Vom ortbaren Handyoten

Auf faz.net schon wieder ein guter, gar mit Verve verfasster Artikel, diesmal zur Handyüberwachung von Constanze Kurz. (In letzter Zeit kam mir schon der Verdacht, dass man ganz bewusst wieder häufiger als vordem in diesem Sinne leserbindende, ruffördernde Beiträge einstellt, wie sie eben bei der Konkurrenz kaum, und wenn, dann nicht in der Qualität erscheinen. Es ist ja nicht so, dass die Leute der FAZ nicht anständig schreiben könnten. Sie sollen oder wollen das – mal von einem meist eingehaltenen sauberen formalen Stil abgesehen – nur allzuoft nicht.)

Die Autorin schließt ihr Stück denn also deftig:

“Besonders augenfällig ist das beim Argumentieren der Strafverfolger in parlamentarischen Anhörungen, wenn das Thema Funkzellenabfrage zur Sprache kommt. Hier wird regelmäßig nicht etwa eine konkrete Gesetzesgrundlage für die tiefgreifende Maßnahme genannt oder eine gesetzliche Präzisierung diskutiert, schon gar nicht mit unabhängiger Kontrolle.

Stattdessen wird schlicht Vertrauen gefordert, dass die Polizei schon sensibel und sparsam mit der großen Ermittlungskeule umgehen werde. Angesichts der bekanntgewordenen Betroffenen-Zahlen in Dresden, in Berlin und anderswo mutet diese Forderung nach Vertrauen an wie die Werbesprüche der Banken, als sie Giftmüllhypotheken-Anleihen und schrottreife Immobilienfonds an ahnungslose Kleinanleger verkauften.”

Oha! – Legislative und Exekutive werden ob ihres Gebarens bezüglich elektronischer Überwachung in den expliziten Vergleich mit den Zockerbanken gestellt, die aus jedem Schuldenwahnsinn immer noch mehr für sich bzw. ihre Großklientel herausschlagen. Wo es geht, bis zum Staatsbankrott.

Constanze Kurz macht auch jedem Lesfähigen klar (sie sagt es nicht so direkt, aber hinreichend deutlich), dass nur noch ein Depp, der immer noch nicht begriffen hat, was läuft, sein Handy mit auf eine Demo nimmt, die irgendwaws mit Politik zu tun haben könnte, in einen coolen Club, wo vielleicht mit Drogen gehandelt wird (in welchem nicht?), zu einem Schäferstündchen, auf den Kiez, wenn dort ein Krawall angesagt ist, eigentlich überallhin, wo irgendwas war, ist oder entstehen möchte.

Ich nehme mich mal als konkretes Beispiel.

Genau auf geradem Wege zwischen meinem Domizil und meiner Stammkneipe liegt das Stuttgarter Puffviertel mit Straßenstrich. Besser also, ich laufe nicht so regelmäßig gradaus zum unschuldigen Philosophenbiere, oder ich lasse das Handy zuhause. (Ich habe fast nie eines dabei.)

Nun, hier wäre die Sache noch nicht unbedingt so kritisch, weil direkt in den Straßen daneben, davor und dahinter, durchaus auch seriöse Esslokale drumrum, auch eingestreut, so dass man da mit der gesunden Paranoia nicht gleich übertreiben müsste.

Wenn aber doch ein Zuhälter einen anderen mehr als nur streichelt, sogar etwas Schlimmeres passiert, und man saß oder ging nur wenige Meter entfernt…

Und wenn ich in die eigentliche Innenstadt gehe (das Puffviertel nennt sich hier Altstadt), dann gerate ich oft unversehens an einen Demonstrationszug, den ich gar nicht unbedingt sehen wollte, geschweige denn an diesem teilnehmen, neulich waren es Kurden, schwerst PKK-verdächtig, die Polizei hatte masse Truppen in Kampfanzügen usw. aufgefahren, alles, was nur da, nahm die Sache offensichtlich sehr ernst.

Zum Glück marschierten die in der Eberhardstraße an mir handylos vorbei, ein circa vier mal sechs Meter messendes ausgebreitetes Öcalankonterfei ausgespannt tragend.

Es muss ja mal nur eines zum anderen kommen, im Laufe der Zeit.

Wie es der Deibel Zufall will, wurde man mal da mal dort geortet, ein ausgerasteter Anfangsverdacht kommt auf. Da wird man sicherlich nicht gleich verhaftet, so dumm ist die Polizei ja nicht, aber man hängt bereits an einem virtuellen Schwarzen Brett.

Ein Handy bei sich zu tragen, das ist wie als ob es drumrum überall und immer (außer in einem Funkloch) stockdunkel wäre und man führe eine stets klar ortbare Positionsleuchte mit sich herum.

Dabei spielt es gar keine Rolle, dass die meisten anderen auch eine solche Positionsleuchte an sich, denn jede Leuchte lässt sich bequem zuordnen, selbst wenn da Millionen davon auf engem Raume irrzulichtern scheinen.

Dass so auch Bewegungsbilder erstellt werden können und dies auch gemacht wird, ist klar.

Am besten, Sie nehmen also Ihr Mobilfunkgerät nie mit, außer auf immer demselben Weg zum Kindergarten und zum Supermarkt.

Obschon Sie das schon wieder, ob eines so eingeschränkt-einseitigen Nutzerverhaltens verdächtig machen könnte.

Weshalb nimmt der sein Handy nur dann mit, wenn es harmlos erscheint?

Hat der was zu verbergen?

Verarschen können wir uns alleine. Den müssen wir uns genauer anschauen.

Da muss er früher aufstehen, als uns mit solchen Tricks zu kommen.

Ja, wir haben eben hervorragende Kriminalisten, und heute haben sie sogar großartige Computer, und wir die passenden Handys dazu.

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13 Antworten zu “Vom ortbaren Handyoten”

  1. Dude sagt:

    Der FAZ-Artikel ist überraschenderweise erstaunlich gut recherchiert, und darüberhinaus noch sackstark geschrieben, mit der Krönung im finalen Abschnitt!

    Respekt, Frau Kurz!

    Was ist mit der FAZ-Redaktion passiert?
    Haben sie sich von der Kabale freigekauft? *lol*

    “Ein Handy bei sich zu tragen, das ist wie als ob es drumrum überall und immer (außer in einem Funkloch) stockdunkel wäre und man führe eine stets klar ortbare Positionsleuchte mit sich herum.”

    Interessant zu wissen ist dabei, was vielen unbekannt ist, dass die Ortung auch in abgeschaltetem Zustand noch immer möglich ist, weil der Akku diese eben auch in diesem Zustand ermöglicht, genauso wie er das Weiterlaufen der internen Uhr sicherstellt.

    Man kann also sein Natel ruhig – egal wohin – mitnehmen, ohne gleich ein Depp zu sein, wenn man vorher den Akku (am besten die SIM gleich mit ;-) ) entfernt.

    Ps. Beim neuartigen Smartphone-Technikschrott – insbesondere was Appleprodukte angeht – ist das Tracking allerdings noch weitreichender als beim gewöhnlichen Empfangs- bzw. Sende- ;-) -Gerät.
    Leider sind diese im Artikel nicht explizit erwähnt, aber
    genauere Infos dazu finden sich – mit einigen geschickt gewählten Suchbegriffen – relativ schnell im Netz. :-)

  2. Dude sagt:

    Achja, NWO lässt grüssen…

    “[...]
    Auf ihrer Webseite schreiben die Mitarbeiter des Instituts der University of Toronto, vom Fund mehrerer Trojaner für iOS, Android, Blackberry, Windows Mobile und Symbian. Die Verhaltensweisen der Software entspreche dabei den beworbenen Methoden einer kommerziellen Software namens FinFisher, die von der Firma Gamma International vertrieben wird. Nach Angaben der Analysten kann ein Angreifer mit Hilfe der Tools den vollen Zugriff auf das betroffene Telefon erlangen.
    [...]”
    http://www.gulli.com/news/19598-staatstrojaner-fuer-saemtliche-mobilgeraete-entdeckt-2012-08-30

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Was die FAZ anlangt (vielleicht sollte ich das hier nicht sagen, aber sei’s drum), so habe ich den Eindruck, dass da, verkürzt ausgedrückt, ein Machtkampf zwischen NWOlern und Leuten tobt, die entweder ob ihres Gewissens oder ihrer Sicht auf die eigenen Kommentarstränge wie auch jene anderer Vergleichsmedien (der Spiegel bekommt z.B. zur Syrien-”Berichterstattung” fast nur noch auf den Sack, bei der Welt geht es auch recht ruppig zu, die Zeit ist als übeles Manipulations- und Zensurorgan bereits allfällig entlarvt) sowie ihrer Gesamtschau und Angst, oder möglichen Kombinationen daraus, einen wenigstens ansatzweise anderen Kurs einschlagen wollen.

    Man will, salopp gesagt, nicht mehr ganz zu den von vielen anderweitig Informierten schon nur noch verspotteten Agenturenhuren zählen, sich ein stückweit absetzen.

    Das merken die anderen natürlich auch, reiben sich bislang aber fast nur verwundert die Augen (naja, über die Stammtische wissen sie wahrscheinlich mehr als unsereiner), wie es scheint.

    Wie dies nun auch sei: Jeder Artikel dieser Güte in einem MSM-Medium ist zu begrüßen und zu loben, zumal namentlich jeder Journalist, in diesem Falle eine Journalistin, der oder die derlei, aus welchen Gründen auch immer, verantwortlich zeichnet.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Alle

    An alle Intessierten: Es rumst jetzt mächtig auf dem zugehörigen FAZ-Kommentarstrang.

    Gut so. Lesen.

  5. EuroTanic sagt:

    Das Problem hat sich demnächst erübrigt. Wenn erst der totale Polizeistaat in die BRD einzieht, und das wird bald sein, bekommt die Polizei einfach eine monoplisitische Providerlizenz für alle Telefon- und Datendenstleistungen. Das macht dann die Überwachung einfacher und gleichzeitig legal LOL

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ EuroTanic

    Worausher deduzierst Du Deine Aussage?

    Hast Du Dich damit schon abgefunden, dass demnächst “der totale Polizeistaat in die BRD einzieht”?

    Was machst Du dann?

    Den Leuten erzählen, dass bald was noch viel Schlimmeres komme?

    Ich kann mit derlei Sprüchen, ohne Wenn, nichts anfangen.

    Ich halte sie im Sinne der Freiheit sogar für schädlich.

    Und: Was soll das dämliche “LOL” dazu?

  7. Matthis sagt:

    Constanze Kurz ist die Sprecherin des CCC, sie schreibt regelmäßig in der FAZ, und zwar im Feuilleton, was schon mal eine andere Meinung gelten lässt. Man sollte also nicht meinen, das wäre FAZ-Meinung.

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Matthis

    Ich hatte die Dame in der Tat nicht “durchrecherchiert” (gesuchmaschiniert), mein Versäumnis, habe erst vorhin von ihrer Stammfunktion mitbekommen.

    Gleichwohl durfte sie das angegebene Ihrige in der FAZ sagen und tat es auch.

    Das ist, was zunächst zählt.

  9. Dude sagt:

    @Magnus

    “Ich kann mit derlei Sprüchen, ohne Wenn, nichts anfangen.

    Ich halte sie im Sinne der Freiheit sogar für schädlich.

    Und: Was soll das dämliche “LOL” dazu?”

    Ja, solch Gebaren seh ich ebenso als kontraproduktiv für die Freiheit an.

    Und das “LOL” sollte wohl kennzeichnen, dass er – zumindest innerlich – über seinen sarkastischen Witz lacht. ;-)

    @Eurotanic

    Solange Du noch nicht im Umerziehungslager steckst, bzw. tot bist, ist doch noch nicht aller Tage Abend.

    Carpe Diem!

    @Matthis

    Danke Dir für die Info!

    Und doch ist es bemerkenswert, dass die Redaktions-Zensoren sie so durchlassen. Es geschehen offenbar doch noch hin und wieder Wunder. ;-)

  10. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Man darf, neben der Sache mit der Leserbindung, durchaus vermuten, dass die FAZ eine Art Doppelstrategie fährt.

    Es ist nämlich unter klugen Leuten noch keineswegs ausgemacht, wohin die Reise geht.

    Bei allen Verblödeten und bezahlten Klakeuren fällt nämlich, wie erwähnt, in den Kommentarsträngen dort wie anderwo (halt auf unterschiedlichem Niveau) auf, dass die “mündigen”, besser informierten Bürger weit überwiegend die Nase voll haben und ESM, die Kriege, den Überwachungsstaat usw. sehr wohl als ein logisch zusammenhängendes Rutenbündel begreifen.

    Es ist für keine Zeitung leicht, die meisten ihrer Kommentatoren als “Verschwörungstheoretiker” oder, Neusprech, “Verschwörungsliebhaber” abzutun.

    Mir scheint, dazu bedarf es noch eines eigenen Artikels (auch wenn ich die Sache im Kern schon früher aufgegriffen habe).

  11. Dude sagt:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/aus-dem-maschinenraum/aus-dem-maschinenraum-drohnen-ueber-dem-bodensee-12013388.html

    Geht zwar nicht um Handyoten, aber mal wieder ein freudig stimmender Artikel (nicht wegen des Inhalts natürlich, sondern weil er so in der FAZ erscheint ;-) ) von Constanze passt hier bestimmt auch.

  12. Dude sagt:

    http://www.youtube.com/watch?v=C-3Q449Afbo

    Unbedingt [b]bis zum Schluss[/b] anschauen!

    Hier noch einige Zusätze (man könnte aus dem Vortrag noch viel mehr nachrecherchieren, bspw. die ganzen Studien, aber ich sollte mal wieder schlafen ;) ).

    http://www.zentrum-der-gesundheit.de/studie-ueber-strahlung-ia.html

    http://www.fostac.ch/de/docs/medien/elektrosmog-zitate.pdf

    Folgende zwei Dokumentationen hängen auch direkt mit dem Vortrag zusammen, und untermauern diesen erneut.

    http://www.youtube.com/watch?v=jxH7xav9xXk http://www.youtube.com/watch?v=8dBmgd8F2vc

    Rein intuitiv wusste/weiss ich dies alles schon lange, zudem kamen und kommen auch noch einige persönliche Erfahrungen hinzu, und die Studien und Messungen der studierten Experten bestätigen!

    Ich erachte dies, neben dem hier – ]http://www.mysticalforum.ch/viewtopic.php?f=25&t=21771 – als einen der eminentesten Themenkomplexe, die es unbedingt grossflächig und gezielt anzugehen gilt!

    Hier noch der Link zur 8. Anti-Zensur-Konferenz:
    http://www.anti-zensur.info/index.php?page=azk8
    (Wenn man die Zahl am Schluss des Links durch 1-7 ersetzt, kommt man direkt zu der Gesamtübersicht der bisherigen Konferenzen)

    Ps. Ich könnte dazu jetzt haufenweise schreiben, Lob, Kritik, Fragen, Anregungen, Ideen, Vorschläge, Skepsis, etc., aber wie gesagt, ich hab grad etwas Schlafmangel, und das gründet nicht in E-Smog, sondern in zu viel Arbeit. ;-)

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