G. C. Lichtenberg: Horcht, Ihr Aphoristiker!

Ich verstehe Georg Christoph Lichtenberg immer besser.

Er ist einer derer meiner Lehrer, die mir, was ich schon von Kindesbeinen an vermutete, bestätigten, dass sich immer noch ein nicht hinreichend betreuter lustiger oder auch tragikomischer Blödsinn findet, wofern man nur Augen und Ohren aufmacht.

Man kann auch das üben.

Jeder Aphoristiker ist gehalten, es zu üben.

Allzuleicht schleicht sich ein erlesener Unfug einfach an einem vorbei.

Nietzsche war natürlich noch besser als Lichtenberg.

Es geht aber nicht an, dass ich immerzu nur den alten Fritz lobe. Das hätte er bestimmt nicht gewollt.

Manchmal blicke auch ich in die Trübsal.

Spaziert aber irgendsoein tripelsandriger dummer Spruch oder Flachkopf an mir vorbei, so geht es mir oft schlagartig wieder besser.

Die eigene Tristesse und Begriffsstutzigkeit ist von hier nach hier (jaja, die Überlichtgeschwindigkeit) in Nullzeit verflogen, man gießt zum Weine und hinters Weinen wieder das köstliche, knappe, kristalline Wort.

Es ist alswie ein ungeplanter Überfall, den man unbewusst herbeigesehnt.

Alles irgendwie verhockt, selbst bei schönster Herbstsonne trist, und auf einmal bricht das Licht des mit gnädiger Hand zu segnenden Schwachsinns ins selbsterdachte Dunkel.

Die Welt zeigt einem, dass sie nicht nur einen Selbstbeschränker hervorgebracht. Man liebt sie darob wieder.

Und man lacht neu.

Ob je noch einer mitlachen möchte, wird nebensächlich.

Man sitzt plötzlich, Heinrich oder nicht, am eigenen Vogelherd, alles um einen herum ersteht aus einem kleinen Keime.

Georg Christoph Lichtenberg sei hiermit ein weiteres, hoffentlich gebührliches Denkmal gesetzt.

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