Von bösen, unohngeistigen alleinerziehenden Männern

Am meisten ärgere ich mich über mich selber, wenn ich mich mal wieder über Leute geärgert habe, kinderlose Alleinstehende oder Paare, oder Paare, die vielleicht ein Kind haben oder auch zwei, wenn ich deren herablassende, wenn nicht verächtliche Blicke gespürt, wenn mir nicht gar noch einschlägige Sprüche abgeholt, weil bei mir nicht immer alles so schön geputzt, aufgeräumt, rechtzeitig erledigt, wie bei denen. Oder auch wegens sonstwas, das sie wider mich erspäht.

Dann muss ich mich erstmal wieder daran erinnern, wie froh ich bin, dass meine Buben da sind, dass allzuviele dieser Leute halt einen brauchen, auf den sie runtersehen können, zumal, da man mir anriecht (vielleicht auch mal im doppelten Sinne), anhört, wer sehen kann, auch ansieht, dass ich ein Geistesleben habe und pflege, das jenen nicht zueigen.

Es ist eben nicht nur deren Drang, sich irgendwie besser zu fühlen und das auszukosten, sondern es steckt – bei den Kinderlosen sowieso meist auch der in der Regel verdrängte Neid, selber keine zu haben – ansonsten jener Neid auf ebendieses für sie nicht Fassbare dahinter, von dem sie spüren, selbst wenn sie sonst nichts von mir wissen (wollen), dass da ein Reichtum sein muss, den sie nicht einmal ermessen könnten, wenn sie es versuchten, was sie ohnehin wohlweislich meist nicht einmal anzusetzen sich befleißigen.

Dass einer dann noch, nur mit Schlafsack, seiner Bouteille, sich selbst und seinen Gedanken allein in den Dünen einer Nordseeinsel mehr Welt in sich und aus sich aufbilden könne, mehr wert, als all ihre Audis und gewienerten Eingänge, ihre Mallorca-Flüge, selbst auch ihr gesellschaftliches Geachtetsein, das ahnen sie, das bringt sie zu ihrer keineswegs lachenden Bosheit.

Dass da einer Dinge gelernt habe, die ihm kein Geld der Welt abkaufen kann, manchmal im Traume über Kamtschatka und die Kurilen nach Japan fliegt, auch wohl im Geiste mal am Tage, sich seinen Geist so geschaffen, dass dieser jederzeit Kosmen aufbilden kann, ohne dass dies auch nur einen Eurocent kostete, er auch nur sein Schweizermesser nicht in den Flieger brächte, dass jener dort, dieser entstellte Loser, den sie oft auch noch für einen Blödmann halten, weil er, bei seiner kaum bestreitbaren Intelligenz und Beredtheit, es noch nicht einmal bis zum anständigen Versicherungsvetreter gebracht, dass so einer noch die Frechheit besitze, vor ihren Augen fröhlich auf sein Rad zu steigen, unbäuchicht, Zeit habend, offenkundig, auch die Gewandtheit dafür noch immer, nicht nur des Verkehrs zu achten, sondern nebenher auch noch seine neuesten, politisch nicht korrekten Texte auszuhecken, über Semantik und Wortbildung nachzusinnen, kurzum, dass da ein derart Randständiger, meist unverdrossen, auch noch das beste Brot der Stadt, wenn er es nicht selbst zu backen Zeit findet, zu holen und in sein Ränzlein zu packen ausrückt: das mag sie sehr verdrießen.

Oh wenn er denn wenigstens ein Weib, eine Witwe wäre, das und die anständig zu bemitleiden!

Nein, dieser vielleicht manchmal etwas geknickte, letztlich aber doch unbeugsam freche Kerl ist ziemlich unzweifelhaft ein Mann, der sich, bei aller Erniedrigung, dreist, doch nicht erniedrigen lässt, vor dem man sogar dahingehend Angst haben muss, dass er, treibt man es zu doll, lediglich einen harten Blick ansetzt, oder, langt es ihm mal ganz, zwei oder drei Sätze, womöglich nur eine vernichtende Sentenz von sich geben könnte, von der Art, wider welche man nichts mehr einzuwenden wüsste, welches einen noch lange verfolgen möchte.

SO EINER ist freier als WIR!!!

Unerträglich!

Noch nicht einmal seine Buben, die unter einer derart missratenen Kreatur aufwachsen müssen, sehen sonderlich unglücklich oder verwahrlost aus!

Unerträglich!

Und Heide oder sowas Ähnliches ist er auch noch. Es scheint noch nicht einmal ein anständiger Glaube zu sein, der ihn immer wieder weitermachen lässt!

Unerträglich!

Weshalb ich dies schreibe?

Ich will damit allen, die in ähnlicher Lage, nicht in einem ganzen Buche, sondern kurz und bündig, wie es meine Art ist, erklären, was die Leute zu ihren Blicken, ihren Sticheleien, ihrem Lästertum treibt.

Was man verstanden hat, damit kann man besser umgehen.

Wenn nur einer derer diesen Text liest und ihm damit ein wenig geholfen ist, dann habe ich ihn nicht umsonst geschrieben.

Andere dürfen natürlich auch darüber nachdenken.

Wir sind ja nicht asozial.

(Da fällt mir ein: Neuerdings heißt es “dissozial”. Ich gewahrte dies Ersatzwort immerhin kürzlich in der FAZ, wo man gemeinhin weiß, was man sagt. “Asozial” ist inzwischen wohl zu asozial. Sowas sagt man nicht mehr. Da ich aber “man” nicht bin, kommt das Wort hier nach wie vor zu seiner altangestammten Ehre.)

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2 Antworten zu “Von bösen, unohngeistigen alleinerziehenden Männern”

  1. Florian sagt:

    Lieber Magnus,

    ich habe keine Ahnung, wie ich meine Hochachtung und meinen Respekt vor dir ausdrücken soll, deshalb sag ich einfach nur Danke! Du schreibst mir von der Seele. Bleib wie du bist, mach weiter so! Denn selbst im tiefsten Kerkerloch bist du noch tausendmal freier als die hirngewaschenen, normkonformen restlichen 99%

    mit besten Wünschen aus Ascheberch
    Florian

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Florian

    “Ascheberch”? – Na, ich weiß wenigstens den Klarnamen der Stadt, wo ich überdies noch entscheidend mit meiner Frau, der Mutter meiner Kinder, zusammenkam…

    Wie ich eben Leser Kolibri im Zusammenhang mit dem Nachruf auf meinen verstorbenen Freund James antwortete, weiß ich auch in diesem Falle, dass “man” so etwas eigentlich nicht schreibt.

    Völlig “uncool”.

    Da wir alleinerziehenden Männer aber, es sei denn, klar, wir hätten viel Geld und hohe Reputation, als der unterste Bodensatz der Gesellschaft behandelt werden, nicht von allen, aber allzuvielen, derer wiederum viele sich dessen noch nicht einmal bewusst, muss auch derlei, derart deutlich wie oben, ans Licht.

    Ich weiß, dass es Tausenden ähnlich ergeht.

    Einer muss es mal hinschreiben.

    Das ist kein Vergnügen, man weiß genau, wie lächerlich man sich vor einem Großteil der immercoolen, sogenannten Kollegen, auch anderen noch, macht; deren zur Schau getragene “coolness” wurzelt aber entweder tatsächlich in blanker Kälte, oder sie sind in Wirklichkeit Schisser, die diesen Panzer brauchen, um sich sicher zu fühlen.

    “Der ist so “emo”, so blöd, dass er sowas hinschreibt!”

    Ja, mögen sie lachen, diese Helden.

    Ich weiß trotzdem mehr von ihnen, als sie von mir.

    Aber darauf kommen sie in ihrer ganzen Coolness gar nicht.

    Kälte macht nämlich auch starr, und damit dumm.

    LG nach Ascheberch

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