Die Pädagogik der Praeternachpostmoderne

In der Praeternachpostmoderne ist der Port, indem Aperitif, Salatsilvaner, Suppenriesling, Fischsauvignon, der Kalbspastetenfrühburger, sowie der noch zu Gans und Käse, vor dem und zum Parfait, schon fast schon zuende getrunkene Petrus gleichermaßen noch nachklingen, zur noch nicht ausgestorbenen Filterlosen, neben dem Armagnac, in trauter Harmonie, dem Mokka heimelig, immer schon anwesend.

Das Leben hat endlich zu fließen begonnen.

Alles Feste dienet nur noch dem besseren Fließen.

Dergestalt, dass der Port jetzt erstmal zugunsten des himmlischen Gansroten noch einmal eine Verschnaufpause bekommt.

Der hinwiederum, aufs Trefflichste chambriert, wie das nur einer sein kann, löset die Süße von Port, Mokka, Parfait und Armagnac, also, dass sie alle, mitsamt den bereits angeprömpelten Feststoffen, auch mal unter Perfektion durch einen runden, alten Mirabellenbrand, jene Gesamtsäftemischung heranführen, die eines echten Philosophendisputs würdig.

Bei Suppen, Salaten und Fischen scherzte man noch und genoss dementsprechend begleitender Weißer; mehr Tiefe setzte bereits mit dem ersten Roten ein; bei Kognak und Port begann der ernste Teil; beim Nachweine ward die Welt gerichtet.

Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass sich die Welt mit zwölf bis dreizehn Umdrehungen nur im Lichtmodus harmonisch dreht, während sie im Spätmodus irgendwo zwischen dreizehnkommafünf und fünfzehn rund läuft.

Sie muss ja in einem angemessenen Verhältnisse bleiben.

Deshalb rächt sie sich aber auch, wenn man sie respektlos behandelt. Und zwar reichlich gnadenlos.

Wer also beispielsweise meint, den Braten des rechten Weines los in sich versenken zu können, sich derlei Frevels erfrecht, dem beschert sie zielsicher ein kräftiges Ranzengrimmen.

Essen ohne zu trinken, das war noch nie gesund.

Die besten Gedanken kommen dann meist so ab zwei Uhr.

Häufig flacht die Kurve dann gegen halb Vier ab, um aber, mitunter, nach dieser kleinen Pause, eine halbe bis eine Stunde darnach wieder an Y-Fahrt aufzunehmen.

Es scheint sogar Leute zu geben, die bis eine ganze Zeit nach Mitternacht eigentlich nie etwas sagen, was ihnen vielleicht auch selber neu sein könnte.

Das heißt, es kommt nix, bis dass sie sich das Schaf abgesoffen haben.

In die muss man all die Gänge erst listig reintun, damit sie so viel Wein vertragen, dass sie es fünf oder sechs oder acht Stunden nach dem ersten womöglich auch schaffen, sich das Schaf heute mal eben doch erfolgreich abzusaufen.

Da gibt es ganz schön harte Krieger.

Bei manchen denkt man selber, meist eben so gegen Viere, sie packten es heute gar nicht mehr.

Man muss dann subtil an ihren Ehrgeiz appellieren. Fragen, wann sie es denn, wenn nicht heute, wo die Vorbereitung praktisch perfekt, je schaffen wollten.

Es ist dabei durchaus statthaft, sie darauf hinzuweisen, dass eine derartige Gelegenheit verstreichen zu lassen nicht nur fahrlässig sei, sondern womöglich auch gegen die ewigen kosmischen Gesetze und nicht wenig Karma verstoßen könne.

Einem echten Freunde in Not aus seiner Wirre zu helfen, das ist nicht immer leicht.

Manchmal will er sich das Schaf partout nicht abtrinken.

Hier gilt es, immer wieder Gnade walten zu lassen.

Beharrlichkeit führt zum Ziel.

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3 Antworten zu “Die Pädagogik der Praeternachpostmoderne”

  1. Dude sagt:

    “Da gibt es ganz schön harte Krieger.”

    Ein paar wenige sind noch ihrem Ursprunge treu geblieben, jawoll!

    Allerdings halten sie den heutigen globalen Irrsinn und die weiter der Komplettverblödung sich hingebend, tatkräftig an ebenjenem mitwirkende träge Biorobotermasse, meist schon zwei Stunden nach Aufstehen – ob das jetzt morgens oder nachmittags um vier ist, spielt letztlich, angesichts der Ewigkeit, ohnehin keine grosse Rolle – nicht mehr aus, und machen etwas Hartes, um wieder etwas weicher zu werden…

    Der beste Witz daran ist, dass sie, selbst kurz vorm Delirium Tremens, noch immer weit mehr Klarheit besitzen, wie die Schafshorden in nüchternem Zustand.

    “Einem echten Freunde in Not aus seiner Wirre zu helfen, das ist nicht immer leicht.”

    Wem sagst Du das… ich musste schon mehr als nur einem beim Sterben zu sehen, um sie jetzt als Untote wandelnd ums Kalb tanzen zu sehen, nachdem sie ihre hehren Überzeugungen zugunsten von Mammon’s Schwanz aufgegeben.

    Jeder Versuch, sie zu ihren Wurzeln zurückzuführen, scheiterte kläglich, da die Resignation bereits eine Kapitulation ist, auch wenn dies auf den ersten Blick selten erkenntlich wird…

    Scheiss drauf, immerhin gibts ja noch guten selbstgebrannten Ämmitaler Kräuterschnaps, edlen Zacapa Centenario 23 Ãnos, auserlesenen Tessiner Grappa, und Bündner Biobier.

    In diesem Sinne

    Proscht :-)

    Ps. Gott ist tot, sie haben IHNSIE getötet, angefangen mit den vielfältigen weltlichen Religionskonstrukten, über die Esoverblendeten, bis hin zur den atheistisch-materialistischen Monisten, Deisten und Atheisten – und somit ist auch die göttliche Gnade tot.

    Sie haben mich zu hart gemacht für Gnade…

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Dich haben sie für Gnade zu hart gemacht?

    Ich bin immer noch zu weich genug dafür.

    Zumal, wenn der ohnehin konsequent sich sein Schaf nicht abtrinken Wollende mir, anstatt ihn sich noch sinnlos einzulöffeln, den entscheidenden Schluck Sauternes übriglässt, so dass mein Schaf sich lieber unters Sofa verkriecht, bevor es seines jetzt wirklich reizbaren Barthel noch mehr Most holen sehen und hörensagen lernen muss.

    Irgendwann lasse ich den Unentschaften einfach sitzen oder liegen, nicht ohne ihn natürlich, sollte ein kühlerer Luftzug aufgekommen sein, noch angemessen zu bedecken, wohl auch mal ganz in die angemessenere Horizontale zu führen, ja, durchaus, aber irgendwann werde ich gnädig, zu meinem armen, in seinem Versuche tragisch gescheiterten Genossen, wie auch, aber nicht immer, zu mir selbst.

    Manchmal sogar zu meinem Schafe.

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