Von der bewussten Hoffnungslosigkeit

Die bewusste Hoffnungslosigkeit ist eine der bislang höchsten Errungenschaften des menschlichen Geistes.

Der Mensch kehrt sich ab vom Erbetteln ihm gerade genehm erscheinender möglicher Zukünfte.

Damit befreit er sich dessen, was gemeinhin “Schicksal” genannt.

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13 Antworten zu “Von der bewussten Hoffnungslosigkeit”

  1. Thomas sagt:

    Wow, das regt zum Nachdenken an.

  2. Lisa sagt:

    Ja, ich stimme zu. Es heißt ja, Pandora habe die Hoffnung als letzte Chance in der Büchse gelassen. Ich aber denke, sie hat sie mit all dem anderen Unglück ausgeleert, denn Hoffnung führt ins Unglück, ist so etwas wie die Basis des Unglücks.

    Die Zukunft ist jetzt. Wenn das erkannt ist, kann Hoffnung doch nur eines bewirken, nämlich die Vernebelung der Gegenwart, in welcher auch die Zukunft gestaltet wird. Sie suggeriert eine bessere “Zukunft” und führt leicht in die Opferrolle. Sie verhindert die Klarheit des Augenblicks, der einzige Punkt, wo man handeln kann.

    Hoffnung ist nur eine Nebelbombe.

  3. Thomas sagt:

    Ohne Hoffnung stirbt der Mensch, es sei denn, er entscheidet sich bewusst zu oben beschriebener Hoffnungslosigkeit. Nur wer kann das schon? Und unter welchen Umständen kann er das?

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Ich meine, dass die entschieden bewusste Hoffnungslosigkeit durch konsquentes Üben und Sichzurordnungrufen erlernbar ist.

    Die Hoffnung ist mit der Verliebtheit nah verwandt. Siehe dazu auch: http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2012/09/30/man-ehre-die-edlen-frauen/

    Letzterer nicht mehr anheimzufallen, ist ebenfalls nicht einfach, aber mittels eines starken, konsequenten Willens doch möglich.

    (Was mich persönlich anlangt: Die Hoffnung habe ich noch immer nicht immer so ganz im Griff; was die Verliebtheit anlangt, so kriege ich wenigstens das schon seit einiger Zeit ziemlich gut hin.)

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Alle

    Ich will hier mal meine Mitforisten loben.

    Ich dachte nicht, dass mindestens zwei auf Anhieb verstehen würden, was ich sagen wollte und nicht nur denken, dass der Göller ein übeler Zyniker wäre, der bloß gerne die Leute ärgert.

    Das macht Hoff…äh, Mut.

    (Der Dude verstand auch gleich – zudem ein Freund, der sich telefonisch wohlwollend äußerte – , was ich im oben zur Verliebtheit verlinkten Artikel ausdrückte. Denken tut halt nicht, wie viele meinen, immer nur weh.)

  6. Thomas sagt:

    Es gibt zwei gute Filme, die das Thema Hoffnung und Hoffnungslosigkeit aufgreifen. Der eine ist Verschollen (Cast away) und der andere ist Auf Messers Schneide. In Erstem verliert der Prodagonist die Hoffnung und arrangiert sicheine Zeit lang damit, bis er am Ende den Entschluss fasst, sein Schicksal zu ändern. In Zweitem treten Hoffnung und Hoffnungslosigkeit einen gemeinsamen Kampf ums Überleben an. Der Hoffnungslose verliert.

  7. Lisa sagt:

    Ich würde es nicht einmal “Hoffnungslosigkeit” nennen. Dieser Begriff orientiert sich an der Hoffnung. Ich finde, dass so etwas wie Hoffnung vollkommen deaktiviert werden kann. Wie gesagt, Klarheit im Jetzt reicht vollkommen.

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa

    Deine Kritik ist logisch durchaus berechtigt.

    Um verständlich darzulegen, was ich meine, war es m. E. indes notwendig, mit dem Begriff der Hoffnung anzufangen: die loszuwerden sei.

    “Klarheit im Jetzt” ist ein sehr guter Ansatz zur Weiterentwicklung des Erörterten.

    Vielleicht fällt mir noch ein Bündigeres ein, als drei Wörter mit vier Silben…

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa

    “Hiesigkeit” wäre immerhin ein einziges Wort mit nur drei Silben.

    Man kennt ja immerhin den Spruch: “Der ist nicht ganz hiesig!”

    Oder – zumindest bei uns Schwaben – : “Bleib’ mal hiesig!”

    Das Wort trifft das Anzusprechende ganz gut, ist aber wohl noch gewöhnungsbedürftig. (Den “Hiesel” und den “Drüsel” kennt man schließlich auch.)

    Immerhin aber bildet es in (gerade noch halbwegs hiesig erfunden) “hiesig statt hoffend” oder “Hiesigkeit schlägt/statt Hoffnung” einen netten kleinen H-Stab.

    “Beisichsein” weist in eine ähnliche Richtung.

  10. Lisa sagt:

    Das mag vielleich im Schwäbischen durchgehen, so wie “Hiésigkeit”. Im Hochdeutschen hört es sich etwas manieriert an. Fehlt nur noch die Klarheit. Aber – nicht schlecht!

  11. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa

    Ja, es hört sich etwas manieriert an. Das ist auch mein Problem. Ich schreibe grade am zweiten Teil zum Thema, vielleicht kriege ich dort etwas noch etwas besser hin.

  12. Thomas sagt:

    Wenn wir uns Hoffnung und Verliebtheit abtrainieren, wie weit ist dann der Schritt dahin, sich alle Gefühle abtrainieren zu wollen? Wir wären dann am Ende alle Vulkanier, was durchaus seine Vorteile hätte, aber nicht nur.

    Was, wenn wir aus aller abtrainierten Hoffnung heraus irgendwann hoffen, dass morgen die Sonne nicht mehr aufgeht?

    Was ist Hoffnung wert? Was, wenn die Iraner aufhören würden, zu hoffen, dass sie nicht in einen Krieg verwickelt werden? Was, wenn die Hoffnung stirbt? Welche Entscheidung wird dann getroffen? Eine positive oder eine negative? Hoffnung ist in diesem Beispiel gleichzusetzen mit positivem Stillstand. Und Zeit(gewinn) bringt manchmal die Lösung.

    Wenn es aufgegeben wird zu hoffen, müssen Entscheidungen sofort gefällt werden. Das kann mehrheitlich eher positiv sein. Manchmal sicher auch negativ.

    Wenn das Aufgeben von Hoffnung nur bedeuten würde, zu akzeptieren, dass eine Situation so ist wie sie ist, hätte ich kein Problem damit. Ich habe teilweise ein Problem mit den Konsequenzen, die sich daraus ergeben würden.
    (Magnus, check mal Emails, ich hab einen kleinen Änderungswunsch an einem Text von mir)

  13. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Gewichtige Einwände.

    Gleichwohl…ich fange mal mit der Verliebtheit an.

    Sich Verliebtheit möglichst nicht mehr zu gestatten, heißt ja in keiner Weise, dass man nicht mehr liebt.

    Das vorletzte Mal, als es reichlich knapp wurde, ich merkte, dass ich diesbezüglich schon ziemlich gefährdet war (es war schon ein Klasseweib, und das sehe ich immer noch so), schaffte ich es, mich hinreichend zur Ordnung zu rufen. (Das letzte Mal auch.)

    Ich grub sie trotzdem an, so gut ich’s eben vermochte, leider erfolglos.

    Aber ich benahm mich weder dabei noch deswegen wie ein Idiot in der Vorhölle, und als klar wurde, dass sie mich zwar mag, es aber zumindest erstmal nichts wird (sie ist wohl zu ihrem Ex zurück, so geht das halt manchmal), stürzte ich in keinen Abgrund, sondern nahm es relativ gelassen hin.

    Kein Katzenjammer, keine Schaffensschwäche, kein Selbstmitleiden, keine auch nur halbe Psychokatastrophe. Sollte ich sie mal wiedersehen, probiere ich’s vielleicht (na, in dem Fall eher wahrscheinlich) einfach nochmal.

    So gut ging es mir vergleichsweis noch nie, nachdem ich, es durchaus ernstnehmend, nicht landen konnte (ich bin eh nicht der Riesenaufreißer; andere Sachen kann ich besser).

    Ich akzeptierte es einfach. Ein anderer war besser, oder ich eh nicht gut genug. Wie gesagt, bei Gelegenheit versuche ich es vielleicht noch einmal, aber es quält mich keine Hoffnung.

    Und, wenn ich schon eine derartige Selbstentblößung betreibe: Es tat mir wahrlich nicht schlecht, dass ich mich nicht zum Halbdackel gemacht hatte. Verlieren ist eins, aber als Jammerlappen verlieren noch ein ganz Anderes. (Außerdem: Wer weiß, vielleicht hätten wir ja wirklich nicht zusammengepasst? Weiß ich’s, ob mir nicht ein Riesenweibsärger erspart geblieben ist?)

    So habe ich ein paar sehr lustige Abende mit wunderbaren Gesprächen mit einer (meine ich immer noch) Klassefrau verbringen dürfen, was mein Leben sicherlich nicht ärmer gemacht hat. Da kann einem Schlimmeres passieren.

    Und: Die Liebe ist keineswegs vergiftet oder perdu. Liebe halbiert und viertelt und achtelt sich nicht, wenn man, beispielsweise, zwei oder vier oder acht Kinder hat.

    Auch geht es bei dem, was ich zum Verliebtsein und zur Hoffnung in den Raum gestellt habe, nicht um das Unterdrücken von Gefühlen, darum, dass man versucht, eine Maschine aus sich zu machen, sondern darum, selber nicht von übermächtigen Gefühlen erdrückt zu werden.

    Wer hier öfter liest, wird wohl auch unschwer feststellen, dass ich ein durchaus (auch!) emotionaler Mensch bin und mich dessen noch nichtmal schäme. Wieso auch?

    Ich kann mich sogar dann ärgern, im Gegensatze wohl zu jedem anständigen Vulkanier, wenn ich deppicht im Schach verliere.

    Ich benutze sogar (ich habe das schon früher erwähnt, aber vielleicht bevor Du diese Seite fandest) mit Absicht niemals ein Rechtschreibprogramm, damit ich mich genug ärgere, wenn ich wieder mal einen Fehler übersehen habe. Gleichgültigkeit ist, gerade auch da, meine Sache nicht. Über eigenen Unfug will ich mich ärgern, jedenfalls so sehr, wie angemessen.

    Und ich ärgere mich natürlich ebenfalls, wenn ich eine Holde anzugraben suche und einen wenig zielführenden Blödsinn losgelassen oder einen saudummen Annäherungsversuch unternommen habe. Man muss ja nicht jede Chance, und sei es eine geringe, grad auf doof versieben.

    Und wenn ich als Hockeyspieler statt ins Tor nur ausgerechnet den Pfosten traf (mit einem so kleinen Ball einen so schmalen Pfosten!), dann war ich auch nicht eben begeistert.

    Ich freue mich – genug jetzt vom Sichärgern erzählt – aber sehr darüber, dass Leute wie Du sich über meine Thesen tiefe Gedanken machen.

    Das spricht immerhin dafür, dass sie nicht gänzlich aus der Luft gegriffen.

    LG noch Hinnerünneröschebich

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