Vom Lernen, der Intuition, den Eso-Eseln und den Runen

Entlang der Diskussionen zu “Von der bewussten Hoffnungslosigkeit” sowie “Von der bewussten Hoffnungslosigkeit (II)” kam mir erneut in den Sinn, wie merkwürdig oft Lernen und Wissen (das Gesehenhaben) wider die sogenannte Intuition gekehrt werden.

Zumal natürlich unter bekennenden Esoterikern, aber beileibe nicht nur unter jenen.

Es ist sozusagen Mode geworden, wenn nicht gar Gemeinschlecht, dass die beiden Sphären quasi unabhängig voneinander existierten, mitunter gar so weitgehend, dass einer, der sich seiner Intuition öffne, es gar nicht mehr nötig habe, zu lernen, länger über etwas nachzudenken.

Das ist völlig realitätsfern.

Selbstverständlich soll damit nicht gesagt sein, dass die Anhäufung von Wissen automatisch die Fähigkeit zur intuitiven Wahrnehmung bzw. Erkenntnis schärfe; oft ist das Gegenteil der Fall; solange man aber nicht Tripelquadrupelkrishnamurti ist, was wohl die wenigsten sind (und, man möge sich fragen, wie einer dahin gekommen sei), beruht eben Wesentliches an der brauchbaren Intuition auf dem (so oder ähnlich) Schoneinmalgefühlthabenden, Gesehenhabenden, hiemit dem Gelernten.

Zu merken, z.B., dass an einer wissenschaftlichen Theorie irgendwas nicht stimmen kann, ohne, dass man bereits sähe, was, dies noch nicht einmal in einem vernünftigen Ansatze zu beschreiben weiß, indem einem irgendetwas aus Bauch- und Oberhirn eine Warnmeldung sendet, beruht eben nicht darauf, dass man so einen hervorragenden Kontakt zur kosmischen Weisheit in die Wiege gelegt bekommen hätte, sondern darauf, dass im noch Unterbewussten das zusammenläuft, was, aus dem Gelernten gespeist, noch nicht logisch erfassbar “Halt! Fehler!” schreit.

Der typische Eso-Esel aber rührt alles zu einem blubbernden Breie, Denken tut ja weh, mag gar böse sein an sich. Er würde gerne durch Herumliegen und dabei faul Einherintuieren weise. Am liebsten gleich ein Buddha, manchmal auch nur ein Jesus. (Bemerkenswert dabei, dass kaum einer mittels dieser Methode ein Konfuzius oder ein Nietzsche werden will. Mag wohl daran liegen, dass ersterer den allerhöchsten Wert aufs Lernen legte, letzterer es nach der Schulpforta wohl gar nicht mehr für nötig ansah, jenes Gewicht vergleichbar explizit zu betonen.)

Klar ist auch, so ist das nunmal, dass die verschiedenen Sphären nicht so exakt zu trennen sind, wie etwa Eichbäume von Badelatschen.

Sie durchdringen sich gegenseitig, befördern oder behindern sich gegenseitig.

Mir wird im Zuge des Schreibens dieses Artikels auch umso klarer, weshalb die allermeisten Leute (selbst wenn sie nicht den Nazi-Hau weghaben) nichts von den Runen wissen wollen.

Die greifen, um es mal so salopp zu sagen, nämlich auf allen Ebenen an.

Da blubbert aber nichts, Brei wird nicht.

Alle Sphären sind gefragt.

Das mag wehtun, egal, ob man die Welt als sein Bankkonto betrachtet oder als einen Selbstbedienungsladen für ans Sichhinaufglauben glaubende Flachköpfe.

— Anzeigen —


Tags: ,

7 Antworten zu “Vom Lernen, der Intuition, den Eso-Eseln und den Runen”

  1. Kolibri sagt:

    Ja, die liebe Esoterik,”höheres Wissen”auf gut deutsch.
    Wissen, soll ja angeblich Macht sein, Aussage eines Esoterikers.
    Ich habe oft den Eindruck, jetzt wo die Kirche ihre Macht verliert,weil die Schafe nicht mehr alles glauben,möchten die jetzt diese Position übernehmen,so weise wie die sind, hätten sie den Schafen wohl einiges zu sagen. Tolle Geschichte!

    Nue einige wenige von denen haben kapiert, dass im Naturheilverfahren mit Energien gearbeitet wird,mit Heilenergie,Lichtenergie u.s,w.
    Diese Energien sollte jeder erst einmal spüren und kennen lernen ,das sind Kräfte, die einen ganz schön umhauen können.

    Mit diesen Kräften kommt jeder in der freien Natur am besten in Berührung.
    Jeder Baum, jede Pflanze hat ihre eigene Energie,die sie uns spenden,wenn wir in dieser Hinsicht einen Mangel haben,weil wir uns irgendwo verausgabt haben.Kräuter z.B.
    Um diese Erfahrungen machen zu können, muss ich wohl oder übel, am Boden bleiben und mich mit Mutter Erde verbinden.

    Diejenigen die von Aufstieg und was weiss Gott noch alles reden,dies klingt für mich eher nach Flucht von der Erde,vorallem Flucht vor der Wirklichkeit,mit der wir in den letzten Jahren knallhart konfrontiert wurden.
    Es ist sicher einfacher, irgendwo zu sitzen, zu meditieren und zu hoffen, dass sich etwas verändert,als hinaus zugehen und offen seine Meinung kundzutun ,dass wir mit so vielem nicht mehr einverstanden sind,und sich mit der ganzen Thematik einmal auseinander zusetzen.Dazu konnte ich zumindest meine Gedanken nicht abschalten.Um eine Lösung zu finden, (Lösung heisst :, Ich löse mich von etwas) musste ich mir auch einige Gedankem machen.

    Was die Runen angeht, so glaube ich gerne, dass viele mit denen nicht damit arbeiten wollen, das sind so kraftvolle Energien, die würden viele von denen Erleuchteten gar nicht vertragen.

    Es ist einfach leichter den Splitter im Auge des anderen zu sehen,als den Balken im eigenen,damit meine ich, viele von denen sehen wohl die Probleme bei anderen und bearbeiten lieber diese,als ihre eigenen. Hab auch schon erlebt, wie es einige von diesen Weisen aus der Bahn geworfen hat, als sie mit sich selbst konfrontiert wurden.

    Ich achte und respektiere alle,denen bewusst ist, welches Potenzial Naturenergien enthalten können.
    Jeder kann lernen, damit umzugehenund das Gute am Ganzen ist,dass jeder nur mit dem in Berührung kommt,was er verträgt.Natur hat ihre eigenen Gesetze.

  2. Lisa sagt:

    “… dass einer, der sich seiner Intuition öffne, es gar nicht mehr nötig habe, zu lernen, länger über etwas nachzudenken.”

    Zuerst einmal ist natürlich nichts getrennt. Aber das “Nachdenken” nenne ich Verstehen.

    “… beruht eben Wesentliches an der brauchbaren Intuition auf dem (so oder ähnlich) Schoneinmalgefühlthabenden, Gesehenhabenden, hiemit dem Gelernten.”

    Ich würde sagen, “Wesentliches” beruht auf der Verknüpfung mit dem schon Gesehenen und dem Neuen.

    “… dass kaum einer mittels dieser Methode ein Konfuzius oder ein Nietzsche werden will.”

    Jesus und Buddha oder Krishnamurti waren eben erleuchtet, dagen Konfuzius überhaupt nicht. Nietzsche würde ich als Borderliner bezeichnen, der knapp an der Erleuchtung vorbei schrammte und ich glaube, das tat er willentlich.

    “… nichts von den Runen wissen wollen…

    Runen sind, wie andere “magische” Werkzeuge, auch, nur ein Mittel zum Zweck. Man gibt sich über diese Methoden sozusagen die Erlaubnis, größere Zusammenhänge zu sehen. Möglicherweise würde man sich sonst nicht trauen. Runen, Tarot, I Ging, Kristallkugel, etc. sind eine Hilfe, um den Geist in eine bestimmte Richtung zu fokussieren und so eventuell zu Einsichten zu kommen oder um etwas zu erreichen. Sie haben keinerlei Macht an sich ohne den Menschen, der sie benutzt.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa

    ‘Ich würde sagen, “Wesentliches” beruht auf der Verknüpfung mit dem schon Gesehenen und dem Neuen.’ – Ich vermag da keinen sonderlichen Widerspruch zum von mir Gesagten zu erkennen.

    Dass mir der überhaupt nicht erleuchtete Konfuzius und der Borderliner Nietzsche mehr zu sagen haben, als Jesus, Buddha oder Krishnamurti, mag an meinem niedrigen Bewusstseinszustand liegen. (Oder, wie andere das ausdrückten, an meiner niedrigen geistigen Schwingungsebene.)

    Die Runen sind für mich übrigens keine, oder nur zuallerletzt, “magischen Werkzeuge”.

    Ich betreibe nämlich keine Magie.

    Ich bin Sprachwissenschaftler, Essayist, Aphoristiker, Philosoph, was weiß ich, also alles mögliche, was profan und greifbar ist.

    Dass Du die Runen mit der Kristallkugel und dem Tarot vergleichst, lässt (anders beim I-Ging; der Vergleich ist meines Erachtens statthaft) für mich darauf schließen, dass Du Dich damit nie wirklich befasst hast.

    Ich betreibe übrigens auch keine Hellseherei und keine Mantik.

    Das überlasse ich – gleich der Magie – anderen.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa (Nachtrag)

    Dass ich “Nichterleuchteten” mehr traue, als “Erleuchteten”, liegt nicht nur an dem, was für mich schwäbisches Würschdle leichter zu erfassen, sondern auch daran, wie sich Anhänger, Nachstreber jener Erleuchteten zu gerieren pflegen.

    Mein Geist kämpft nicht gegen das Fleisch.

    Ich bin nicht zur Bußübung auf dieser Welt.

    Ich liebe gutes Essen und dionysische Abende und schräge bis blasphemische Witze, habe ganz vorsätzlich Kinder gezeugt, kann deren Weg, der, wenn nicht ans Kreuz oder ins Kloster, so doch regelhaft ins Hirnkreuz und Hirnkloster führt, wenig bis nichts abgewinnen.

    Ich habe im Verlauf der letzten 25 Jahre masse Esoteriker aller Sorten kennengelernt (mich auch mit der Kabbalah, dem Tarot usw. durchaus eingehend befasst); einige wenige halten dabei irgendwie das Gleichgewicht, aber dann fast immer auf Kosten anderer.

    Das gemeingermanische 24er-Runenfuthark ist kein irgendein magisches Firlefanzsystem, sondern ein stimmiges kosmologisches. Ich habe andernorts schon einiges dazu gesagt, was ich hier nicht wiederholen will.

    Und, ja, es mag gleichwohl ein Hilfsmittel sein, gleich einem Wörterbuche: Aber es ist das beste, von dem ich weiß.

    Solltest Du ein besseres meinen zu kennen: ich werde es umgehend prüfen.

  5. Lisa sagt:

    “Mein Geist kämpft nicht gegen das Fleisch.
    Ich bin nicht zur Bußübung auf dieser Welt.”

    Ja natürlich. Das wäre ja noch schöner. Aber keiner der Genannten hat, so viel ich weiß, die Physis verdammt und es ging auch nicht um Buße, höchstens um Umorientierung. Dass die “Jünger” so einen Mist daraus machen, kann man den “Erleuchteten” nicht wirklich anlasten. Abgesehen davon möchte weder der Eine noch der Andere sein. Jeder Mensch ist selber groß.

    “Und, ja, es mag gleichwohl ein Hilfsmittel sein, gleich einem Wörterbuche: Aber es ist das beste, von dem ich weiß.”

    Wie gesagt, ich denke, alle Mittel funktionieren, sofern man irgendwie daran glaubt. Das muss jeder für sich herausfinden. Aber irgendwann braucht man gar keine Mittel mehr. Dann reicht klares Denken, was auch die Nutzung aller menschlichen Funktionen einschließt, wie Intuition, Emotion, Inspiration, Intellekt…

    Übrigens,”blasphemische Witze” gibt es so gut wie gar nicht. Höchstens kirchenlästernde Witze.

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa

    Ich glaube nicht an die Runen; das wäre ja erbärmlich.

    Sie “funktionieren” auch eben deshalb besser, weil das gar nicht nötig ist.

    Nein, vielmehr: gar kontraproduktiv wäre. (Um nicht zu sagen idiotisch.)

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa (Nachtrag)

    Selbstverständlich kann ich nicht Jesus oder Buddha ankreiden, wer alles meint, hinter ihnen herdackeln zu müssen. (Oder eben – wenigstens partiell – doch?)

    Es ist gleichwohl ein gewichtiges Indiz.

    Weshalb drehen da so viele Leute gleich mehr oder weniger durch?

    Etwa, weil sie so viel Licht nicht aufs Mal vertragen?

    Und die Konfuzianer und Nietzscheaner haben keinen militanten Verein, weil es sich fürs Unerleuchtetentum bzw. Borderlinertum ja nicht verlohnte, also ernstlich einzutreten?

    Nein, nein, mit der ganzen Erleuchtetseinerei stimmt was nicht.

    Deshalb habe ich auch schon einen eigenen Beitrag dazu eingestellt:

    http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2012/10/08/erleuchtung-schwachsinn/

Eine Antwort hinterlassen