Dem Nachwuchse XXIII

Wir kommen jetzt zum gleichzeitig Offenkundigsten wie oft lange Verborgensten.

Der Leitsatz dazu ist denkbar einfach: Gesagt ist gesagt.

Scherzhaft könnte man das als die “Oberste Direktive” bezeichnen.

Will heißen, dass man sich als Autor mit Haut und Haaren dem zu Sagenden verschreibt, irgendwelcher kurzfristigen Akzeptanz, der Verständnisunfähigkeit der allen oder weitaus meisten nicht achtend.

Es ist unsinnig, einen guten Gedanken zurückzuhalten. Außer man wird dafür voraussichtlich inkarzeriert oder erschossen, oder er ist halt noch nicht ausgereift.

Sonst gibt es keine Ausrede.

Denn wer einen guten Gedanken hemmt, verbirgt, der hemmt die ganze Welt, der wird zum Okkultisten, alswelches zum Schädlichsten gehört, was es überhaupt gibt.

Weiß man denn etwa, ob da draußen auch nur einer, wenn auch Milliarden noch nicht, sehnlichst genau auf diesen Gedanken gewartet?

Welches Recht hat man denn, ein geistiges Gut allein für sich zu behalten?

Keins.

Wer es ernst meint, also nicht allein auf Geld, Ehren und Weiber aus ist, wird daher sagen, was er zu sagen hat.

Nennen wir es also lieber das “Goldene Gebot”.

Schweigen ist Blei, Reden ist Gold.

Es nimmt natürlich nicht wunder, dass sämtliche okkultistischen Verschwörervereine diese unabweisbare Maxime seit Jahrtausenden in ihr genaues Gegenteil verkehrt. Was bliebe ihnen auch sonst?

Goethe nun z.B. war so extravagant arrogant und doof, dass er im Wilhelm Meister schließlich meinte, die Hosen runterlassen zu können, ohne dass sein Schund vermeintlich je als Schund kenntlich werde. Das ist mindestens seit zwanzig Jahren vorbei. Und ich werde es so lange sagen, bis es endvorbei ist.

Ich erwähne ihn hier zum diesbezüglich wiederholten Male aus zwei Gründen. Erstens versucht man ihn – seine sonstige Könnerschaft auf vielen Gebieten steht hier nicht zur Debatte, schützt aber seine Verklärer noch recht wirksam – mit aller Gewalt auf dem Sockel zu halten, als Sinnbild des edlen Okkultisten, zweitens ist er der Prototyp des Okkultisten, der es irgendwann vor lauter Eitelkeit nicht mehr aushielt, meinte, vor der Welt dann doch aus dem Geheimen heraus prahlen zu müssen. Eine im Grunde tragikomische Figur. (Wer etwas genauer hinliest, wird unschwer erkennen, wie eitel dieser Mensch war.)

Gibt es, andersherum, Vorbilder, solche erstmal nur, die auf Deutsch schrieben?

Zweifelsohne. Zuwenigst Schiller, Kleist und Nietzsche.

Freiheit gedeiht nicht im Dunkeln. Freiheit will grundsätzlich ans Licht. Alles andere ist minder Schwindel.

Gesagt ist gesagt. Schiller hatte es mehr als schwer darob, Kleist brachte sich gar um, Nietzsche ward auch nicht gerade verhätschelt, erfand darüber aber sein halkyonisches Lachen.

Er begriff ganz und gar, dass gesagt gesagt ist.

So, wie übrigens, um hier nicht zu deutschlastig-einseitig zu bleiben, auch Miguel de Cervantes Saavedra.

Und Meister Kung.

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