Von Lügen, dem Netz, der Zensur und der Satire

Eben schrieb ich in Antwort auf einen Kommentar zu “Vom Lügenpantheon III” folgendes (das Eingangszitat ist von Herrn Reschke):

@ Gerd-Lothar Reschke

‘ “Man kann deshalb gar nicht sachlich und tatsachengetreu genug argumentieren.”

Meine Zustimmung, aber mit einer gewichtigen Einschränkung.

Es kommt auf die Textsorte an, die man wählt.

In meinen Satiren “argumentiere” ich nicht selten nicht nur sachlich; sonst wären es ja keine; und Satiren können auch und gerade in den ernstesten und gewichtigsten Zusammenhängen ebendas leisten, was die rein sachliche und tatsachengetreue Argumentation nicht kann.

Nicht selten mische ich die Textsorten auch; das heißt z.B., dass eine inhaltlich gnadenlos genaue Argumentation trotzdem mit einem satirischen Unterton geschrieben, oder satirische Passagen als Einsprengsel in einen ansonsten vollernsthaften Text gesetzt.

Viele Menschen fangen erst dann mit dem Denken an, wenn richtige Gedanken so schräg daherkommen, dass sie sich deshalb am Kopfe kratzen.

Außerdem dürfen wir uns unseren Humor nicht nehmen lassen.

Und hat das nicht in jeder Weise bzw. immer ernsthafte Schreiben (naja, vielleicht ist gute Satire das ernsthafteste Schreiben überhaupt…) auch die wichtige Funktion, Menschen zu zeigen, dass da drüben einer sitzt, der die Welt nicht verbiestert sieht, gerne lacht.

Das erleichtert vielen den Zugang zu Dingen, vor denen sie sich scheuen, die ihnen krummgelogen, weggelogen wurden.

Insofern kann Satire – auch wenn der Leser das nicht oberbewusst merken mag – eine Art der subtilen Handreichung, der Aufweichung eines ins Mentale eingesenkten Bollwerks sein.

(Das ist jetzt schon wieder ein Ansatz für einen eigenen Artikel dazu; ich werde wohl den ganzen Kommentar als Eingang dafür verwenden.)

LG

Magnus’

Nicht umsonst heißt es auf den Kommentarsträngen einschlägiger Schafsmedien, wenn diese mal wieder einen Beitrag löschen, also zensieren, regelmäßig “Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf polemische Äußerungen”, und was es an derlei Kalauern vonseiten zensierender Redaktionen noch so gibt.

Man weiß dann, wenn man den Kommentar nicht doch noch zu Gesicht bekommt, natürlich nicht, ob der Kommentator wirklich so beleidigend bzw. neben der Spur auftrat, dass eine Löschung gerechtfertigt bzw. gar zwingend war.

Gemäß allem, was ich dazu weiß, ist das aber sehr häufig nicht der Fall.

Es wird vielmehr oft genau deshalb gelöscht/zensiert, weil jemand die sogenannte Sachlichkeit auf eine derart unerwünschte Weise verlässt, dass die Zensoren um den erwünschten geheiligten Fortbestand, das Geglaubtwerden ihrer Lügen zu fürchten sehr wohl gute Gründe haben.

Immer häufiger aber sehe ich (selbst bei SPON oder der Zeit, also dem Bodensatz unserer Schafsmedien), dass Kommentatoren dies immer gewitzigter unterlaufen, ihre Spitzen immer feiner setzen.

Es bewegt sich was.

Bei allem Schiet, den wir täglich ertragen müssen: Das Rettende wächst auch.

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