Magnus Egalplag, der Mindmapper

Mein Gott, bin ich froh, dass ich weder einen redlich verdienten noch einen erschwindelten Doktortitel habe.

Ersterenfalls hielte ihn jeder für erschwindelt, zweiterenfalls wäre er es auch noch.

Letzteres wäre, bei allem Elend, aber doch noch besser, da gerechter.

Auch viel normaler. Und normal zu sein, das ist heute wichtiger denn je.

Normaler als mit einem erschwindelten Doktortitel kann man fast gar nicht sein.

Man fällt so keiner Sau mehr auf.

Außerdem, wenn man dann noch Frau ist, also gut übernormal normal, wird jeder, der die erschwindelte Promotionsarbeit kritisiert, jede Alsodochsau, zum “Hexenjäger”: erst recht, wenn die Hex’ katholisch ist.

Was lernen wir aus der ganzen Plagerei?

Bis zum Abitur sollte frau beim Abschreiben aufpassen, danach ist es Egalplag.

Wer frau ab da dafür kritisiert, ist ein perverser Großinquisitor, und frau eine Märtyrerin mit Ministergehalt.

Das erfreulich Sportliche an der Sache ist, dass wie nebenbei das Gesindel abgeschafft ist.

Es ist selbstverständlich immer noch da, aber keiner kennt es mehr beim Namen.

Womit es eben doch alswie weg ist.

In meinem nächsten Leben, das ist schon beschlossen, werde ich Umerziehungsingenieur, neunachhochdeutsch: Mindmapper.

Eigentlich fand ich Mindmaps ja schon immer geil. Ich wollte es mir, etwas retardiert, wie sich’s in meiner Vita nunmal ergab, nur nicht sogleich eingestehen.

So eine Mindmap hat schon was. Man hat irgendsoeine Art Hirn bzw. Bewusstsein, ein Gemüt, wie die Christlichen Wissenschaftler das nennen, und dazu auch noch eine Landkarte.

Das heißt, dass man jeden Abzweig zum Schwachsinn dorten gleich findet.

Sehr nützlich, das.

Auf den Autobahnen und Durchgangsstraßen fährt es sich sowieso leicht und gut: Jedes Verkehrsschild lügt, und da man das sicher weiß, lässt man sich davon nicht beirren.

Und die Geistesfahrer sind auch so gut wie abgeschafft.

In Patagonien, sagt man, sollen sie vereinzelt noch aufkreuzen.

Dort fahren sie manchmal einen Hasen tot.

Denn sie wissen halt nicht, was sie tun.

Es geht aber die glückliche Kunde, dass der Jüngste von ihnen schon über 85 ist.

Die Mindmap wird also bald ganz geistesfahrerfrei sein.

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