Verteidigt das Grundgesetz!

Normalerweise wird man ja, wenn überhaupt, durch das Erscheinen und nicht durch die Obsoletmachung eines Schriftsatzes inspiriert.

Nicht aber so, bei mir zumindest, mit dem Grundgesetz.

48 Jahre lang hat man mir eingetrichtert, dass ich mich daran zu halten habe, alle anderen auch.

Jetzt hat man es aufgehoben, so eindeutig und unzweifelhaft wie nie zuvor, aber keiner von denen, der mir meine verordnete Heilige Schrift genommen, bekennt sich auch dazu.

Nun gut, welcher vernünftige Straßenräuber zeigt sich schon selbst an und erzählt noch, was genau er wozu von wem erbeutet.

Wenn er je erwischt werden sollte, waren es mit Sicherheit die sozialen Umstände, die ihn dazu trieben.

In diesem Falle war es dann der Gruppenzwang in einer der Blockflötenparteien, in die er unschuldig hineingeraten, die ihn dazu trieben.

“Herr Richter, ich habe gar nicht realisiert, woran ich mitwirkte. Ich war gar nicht mehr ich selbst. So gesehen, habe ich die Taten gar nicht begangen.”

“Wollen Sie, Angeklagter, damit etwa auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren?”

“Ja, Herr Richter. Wir waren alle unzurechnungsfähig. Deshalb hat ja keiner seine Taten bemerkt.”

“Nicht ein Rädelsführer, der bescheid wusste? Ihnen ist nie etwas aufgefallen? Bedenken Sie, dass ein umfässliches Geständnis strafmildernd wirken kann!”

“Naja, als ich einmal einem kleinen Moslemjungen das Grundgesetz wegnehmen sollte, wir nannten das ‘konfiszieren’, der doch arg schrie, da fragte ich meinen Rudelführer, ob man nicht einmal eine Ausnahme machen könne. Er sagte mir aber, und er war Parteivize, dass das gerade in diesem Falle erst recht nicht angehe. Gerade da müssten wir Guten ein unmissverständliches Exempel statuieren.”

“Sie haben dem dann also einfach Folge geleistet?”

“Ja. Was denken Sie denn, mit Verlaub, Herr Richter? Man hätte mich nicht einmal mehr Plakate kleben lassen!”

Sparen wir uns den Rest der Verhandlung.

Ich bin eben mit dem Kopfe gegen die Schreibtischkante gestoßen und mir darüber klargeworden, dass das Grundgesetz, solange es nichts Besseres gibt, zumal, da uns kaum so schnell etwas Besseres zur Abstimmung vorgelegt werden wird, selbst noch in seinen Resten, mit Zähnen und Klauen zu verteidigen ist.

Noch hat sich keiner der Straßenräuber getraut, uns glatt zu sagen, dass es einfach aufgehoben sei.

Was kommt, wenn das geschieht, werden wir sehen.

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