Abrahamitenkrämpfe

Gerade habe ich mich wieder mal ein wenig – oder auch mehr als ein wenig – darüber aufgeregt, wie doch dieser religiöse Semitenkrampf in jederlei Form immer wieder in alles auch nur halbwegs Vernünftige hineinkreiselt, je so, wie einer das gerade braucht, sozusagen geadelt dadurch, dass man das quasi schon immer so macht. (Siehe dazu auch den Beitrag “Knabenbeschneidung: Einen Nutzen mag sie bringen” sowie die anschließenden Kommentare.)

Ich werde meine desbezügliche Wut, die, zugegebenermaßen, manchmal aufkommt, zu bezügeln versuchen und die Sache analytisch anzufassen trachten.

Man kann einfach immer noch punkten damit, dass man aus irgendeiner jener in sich völlig inkonsisteten zugrundeliegenden Schriften ein Zitat rausholt und es, entsprechend interpretiert, anderen ins Gesichte klatscht.

Gelegenheit macht Diebe. (Stimmt auch nicht immer, aber hier regelhaft.)

Immer könnte es, zumal was Jesus anlangt (die Moslems lasse ich jetzt mal weg; deren Unfug heute nicht auch noch; aber er ist in vielerlei Hinsicht analog, so dass es auch einem Moslem nicht schaden mag, wenn er weiterliest), so oder so oder auch anders gewesen sein, war er mal jener der Liebe, mal jener des Schwertes, mal Jude, mal Arier, mal Menschensohn, mal Gott selbst, egal was, jeder nimmt sich von ihm, was er gerade meint, kriegen zu können.

Und fast keiner jener kommt mal auf die Idee, in was für ein absurdes, zumal nicht selten tödliches Theater er sich da als anderer nützlicher Charge, kleiner Komparse, einbegibt.

Fast keiner sieht, welches Winzzipfelchen Macht ihm dafür nur verliehen, auf Zeit, nichtmal sicher, auf dass er weniger Sache wirke.

Die vorgebrachten Sottisen sind teils so ungeheuerlich, dass mich mitunter statt des Lachens auch die Traurigkeit ereilt.

Ja, früher sei der Jahwe halt noch ein primitiver, rachsüchtiger Stammesgott gewesen (sein Wort gilt aber trotzdem noch, oder, je nach dem), der aber jetzt durch Jesu Neuen Bund mit ihm sozusagen für alle domestiziert worden sei, also lieb, das sei doch gut so, bringe allen Menschen Heil.

Und gleichzeitig erzählt man Kindern, sie sollten nicht schwindeln und, selbst unbeschnitten, nicht neben das Klo pinkeln. Ihre Vokabeln lernen und den Dativ sauber vom Akkusativ unterscheiden.

Da Nietzsche nicht mehr lebt, der eigentlich schon genug dazu gesagt haben sollte, es aber offensichtlich nicht hat, muss ich (ohne mir darin eine besondere Einzigartigkeit zuzumessen) den Kampf gegen diese Art Krampf weiterführen.

Die Sache war mir schon früh nicht geheuer. Dann aber hatte ich vielleicht das Glück, dass, nachdem mir meine liebe Oma noch, Liebe lebend, das Vaterunser zum Insbettgehen beigebracht hatte (merkwürdig fand ich’s schon, aber ich war noch sehr klein), hernach bigotte katholische Ordensschwestern mit ihren grausen Lügen über mich herfielen, als ich dawider, immer noch Kind, schwerverletzt, fast wehrlos war, aber, das ließ ich sie bald nicht mehr merken, denn ich wollte ja überleben, nicht im Geiste.

Sooo viel Bosheit, sooo viel Verlogenheit, sooo viel Inkonsequenz, sooo viel Verklemmtheit, sooo viel Brutalität, Perversion, Unbewusstheit, Abartigkeit, Verkommenheit, Grausamkeit gegenüber einem Kinde in höchster Not sollten aus dem Geiste der Liebe, inspiriert durch den Glauben an Jesus Christus stammen?

Dass ein Joschka Fischer sich als Katholik bezeichnet, macht es nicht besser.

Dass inzwischen praktisch alle Protestantinnen schwul sind, macht es auch nicht besser.

Es wird auch dadurch nichts besser, dass Homosexualität bei den Moslems eine Todsünde ist.

Bei den Juden sehe ich ebenfalls nicht, dass bei ihnen, abgesehen von Ausnahmen, wie in allen beschriebenen Fällen der Abrahamiten, bislang irgendwas viel besser würde.

Ich hasse weder Juden noch Christen noch Moslems.

Was sie meinen Kindern aber insgesamt schon angetan haben, das ist aus meiner Sicht erst dann verzeihlich, wenn sie wenigstens mal einige von ihnen ehrlich und botmäßig um Verzeihung bitten. (Na gut. Das sollen sie selber entscheiden. Vielleicht ist ihnen das auch schon zu öd.)

Mich jedenfalls muss kein Abrahamit mehr um Verzeihung bitten.

Ich bin alt genug, dass ich sowas nicht mehr brauche.

Leute, die wie Vieh letztlich fast alle unter einem Jahwe liegen, die sind so oder so gestraft genug.

Das heißt aber nicht, dass ich sie deshalb weiters widerstandslos über die restliche Menschheit und zumal meine Kinder herfallen lasse.

Nicht nur deshalb schreibe ich Texte wie diesen.

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2 Antworten zu “Abrahamitenkrämpfe”

  1. haschmech sagt:

    @ Magnus

    “Ich hasse weder Juden noch Christen noch Moslems.
    Was sie meinen Kindern aber insgesamt schon angetan haben…”

    Lieber Freund,

    nicht nur was Deine Aussage oben angeht, sondern auch in vielem anderen stimme ich Dir mittlerweile, na sagen wir mal, zu 95% zu. Ich habe meine Sicht zu einigen Dingen noch einmal gründlich durchdacht, besonders auch was den Glauben und die Religion angeht und ich will für mich erkannt haben, dass ich mich in einigen für mich wichtigen Dingen habe von anderen fehlleiten lassen. Nur bin ich nicht so verkrampft und eingefahren, dass ich einen bisher eingeschlagenen Weg auch immer stur beibehalten müßte. Der Geist ist frei, so auch meiner. Nur am Geist, da werde und will ich nicht vorbeikommen. Ich denke, Du verstehst, wie ich es meine.
    Ich möchte an dieser Stelle einmal betonen, daß ich es als sehr positiv empfinde, dass wir uns über das Internet kennengelernt haben. Das kann auch ruhig jeder mitlesen.
    Ich werde gerne weiterhin bei Dir lesen und auch Kommentare schreiben, “ab und zu”.

    Grüße auch an Deine Jungs

    haschmech

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ haschmech

    Danke Dir, im anderen Strange zu http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2012/02/06/jesus-kein-jude/ mehr.

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