen, die wir noch nicht kennen, Seehofer Flankenschutz geben.

    Ich denke, die Affäre um den abservierten Pressesprecher der
    CSU ist viel schmutziger, als wir beide ahnen.
    Scheiße, Schavanhofer I (Seehofer ist auch knallharter römisch-
    katholischer Fundamentalist, seine Affäre um sein uneheliches
    Kind wurde auch vor einigen Jahren von den Schafsmedien wunderbar
    ignoriert)., ehrlich, ich könnte sooooooooooo kotzen.
    Warum tun wir uns die Scheiße eigentlich rein?
    Ich hoffe, dass wir keine verbalen Piss- und Analfetischisten sind.
    Natursekt – nein danke

  4. Thomas sagt:

    Shitstormen klingt total schwedisch oder norwegisch.

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Hast recht.

    (Gut, dass ich, wo oben von Natursekt die Rede, ein Stichwort habe, Dir nochmal für die fränkische Domina zu danken, die ihre Peitsche inzwischen abgeben musste. Sehr feines Fräulein. Ich machte nur den Fehler, den Wein über zwei Tage hinweg zu trinken. Etwa 4-6 Stunden nach der Öffnung war er am besten, am zweiten Tage hatte er schon ein wenig verloren.)

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