Ab ins eigene Loch, die Katastropheten!

Das Raunen, der Ruf darnach, dass eine allumfässliche Katharsis kommen müsse, möge, ist nichts als ein Ausdruck systematisch kultivierter Feigheit.

Niemand, der nicht blind durch die Welt geht, sieht nicht, dass uns weitere, noch fürchterlichere Menschheitstragödien ins Haus setehen könnten.

Mir gehen aber Leute mächtig auf den Keks, die meinen, dass es unbedingt so geschehen müsse. Nur durch ein tiefes Tal der Tränen gegangen seiend könne der übriggebliebene Rest der Menschheit zur Besinnung finden und genesen.

Dabei, ich schreibe dies zumindest sinngemäß hier nicht zum ersten Male, in einer versuchten Erweiterung wie Präzisierung, meint der weitaus größte Teil dieser falschen Helden, er könne hinterm Ofen warten, bis dass sich, ihn vielleicht grade mal zum Husten gebracht, der Pulverdampf verzogen habe.

Eingreifen sei sinnlos. Der Rest begriffe eh nicht, bis dass er tot sei oder in einem harten Zwangslehrkurs gelernt habe.

Es ist dieses mentale Konstrukt nichts als die perfideste, feigste Ausrede für die eigene Feigheit.

Dass schlecht feige ist, wissen wir spätestens seit Nietzsche.

Dass solche Leute indirekt genau die Dinge stützen, die sie, wenn nicht schon aktiv zu bekämpfen, doch edel – aber sehr vorsichtig – zu kritisieren sich brüsten, auf äußerst nützliche Art befördern, wenn auch unbewusst, daran sei jeder, der denken will, hiermit nochmals erinnert.

Den Finanzwahnsinn, die Kriegstreiberei, die Genderei beklagen: Das kann man und tut es, beim dritten Bier, eifrig.

Und verspottet dabei doch jene, als gescheiterte, vollends scheitern werdene Existenzen, die sich diesem also idiotischen wie zynischen Zukunftsmodell nicht verschreiben mögen, die Fahne der Möglichkeit eines relativ friedlichen Überganges hochhalten.

Sie sitzen überall, rechts, wie links, wie in der sogenannten Mitte, jene Herbeirufer einer großen, dann reinigen sollenden Katastrophe.

Das ist alles übelstes Gesindel.

Sich im Rumsitzen und Bescheidwissen den Bauch reiben.

Die überaus naheliegende Idee, dass ein großer, gewaltsamer Umbruch gerade sie selber, wenn nicht unbedingt zuerst, nachher aber, ob ihrer kaum noch bewegungsfähigen geistigen wie vielleicht auch physischen Fettbäuche, eben doch, mithinwegraffen könnte, wird konsequent verdrängt.

Manche von ihnen, Gebildetere (sie halten sich fast alle für gebildet; formal weniger Gebildete meinen nur oft, dass womöglich oder wahrscheinlich ein großer Schlag käme, sehnen ihn sich aber viel seltener herbei), argumentieren gar mit Historie, Psychologie und Philosophie.

Das sind die Gefährlichsten. Denn sie sind oft einflussreich, setzen, sonst geht ja nichts, alles daran, noch andere in ihr Loch hineinzuüberzeugen, daran ihren Lustgewinn aus Selbstbauchpinselung zu gewinnen.

Man muss sie, sowohl unter vier Augen, wie nochmal dreifach hart vor anderen, erbarmungslos angreifen. Hier ist, wo immer dies möglich, schonungslose Entlarvung Pflicht.

Ihre perverse Geilheit muss aufgedeckt werden, ihre psychopathische Heuchelei bis zur logischen Auswegslosigkeit dargelegt.

Stellt man sie wirklich, so halten sie meist nicht lange durch. Nicht lange, bis ihr Ausgelächter im stehenbleibenden Augenverdrehen erstirbt.

Geben wir ihnen, was ihnen gebührt.

Hart und herzlich gelacht und zurückgespottet.

Hier muss jede notwendige Härte walten.

Kein vermeintlicher Unterschlupf, kein Krabbelausgang ist zu gewähren.

Dafür steht einfach zu viel auf dem Spiele.

Trefft sie, mögen es Christen oder Nietzscheanhänger oder sonstwas sein, wo Ihr könnt.

Ab in ihr eigenes Loch mit denen.

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6 Antworten zu “Ab ins eigene Loch, die Katastropheten!”

  1. haschmech sagt:

    @ Magnus

    Jedenfalls, so wie jetzt, kann und darf es aber dennoch nicht immer weiter gehen.
    Zu diesem Welt-Lazerus-System sage zumindest ich: Nein Danke!

    “Es ist dieses mentale Konstrukt nichts als die perfideste, feigste Ausrede für die eigene Feigheit.”

    Ich würde es noch nicht einmal unbedingt als Feigheit bezeichnen, sondern eher als Verzweiflung. Vielen, sehr vielen widerstrebt was passiert und wie sie von den Gewalthabern für dumm verkauft werden, doch alle Ansätze mit denen versucht worden ist etwas zu ändern, die verliefen im Sande. Irgendwann verliert dann auch der optimistischte Dagegenhalter die Lust.
    Klar kann man immer weiter gegen die Misere schreiben, reden, Plakate hochhalten, sich an die Brüste Rioter Frauen klammern, die Merkel verdammen und sich sogar den Weltuntergang herbei wünschen, damit das alles endlich mal ein Ende fände. Es scheint alles nichts zu nützen.
    Z.B. alles dagegenhalten und Gerede wider die Knabenverstümmelung. Das Ende vom Lied wird sein, dass wieder ein wunderschön sprachlich konstruiertes Gesetz erlassen wird und alsbald wird sich der ganze Sturm um diese Sache wieder legen. (Obwohl ich hoffe, dass das Gegenteil der Fall sein wird.)
    Bei der Sache mit der Organspende wird es ebenso sein. Wen interessiert es denn wirklich von all den dazu erzogenen Egoisten, wenn eine halbtote Leiche auf einem Operationstisch vor Schmerzen das Gesicht verzieht?
    Hat sich bisher irgend jemand mal um all die zerfetzten Leiber mit schmerzverzerrten Gesichtern auf den Schlachtfeldern der Welt wirklich Gedanken gemacht? Wenn dies wahrhaftig geschehen wäre, dann gäbe es keine neuen Krieg mehr auf der Welt. Vielmehr das Gegenteil ist der Fall.
    Von den Millionen und Abermillionen Traumatisierten in unserer Welt ganz zuschweigen.
    Alle Opfer zusammengenommen teilen sich einen nicht auszuhaltenden Schmerz. Wenn andere mal ganz leise sind und in sich hinein hören, dann müßten sie diesen Schrei, der diesem Schmerz immer auf den Fuß folgt, eigentlich auch hören können.
    Wieso bekommen es die Menschen einfach nicht hin, miteinander auszukommen wie Menschen, anstatt sich gegenseitig zu zerfleischen wie wilde Tiere?
    Woher kommt diese Geilheit nach Macht über andere?
    Ein Mensch kann auch noch so reich sein, am Ende seines Lebens kommt er an denselben Punkt, an den auch der ärmste Mensch der Welt gelangt.
    Dass sich wirklich mal etwas allumfassend zum Guten verändert, diese Hoffnung wird sich gewöhnlich bis zuletzt bewahrt. Aber ehrlich gesagt, selbst diese Hoffnung ist bei mir dabei zu schwinden. Unsere Welt ist vom Wahnsinn erfasst. Dagegen scheint überhaupt nichts zu helfen.

    “Hart und herzlich gelacht und zurückgespottet.”

    Meinst du wirklich Magnus, dass dies eine Pille gegen den Wahnsinn dieser Welt bedeuten könnte?

    Die Leute wollen weder die Wahrheit hören noch scheinen sie im einzelnen außerstande etwas wirkungsvolles gegen die Lüge zu unternehmen. Viele haben deshalb den Glauben an einen (wiederkommenden) Erlöser angenommen. Der kommt aber nicht! Andere warten auf den Weltuntergang; wieder andere warten auf einen plötzlich einsetzenden Bewusstseinssprung, der etwas positives in Gang setzen möge.

    All dieses Warten, Gerede darüber, schreiben darüber, das Auslachen anderer, das Zurückspotten, lässt nur eines, nämlich die Zeit vergehen. Ändern am kranken System und am Wahnsinn dieser Welt, tut das alles nichts. Im Gegenteil scheint es den ganzen Wahnsinn eher noch zu fördern.

    “Niemand, der nicht blind durch die Welt geht, sieht nicht, dass uns weitere, noch fürchterlichere Menschheitstragödien ins Haus setehen könnten.”

    Das wird sicher so passieren. Was können wir unternehmen, dass diese Tragödien nicht Realität werden? Dagegen schreiben, dagegen reden, dagegen demonstrieren….? In Japan z.B. wurden die Atomreaktoren wieder angeworfen. Jederzeit könnte sich bei denen eine derartige Katastrophe wie passiert wiederholen. Den Menschen macht das zwar Sorge und auch Angst, trotzdem wird so weiter gemacht wie gehabt.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ haschmech

    Ich kann jedes Wort nachvollziehen, das Du schreibst, und ich widerspreche doch.

    Für mich ist jedes gut Gesagte mindestens ein kleiner Pollenflug.

    Da ich Gewalt nur in absoluten Notwehr- und Nothilfefällen für gerechtfertigt halte, bleibt mir nur das Wort.

    Dies ist gemessen an vielen viel schlechteren nur eine kleine Netzseite.

    Aber sie ist da.

    Wegimaginieren is’ nich’ so leicht.

    Es wird, das ist aufgrund meiner Themen und oft auch meiner Art des Ausdrucks jedenfalls sehr wahrscheinlich, nicht ganz selten auch mal ein intelligenter Mensch hier hineinlesen. Ich habe gar für mich unbestreitbare Kunde davon.

    Trolle sind hier sehr selten. Es hat noch keiner lange durchgehalten, bis dass er sich trollte oder sich benehmen lernte.

    Es ist wenigstens ein getanes Was.

    Wie Du sicherlich bemerkt hast (Du kannst nämlich ziemlich gut lesen, wenn ich auch mit Deinen Schlussfolgerungen daraus nicht immer übereinstimme), gehe ich mit meinen Fragestellungen, gerade was das Philosophische oder auch Religiöse anlangt, oft ziemlich an und für manchen fraglos über Grenzen.

    Das mache ich nur hie und da zum Spaß. Ich betrachte dies als meine Pflicht. Es hiemit auch als meine Pflicht, dazu nicht dreinzugucken wie schimmlichtes Sauerbier nachmittags um halb Vier in der Augustsonne. Also zu manchen schlechten Nachrichten auch noch dauernd eine miese Laune zu verbreiten.

    Ich versuche dabei natürlich auch, Werkzeuge an Mann und Frau zu bringen.

    Einerseits in Form der geäußerten Gedanken, andererseits (es hängt natürlich zusammen) durch den Zeig sprachlicher Mittel.

    Dieser Blog ist also, sozusagen, gar nicht durchgängig so doof, wie er zunächst aussehen mag.

    Eher, insofern mag er schon doof sein, ist er eine Art erlesener Selbstbedienungsladen, wo alles nix kost’.

    Und der Inhaber berät, so weit er nur Zeit findt’, jeden botmäßigen Kunden, der das wünscht, überdies, im Rahmen seiner Kenntnisse, ausführlichst.

    Es ist halt irgendwie so gekommen, dass ich das Schreiben besser gelernt habe, als das Betrügen. (Ich habe natürlich auch schon betrogen; aber gefallen hat es mir per se nie.)

    Ich bin ganz einfach ein Luftikus, der das macht (zum Schreiben brauche ich niemanden, der mitmacht), was ihm seine Witze selbst macht.

    Das ist jetzt kein Witz.

    Denn jeder, der sich seine Witze im Zweifel selbst zu machen vermag, ist weitaus freier, als jene, die das nicht können, noch nicht einmal versuchen.

    Freiheit fängt schließlich auch im Selbste an. Da wirst Du mir wohl nicht widersprechen.

    Es geht auch manchmal nicht nur (mitunter gar zweitrangig) darum, was die Leute gleich oder bald oberbewusst begreifen.

    Worte schwingen immer mit. Jeder neu geschaffene Assozioationsraum zählt. Nur Nichts ist je weg.

  3. Thomas sagt:

    Ich habe nicht Angst um mein Sein, doch mehr um mein Wohle ob der drohenden Donner, die mich aus der Welt erreichen. Der Einzelne ist nichts, doch eifert er stets nach zukünftigem Wohle, so auch ich. Arbeit und Leistung für die Zukunft gespart, könnten, wenn dem Donner und Grollen aus der Ferne auch Blitze über mir folgen, verpuffen im Glanze des gleißenden Lichts. Vorbereitung ohne sich den Sturm zu sehnen, tut gut und lässt die Seele ruhiger dahinwandern auf dem Weg in die Zukunft.

    Ich glaub ich muss das Text-Komprimieren noch ordentlich üben… ;)

  4. Dude sagt:

    @Thomas

    Ich glaube nicht…

    Grandios, danke!

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