Von der Bibel, dem Koran und Crowleys Liber AL

Leser Dude hat mich (mein Dank dafür!) ebengerade, indem er meinte, Leser haschmech, ein echter Bibelkenner, solle nicht, meiner Empfehlung folgend, dazu auch noch Crowleys Schriften lesen, wunderbar gereizt und damit inspiriert.

Lest jeden Heiligen Mist, bis dass er Euch bis zur Hölle zum Halse heraushängt!

Persönlich ist für mich klar, dass mir Crowley besser gefallen hat, als dieses Krampfbuch namens Bibel, oh je, vom Koran jetzt noch gar nicht zu reden.

Das mag daran gelegen haben, dass ich Englisch problemlos im Original lesen kann.

Auch daran, dass ich ihn, auch zumal anhand seiner vergnüglichen und interessanten Autobiographie, ansonsten als einen ziemlich undoofen Autoren, der tatsächlich gelebt haben dürfte, kennenlernen konnte, nicht nur als irgendeinen abgedrehten Propheten aus einem kühlbachlosen, permanent überhitzten Sandland zwischen Nil und Euphrat. (Er war natürlich selber ein Schwindler, ziemlich abgedreht, meinte, nachvollziehbarerweise, kurz vor der Dreigöttersenke, in Kairo, Anleihe nehmen zu müssen, um seinen Heiligen Pott anerkannt vollpissen zu können. Insofern war er ein epigonaler Feig, ein eitler Nilschlammschlecker.)

Immerhin war er ansonsten aber kein Blöd, er war ein herausragender Bergsteiger, hatte mehr Arsch in der Hose, mehr Witz, Frechheit, Intelligenz, Kenntnisse, als über 99% derer, die sich heute als Esos gerieren, brachte mich nicht nur einmal zum Lachen, zeigte auch jenseits seiner “dunklen” Texte eine nicht unbeachtliche Dichtkunst, war ein ausgezeichneter Schachspieler, was sonst alles noch, so dass mir, solange von Jesus oder Jahwe oder sonst einem dieser Sandlandobskuranten nur Gerüchte zukommen, der noch weitaus lieber ist.

Er ist historisch ziemlich unzweifelhaft bestätigt, hat viel durchgehalten, viel riskiert, war frech wie Rotz, gab sich dabei praktisch unablässig die Kante, dass jede Schwarte kracht, wusste, nebenbei, auch noch, als einer der Wenigen, wie die Frauen lügen (gut, wie immer, bei der eigenen brauchte er lange, bis er draufkam, geschenkt), schonte sich nie, kurzum: Wenn alle 33-Grad-Freimaurer des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus’ mir so viel Vergnügen zu bereiten wüssten, wie Crowley, träte ich deren Saftladen zwar immer noch nicht bei, sähe ihn aber vielleicht, da für mich das Künstlerische den Menschen wesentlich ausmacht, doch in einem gnädigeren Lichte.

Es heißt, er sei “Satanist” gewesen.

Nun gut, nun schlecht, alle Christen und Moslems, die meine Kinder ob ihres Unglaubens gequält haben, und das waren nicht wenige, sind für mich Satanisten.

Jedenfalls, wenn das Wort irgendeinen für mich greifbaren Gehalt haben soll.

Crowley war nicht dabei. Jedenfalls, dass ich davon wüsste.

Er war vor allem eins nicht, ich wiederhole es absichtlich: feige.

So mag er denn ein arges Arschloch gewesen sein, aber wenigstens eines, mit dem ich mich, es mal zu erleben, doch noch persönlich an einen Tisch setzte.

Jesus ist, wie hier schon dargelegt, wenn als der, welcher den Alten Bund erneuern wollte, korrekt überliefert, bei mir nicht mehr erwünscht. Wer wegen seines perversen Vaters, der er selbst sei, der Menschheit damit ein schlechtes Gewissen zu machen, ans Kreuz will, hat an meiner Tafel nichts zu suchen.

Man verkraftet, ganz einfach, nur nicht, was Crowley vorgelegt hat.

Keine echte sprachwissenschaftliche strukturelle Analyse seiner sogenannten Class-A-Texte liegt meines Wissens vor (soll ich alles allein machen, oder schafft sonst auch noch einer was?), man windet sich nur, ja, ein paar Esos labern, wie immer, Jake Stratton-Kent hat was geleistet, zuwenig trotzdem, denn der kann wahrscheinlich bis heute nur einigermaßen Englisch, und ansonsten heißt es nur, oh Angst, bloß nicht, Satanist, Hilfe! – oh je! – Crowley, das macht man doch nicht.

Tut mir leid, das ist lächerlich.

Dass der Koran ein blödes Buch ist, sieht jeder Philolog spätestens nach wenigen Suren.

Dass Crowleys Class-A-Texte blöde seien, hat mir noch keiner nachgewiesen.

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9 Antworten zu “Von der Bibel, dem Koran und Crowleys Liber AL”

  1. Frater GML sagt:

    Do what thou wilt shall be the whole of the law!

    Ganz nett, empfehle aber trotzdem zB Dr. Richard Kaczynskis hervorragendes Werk “Perdurabo” als Lektüre.

    Und die Sprachwissenschaftlichen sowie psychologischen Arbeiten sind nur eine Frage der Zeit, Onkel Al ist grade für das akademische Umfeld ein gern bearbeitetes Thema.

    Love is the law, love under will
    Frater GML

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Frater GML

    Ich habe weiland das Liber AL in ein extra dafür selbstentwickeltes Experimentaldeutsch übersetzt (vor gut 20 Jahren); ein gewisser Saturnier wollte es so auch rausbringen; was jedoch nichts wurde; der Text liegt noch dort; fast alle “Fratres” aber, auch ansonsten, die ich im Zuge meiner Beschäftigung damit kennenlernte, waren Durchgeknallte, Betrüger, Scharlatane und noch Schlimmere.

    Freute mich sehr, wäre “Frater GML” eine Ausnahme.

    Ansonsten “fraternisiere” bzw. sororisiere (oder wie sollte man das nennen?) ich nur mit einer Frau, die das ohne vorherige gewaltsame Einahme meines Vaterlandes will, wie es sich gehört, zu Tisch und dann im Bett.

    Geheimbünde sind bei mir schon lange enddurch.

  3. Dude sagt:

    “Love is the law, love under will”

    Verkehrt!

    Love is the law, will under law!

    Alles andere ist lediglich die luziferische Selbst- bzw. Egorechtfertigung für allen willentlichen Missbrauch der Verantwortung gegenüber der Schöpfung und der Individuen im Ganzen.

    Ganz nach dem Motto: Ach ich bin unschuldig und nur der Liebe gefolgt, weil ich meinen göttlichen Willen in die Tat umsetzte, als ich das kleine Mädchen in alle Körperöffnungen f…, um sie dann zu verstümmeln, denn was ihr zugestossen, ist ja nur ihr Karma.

    Vade retro satanas!

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Ich verstehe genau, was Du hier so drastisch ausgedrückt hast. (Ich habe mir erlaubt, das eine Wort mit Pünktchenende zu versehen, da es sonst rechtliche Probleme geben könnte.)

    Das Grundproblem (wir haben es ja auch im anderen Strang) wird aber nicht dadurch gelöst, dass man Crowley, seine Schriften, tabuisiert.

    Man sollte ganz im Gegenteil mal ebenjene sprachwissenschaftlichen Analysen durchführen, die ich gefordert habe.

    Macht aber keiner. Ich habe gerade anderes zu tun, keine Hiwis usw.

    Zurück zu Deiner drastischen Darstellung: Ja, so sehen es viele, ich weiß das wohl. Nicht nur Belgien/Brüssel lässt grüßen.

    Der ganze Augiasstall an Kinderschändern usw. muss ausgemistet werden.

    Soll ich das alles alleine machen?

    Von Dir, z.B. (ich weiß, dass es nervt, es gehört aber nochmal genau hierher), weiß ich noch nicht einmal, wer Du bist.

    Wie sollte ich denn da darauf setzen können, dass auch nur Du mir hülfest, wenn der, der zwar Magnus heißt, aber, jedenfalls dass es ihm bekannt wäre, kein Sohn eines Zeus ist, außer einer Gartenharke lediglich der Worte Kraft zu führen in der Lage, es damit allein nicht schafft?

    Lieber noch führe ich Leute auf Crowleys Schriften hin, denn dass ich auf eine Schweizergarde setzte, von der ich allenfalls stark vermuten kann, dass sie ihren Sitz in der Schwyz hat, die aber im Zweifel nicht zu rufen ist.

    Da bleibe ich ansonsten lieber bei meiner Schwabengarde, Schwabenavantgarde, die mir treu dient, deren Adresse mir bekannt.

    Zumal dann, wenn es in der Tat auch gegen Kinderf… geht.

    Also das mit allerübelste Geschmeiß, das diesen Planeten bevölkert.

    Dein vortrefflicher (wahrscheinlicher) Landsmann, Harro von Senger, schrieb über chinesische Strategeme.

    Ich fahre, dieser durchaus eingedenk, meine schwäbischen.

  5. Dude sagt:

    @Magnus

    Vergiss das mit den Pünktchen. Es wäre hirnrissig wegen einem einzigen Wörtlein ein Affentheater zu riskieren, daher ist das für mich (auch bei allfälligen zukünftigen Pünktchen ;-) ) irrelevant, zumal die Grundaussage ja nachwievor verstanden werden kann. :-)

    “Man sollte ganz im Gegenteil mal ebenjene sprachwissenschaftlichen Analysen durchführen, die ich gefordert habe.”

    Nun gut, Du magst recht haben damit. Nur hast Du ja an obigem Paradebeispiel (love under will) eindrücklich sehen dürfen, in welch fatale Verblendungen, und in welch dunkle Irrgärten, seine Schriften allzu wenig bewusste Individuen leiten können.

    Egal wer das also macht, so sich einer darauf einlässt, er sollte sehr genau wissen, dass man mit glühenden Kohlen nur sehr vorsichtig spielen sollte.

    Ich persönlich hätte jedoch schon gar nicht die Zeit dazu; nicht annähernd… …ich dümple ohnehin schon fast dauernd am Limit rum…

    Ps. Du weisst, ich bin der Dude aus Zürich, und Du weisst auch, dass ich aus Sicherheitsgründen sehr viel Wert auf meine Internet-Anonymität lege. Auch wenn ich es also mal endlich nach Stuttgart schaffen sollte – oder Du nach Zürich ;-) -, werde ich Dir, auch leibhaftig vor Dir stehend, meinen bürgerlichen Namen nicht verraten.
    Denn dieser ist ausschliesslich Systembürokraten vorbehalten, und Du bist ja offensichtlich kein Systembürokrat.

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Kein Problem, halte es weiter so, wie Du es willst.

    Ich schreibe grade noch einen eigenen Artikel zu Crowley und Deiner Warnung vor ihm. Dürfte Dich interessieren.

    LG gen Züri

  7. Dude sagt:

    Mich interessiert hier bei Dir fast alles! Einschliesslich desjenigen, wovon Du selbst denkst, es mögen nicht alle für passend empfinden. :-)

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Artikel haben fertig, bist grade nochmal rechtzeitig mitreingegrätscht.

  9. las artes sagt:

    Zunächst solltet Ihr wissen, dass ich seit 20 Jahren überzeugter Wessi bin. Ich kann also definitv nicht beurteilen “wie” es wirklich im Arbeiter- & Bauernstaat zugegangen ist und auch nicht wie das “Schild und Schwert” der SED – also das MfS- gearbeitet hat. Ich habe aber immerhin vor 2 Jahren die zu Filmende auftauchende Berliner Gauckbehörde besucht und dort einen Einblick in Stasi- Über-wachungstechnik & Praktik erfahren. Wie die Stasi aber in EDinzelfällen gehandelt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. D.L.d.Anderen aber kann ich beurteilen und ich finde das dem Regiesseur hiermit ein Meisterwerk gelungen ist. Natürlich mischen sich hier Realität und eine große Portion Fiktion doch waurm soll es so abwegig gewesen sein, dass ein Stasi-Offizier Zweifel am DDR-Regime bekommen haben und nicht mehr im Sinne seiner Vorgesetzten gehandelt haben soll ? Vom Ende -5 Jahre später- wird er sicherlich nichts geahnt haben. Einene großen Fehler hätte ich aber zu bémerken. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass in einem Mietshaus mit mehr als 4 Parteien auf dem Dachboden ein Sammelsorium an Überwachungstechnik installiert werden kann, ohne dass Irgendwer was bemerkt. Schwer vorzustellen dass der Stasispitzel ungehindert Tag und nacht spionieren und sich vollkommen sicher sein kann. Über das Ende kann man streiten – Kitsch oder nicht ? Ich finde das Ende, welches mich wirklich verblüfft hat für diesen Film mehr als gelungen. Der gesamte Film ist für mich schlicht perfekt: Glänzende Schauspieler, hervorragende Sets und Spannung von der 1. bis zur letzten Minute, sowie eine Handlung deren Orte oft wechsteln, die aber stets nachvollziehbar bleibt. Ich finde Das Leben der Anderen passt perfekt in den neuen Trend der Deutschland-Verarbeite-Deine-Geschichte-Filme und hat sämtliche Filmpreise verdient.

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