Dem Nachwuchse XXI (Professionell korrupt)

Einer der spannendsten Pfade in unserem Medienzirkus tut sich auf, wenn eine Sache von der einen Seite her ständig an die Wand treibend aufgebracht wird, von der anderen aber nicht kritisch thematisiert werden darf.

Die Sache sei durch, zum Vergessen, kein Thema mehr, ausgelutscht, nicht mehr relevant, egal, sinnlos, selbst noch anzufassen: währenddem sie einem selber Tag für Tag, ohne Unterlass, unter die Nase, scheißendreckshaft und systematisch ins Gesicht gerieben wird.

Kluge Leute, professionelle Leute, die dächten sich dann halt nur ihren Teil, ließen all das dann einfach über sich ergehen, lenkten im Zweifel locker vom Hocker, nicht anzuecken, vom Thema ab, zwar vielleicht etwas anderes denkend, es aber weiserweise nie sagend, da man ja wisse, weshalb die anderen gleich durchzudrehen disponiert, weshalb man selbst schuld, wenn man auf eine normalmenschliche Position hin zum Untermenschen gemacht werde. Das hätte man wissen, also schweigen müssen.

Als allgemeiner Idiot dürfe man, denn, durchaus noch eine eigene Meinung haben: als Profi aber gehe es um Verkauf und Geschäft, der Rest, jene Meinung, zähle nicht.

Kein Gedanke daran, dass man sich – wenn irgend kritisch positioniert – damit seiner Daseinsberechtigung per se beraube: Wer schreit, etabliert, laut, gnadenlos, genung davon, hat recht. Punktum. Jedenfalls so viel recht, dass man ihm nicht mehr widerspricht; noch nicht einmal, erst recht nicht, unter vier Augen.

Denn das könnte ja Punkte kosten: es wäre unprofessionell.

Hier genau kehrt sich das Wort “professionell” in das Wort “korrupt”. Nicht nur hier, aber hier ganz sicher.

Witzigerweise gibt es dann, wenn man dem nicht folgt, gar keine Bösen mehr, außer einem selbst.

Denn die Meister der Zensur und Ausgrenzung konnten ja gar nicht anders, man hätte wissen müssen, dass sie so reagieren könnten, wogegen anerkanntermaßen nichts hilft, sich also das Maul dreimal verbinden, auf dass deren haltloser Zorn nicht über einen komme.

Hier sehen wir eine klassische Umkehrung von Ursache und Wirkung.

Wer damit droht (Moslemstan lässt grüßen), einfach durchzudrehen, dies gut geölt auf der Pfanne hat, hat recht, oder kriegt recht, und der ihm widerrät, ist der zu verurteilende, unprofessionelle, nichts erreichende, haltlose Provokateur.

Was aber erreicht der, welcher sich solchem Diktat beugt und immer wieder beugt? Etwa, dass er darüber aufrechter werden könne? Dann doch, irgendwie hintenrum, verschämt, stets in Angst, in Ungnade zu fallen, mehr erreichen werde, heimlich sozusagen, mehr Licht spenden?

Das mag angehen, wenn Lagerhaft oder Genickschuss dräuen. Es gilt aber nimmermehr als Ausrede, solange bestimmte Dinge noch gesagt werden dürfen, nur, rein professionell gesehen, nicht genehm, gar unförderlich sein könnten.

Und es gilt auch nicht, dass derjenige, indem alle anderen um ihn herum, ob seiner Nichtunterwerfung mit in Sippenhaft genommen, dann gerade von diesen als Schwarzes Schaf hergenommen, das wie als ein Verräter aufgetreten sei, da es mit der unmäßigen Wut der anderen Seite hätte ja jederzeit rechnen müssen.

Hier waltet eine Verkehrung aller Dinge. Wer durchdreht, der hat recht, und wer sich widersetzt, der ist nicht nur unprofessionell, sondern auch noch ein unkontrolliert selbstischer, rücksichtsloser Schuft wider die Seinen.

Ich wünsche all jenen, die solches schon erlebt, viel Glück, Mut und Kraft und Ausdauer.

Es ist etwas anderes, ob man einem, der unsauber rasiert und etwas rüpelhaft auftritt, dies nicht unter die Nase reibt, da er einen neuen Bremsschlauch begehrt, ihm diesen anstandslos ausliefert, oder ob man letztlich, Wesentliches aufgebend, bis nirgendwo, allenfalls anderen hinschiebend, seine Seele verkauft.

Die Seele wird nämlich in aller Regel nicht aufs Mal verkauft, wie in Goethes Faust. Es geschieht vielmehr fast immer auf Raten.

Es ist der Pfad der Liederlichkeit, der nach und nach dahinführt.

Indem man sich ob der Verfolgung seiner vermeintlich noch hehren Absichten immer mehr belügt, wird man immer korrupter. Noch ein Kompromiss und noch ein Stillhalten und noch ein Kompromiss. So geht das Leben dann voran.

Schließlich ist man, hat man sich selbst so weit korrumpiert, dass man sich damit im Normalzustande sieht, jene als Übeltäter dingfest macht, die im eingewöhnten Sinne ganz einfach zu unprofessionell ehrlich waren.

Dann ist die Übernahme geglückt.

Nicht mehr die Lügner und Halben und Usurpatoren sind noch das Problem, sondern jene, die deren Machenschaften noch freche hinterfragen. Die sind einfach zu unprofessionell. Sie stören die Kreise, deren Mittelpunkt längst verschenkt.

Dass ich jetzt zu wenigen spreche, ist mir einerlei.

Diese Wenigen sind mir nämlich wichtiger, als all jene Professionellen.

Professionelle, die jede Ungebührlichkeit, ja jeden Anstandsbruch der anderen Seite, wofern diese nur mächtiger, letztlich als unvermeidlich vorhersehbar rechtfertigen, ebendamit denjenigen, der sich nichts zuschulden kommen ließ, als den wissenden Missetäter in ihren geistigen Keller tun.

Also endet die Rechtschaffenheit. Die Tugend ist ein klein Kind, das von fern her in Richtung Anerkanntheit und Konto winkt. Ein Tierchen, aus Unplaisirchen trefflich geschaffen.

So mag es laufen: Aber der rechte Weg ist es dennoch nicht. Denn wer das Verlogene, Verbogene als normative Kraft wider die Freiheit setzt, wird auf Dauer scheitern. Wenigstens vor der Geschichte, wenigstens dort, wo sie richtig vorgetragen.

Viele Leute, ich weiß das aus umfässlicher Erfahrung, schiert das selbstverständlich nicht. Sie gehen einfach weiter.

Irgendwann spüren sie nicht einmal mehr, dass sie hinken.

Mögen sie darob Klumpfüße und Schrumpfhirne bekommen.

Das schiert mich dann auch nicht mehr.

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Eine Antwort zu “Dem Nachwuchse XXI (Professionell korrupt)”

  1. Lockez sagt:

    Wie immer ist es ein sehr guter Text den mal paar Wahlviehcher lesen sollten, aber das wird wohl deren BILD-Instinkt überschreiten. :D

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