Piraten bekommen Brodersch eine gebinst

Endlich – wie lechzte mir nur schon so lange der Sinn darnach – habe ich die Gelegenheit, einen Text von Henryk M. Broder zu loben.

Er berichtet unter dem Titel ‘Monströse Binsenweisheit “piratischer Außenpolitik”‘ auf welt.de von der Potsdamer Konferenz der Piraten zur Außen- und Sicherheitspolitik.

Dass da praktisch nur Windhuberei aus den Rossbreiten von Resthirnen abgesondert würde, war zu erwarten.

Broder schildert aber alles sehr schön: Seine Metapher mit den Binsen bildet mir einen flachen, schlickichten Teich auf, wo alle, hüft- bis brusthoch in der Schlammbracke sumpfwatend, ihre alten Nachen durchs Gebinse schieben müssen, dieweil die Ruder sich sonst in der orange-ockerbraunen Brühe verhedderten.

Man muss sogar sagen, dass Broder sich noch zurückgehalten hat in seinem Spotte. Er kann das bedeutend boshafter, und er darf das auch.

Küstennebulöser, wolkiger, schwammiger, schleimiger, unbestimmter als die Piraten da mal wieder daherfabuliert haben, geht es wohl kaum noch.

Man kann allenfalls noch mehr leere Gutmenschenformeln und hehre, konkret in keiner Weise vorschlagsmäßig unterlegte Absichten von sich sondern: So ginge es länger dumm, also in summa noch dümmer.

Mein Gott (ja, da fällt selbst mir der ein)! – was für eine Quarknussversammlung ist denn das, die da allen Ernstes (ausgerechnet in Potsdam!) eine Realsatirekonferenz zu diesem Thema abhält?

Ich kenne ja einige Leute, die mit den Piraten sympathisieren.

Tut mir leid, dem kann ich beim besten Willen nicht folgen.

Gut, sie haben sich löblicherweise gegen Knabenbeschneidung und den ESM-Vertrag gewandt, wobei aber ebendieser auf einer Konferenz zur Außen-und Sicherheitspolitik zwingend Kernthema hätte sein müssen.

Das besonders Traurige und überdies für den Zustand der Republik Bezeichnende an diesem losen Treibhaufen besteht darin, dass sich unter dessen Pfuhllagerern überdurchschnittlich viele mit formal höherer Bildung tummeln.

Praktisch jeder war auf einer Schule.

Gehülft hat’s aber gornix.

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9 Antworten zu “Piraten bekommen Brodersch eine gebinst”

  1. Dude sagt:

    Wie kannst Du auch erwarten, dass Hirnwäsche und Konditionierung der Denkprogrammierinstitutionen von kleinauf, überhaupt je helfen könnten…?

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Nunja, wenn ich meine Schul- und Studienzeit zusammenrechne, war ich unseren Denkprogrammierinstitutionen fast 20 Jahre lang ausgeliefert.

    Und habe dort, vielleicht bloß aus innatem Trotze, doch manches Brauchbare gelernt.

    Z.B., dass es eine Grausamkeit sondergleichen darstellt, Kinder im Alter von 10 oder 11 zwangsweis zum Gucken von “Die Brücke” zu schicken.

    Latein war, da der Deutschunterricht ab der Mittelstufe meist nicht viel taugte, wahrscheinlich das wertvollste Fach. Die Naturwissenschaften sowie Geographie waren auch nicht unnützlich.

    Später, an der Uni Würzburg, hatte ich das Glück, auf ein paar herausragende Sprachwissenschaftler zu stoßen (Wilhelm Pötters, Ernst Burgschmidt, Norbert Wagner, Katharina Reiß), die mir kräftig einheizten.

    Auch mein Steinmetzmeister (Ernst-Oliver Rufer), also ein weiterer Lehrer, war ein As auf seinem Gebiet.

    Es liegt auch an den Schülern, was sie aus ihren Lehrern machen.

    Ich habe meist dafür gesorgt, dass denen wenigstens nicht langweilig wurde, was sie mir je nach Kompetenz entsprechend vergalten.

    Es gibt auch an Grund-, Haupt- und Mittelschulen sehr engagierte und fähige Lehrer. Sie mögen nicht in Überzahl antreten, sind aber deshalb umso mehr zu ermutigen.

    Bevor ich aber jetzt noch einen Vortrag davon anfange, was ich alles änderte (u. a. mehr Männer!): Es bringt nichts, alles und alle pauschal schlechtzureden.

    Das sage ich, obwohl ich die Fiesheiten des Systems aus meiner eigenen Erfahrung wie jener mit meinen Kindern wie jener als langjähriger Nachhilfelehrer und -schulleiter besser zu kennen meine als wenigstens die meisten.

  3. Dude sagt:

    Vergiss aber nicht, dass sich die Zeiten und die Lehrpläne seit damals bis heute sehr verändert haben, hauptsächlich zum schlechten, also zur Konditionierung hin zu den Raubtierkapitalismus und den verschwenderischen Konsumgrössenwahn stützenden Biorobotern, während es ehrenhafte Lehrer immer schwerer haben, noch wirklich in wahrhaft edukativ-pädagogischem zu dozieren, und renitente Schüler, wie wir zwei z.B. ;-), einfach mit Ritalin und sonstigem Gift vollgepumpt werden, oder als Zusatz, noch ihre Pflichtstunden beim Psychoterroristen, äh Therapeuten mein ich ;-), abzusitzen…

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Es ist sicher nicht besser geworden; ich sehe ja, was den Kindern alles erzählt bzw. nicht erzählt wird.

    Das ganze gesellschaftliche Klima ist seit circa 30 Jahren unfreier geworden.

    Als ich ein Kind war, holte man noch für den Onkel Bier und Zigaretten: ganz normal.

    Man sagte wie selbstverständlich “Neger”, weil das Wort noch nicht denigriert war.

    Allzuabgedrehte Henna-Tee-Emanzen hatten dann bei uns Späthippies immer noch einen schweren Stand.

    Dann begann sich nicht nur deren Irrsinn zunehmend durchzusetzen.

    Nicht einmal der kurzfristige frische Wind aus dem Osten, um ’90 herum, schuf da noch wirksam Abhilfe.

    Ab Maastricht gab es außer den Leuten von der gewendeten SED, der PDS, heute unsere Linke, praktisch keine parteipolitischen Alternativen mehr, die eine Chance gehabt hätten.

    Ab dem Jugoslawienkrieg unter rot-grüner Ägide wurde mein Deutschland, von dem man mir gesagt hatte, dass nie wieder ein Angriffskrieg ausgehen solle, zum dauerhaften Mitaggressor im Sinne der Brzezinksi-Doktrin.

    Jetzt werden wir vollends schuldenvergemeinschaftet.

    Du kannst Dir vorstellen, dass meine Begeisterung für diese Art des Zusammenwachsens Europas keine Grenzen kennt.

    Ich setze aber darauf, dass wir keinen Schießkrieg untereinander bekommen, die europäischen Völker ihre betrügerischen Herrscher entmachten.

    Wenn wir und die Holländer vollends ausgesaugt sind, dann wird man Euch Schwyzerli wahrscheinlich irgendwie auch noch legen: aber das macht den Kohl dann nicht mehr fett.

    So trist die Lage ist, ich sehe die Pläne der Aachener Preisträger nicht sonderlich gut gedeihen, mag es für den Moment auch scheinen, dass sie dabei seien, erfolgreich den entscheidenden Schritt zur geheimen Gouverneursratsallfinanzdiktatur zu tun.

    Ich wundere mich auch immer wieder über die verblendeten Leute, die meinen, es hänge jetzt alles an unserem sogenannten Verfassungsgericht.

    Was heißt das denn, wenn es zustimmt?

    Etwa, dass diese Aufhebung unserer demokratischen Rechte, letztlich der Republik, damit rechtens wäre?

    Wo steht denn geschrieben, dass, da ja schon eindeutig nicht der Bundestag, dann doch das Bundesverfassungsgericht das Grundgesetz obsolet machen dürfe, könne?

    Ich jedenfalls kenne den Paragraphen nicht.

    Den zeige mir einer.

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Alle

    Immer mehr Leute, die bisher zu den Klugen gehört haben, erkennen, dass der Weg in die nackte Ratsdiktatur nicht gangbar sein wird; dass bestimmte Passagen des ESM-Vertrages weiterhin und erst richtig unter Beschuss geraten werden: dass da schwere See bevorsteht.

    Fast schon der größte Trottel hat begriffen, dass er hier zu einem perfiden Pyramidenspiel zwangsverpflichtet wurde, wird, und noch viel mehr wird werden sollen.

    Damit kommt jede Propaganda zwangsläufig an ihren toten Punkt.

    Was sie mit relativer Sicherheit verliert, ist ihre, wenn auch noch so abgestützte, gepflegte kulturelle Vorhand.

    Sie verliert schon ob mangelnder Finesse.

    Armselige Gestalten, mit zu engen Jacken und Stricken bereits um den Hals.

    Was soll denn das sein?

    Vorhang.

  6. Dude sagt:

    Mannomann, ich scheine Dich, obschon die mir fehlende Vorschau- & Editierfunktion mich eins ums andere mal wieder dastehen lässt, wie den hinterwäldlerischsten Anal-Phabeten, richtiggehend zu grandiosesten Artikeln erster Güte zu inspirieren dieser Tage, also frag ich mich grad schon ein wenig, weshalb dieser Kommentar von Dir keinen eigenen Artikel bekommen hat, und es also dann möglichst rasch auch in die Newsfeeder schafft.

    Verdient hätte er es allemal!

    Ps. Apropos Schwyzer… unsere Bundesrateshuren des Grosskapitals sind uns ja – mittlerweile sogar durch (mindestens) einen Schafsmedienartikel bestätigt (frag mich nicht welcher, da ich den nicht auf Anhieb wiederfände…) – zusammen mit den SNB-Gaunern schon längst weiter und weiter an Brüssel am verkaufen.
    Dazu ein paar Beispiele…
    http://www.mysticalforum.ch/viewtopic.php?f=35&t=14899
    http://www.mysticalforum.ch/viewtopic.php?f=35&t=19639
    http://www.beobachter.ch/foren/uebersicht/foren/list_post/?tx_mmforum_pi1tid=21872
    http://www.beobachter.ch/foren/uebersicht/foren/list_post/?tx_mmforum_pi1%5Btid%5D=22044
    http://www.beobachter.ch/foren/uebersicht/foren/list_post/?tx_mmforum_pi1%5Btid%5D=22258

  7. haschmech sagt:

    Wir sollten uns aus der Knechtschaft des Bankenverbrecherkartells von einem eigens dafür geschaffenen Gott herausführen lassen. Den Gott nennen wir dann Jahwoll und den lassen wir uns dann auch von niemandem mehr schlecht reden. Bei den Juden damals hat das funktioniert, warum also sollte es nicht auch bei uns klappen?
    Wenn dieser Gott dann aber überkantidelt und uns einen Bund auferlegen will, bei dem wir uns eine Scheibe abschneiden sollen, dann schicken wir ihn in die Gehenna und machen unser eigenes A im Kreis. Irgendwann muss doch der Punkt mal erreicht werden, dass wir uns von allen Dämonen befreien können. Vor allem von den Wahnsinnigen, die nur Regenschirme im Kopf haben und diese uns für Rettungschirme verkaufen wollen.

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Es kommt durchaus vor, dass ich mir nach einem Kommentar denke, der hätte beinahe schon oder gerade so, wie er dasteht, zum eigenen Artikel werden sollen, und manchmal greife ich ja auch einen nochmal auf bzw. merke beim Schreiben schon, dass es anliegt, ihn rüberladen und als solchen ausbauen.

    Ersteres aber wirkte auf die Dauer doch zu sehr wie ein Textrecycling, Letzteres merke ich mitunter zu spät, und schließlich, da ich ja gewissermaßen selber mein eifrigster (Gegen-)Kommentator bin, ich meine Kommentarspalte eben auch als Möglichkeit angelegt habe, mit dem Autoren in einen Dialog einzutreten, diesen Blog hiemit etwas anders aufgebaut als üblich, gilt es für mich da grundsätzlich nicht weniger, als in den Hauptartikeln.

    Zwar muss ich bei den Kommentaren oft noch viel schneller sein als bei den eigentlichen Beiträgen, doch versuche ich gleichwohl, Inhalt wie Form nicht allzusehr darunter leiden zu lassen.

    Und ich bin natürlich froh, wenn ich durch gezielte Fragen oder Einwände oder Erweiterungen selber auf die Notwendigkeit der Präzisierung, Erläuterung, Einschränkung gestoßen werde, woraufhin meine Entgegnung zunächst auch dort hingehört, wo sie inspiriert wurde.

    Ich machte mir nicht so viel Mühe mit den Kommentaren, sähe ich sie nicht als integrativen Teil des Gesamtkonzeptes.

    Das ergab sich schrittweise von selbst so, als, nachdem ich am Anfang seltenst welche bekam, mehr und mehr Kommentare hereinkamen, echte Debatten um Themen entstanden.

    Und: Artikel, die zunächst nicht so viel Leserinteresse finden, können ihr Gewicht noch im Laufe der Zeit entwickeln.

    Noch zum Newsfeeder.

    Selbstverständlich schaue ich mir die Zahlen an, wenn ein Beitrag von mir dort erscheint. Wenn man Faktoren wie Tageszeit und die Länge der Spanne, die man direkt sichtbar, herausrechnet, sind es eben auch dort in der Regel Titel und Themen, die das Gelüste der Leute nach Panik, Untergang, Sensation, Skandal, Geld, Sex, Jesus befriedigen, welche hohe Zugriffszahlen ergeben, während manches unterm Strich viel Gewichtigere, Nachhaltigere zumal, wesentlich schlechter abschneidet, durchaus nicht selten im Verhältnis drei oder vier zu eins.

    Ich schreibe meine Sachen aber nicht mit Blick auf den Feeder, sondern sowieso so, wie ich sie schreibe. Und ein knackiger Titel schadet auch dann nicht, wenn ein Beitrag erstmal “nur” hier erscheint (mal abgesehen davon, dass er dann leichter verlinkt sowie lieber geklaut wird).

    Was diesen Bereich anlangt, so sehe ich mich, obwar ich dort auch schon schärfste Traktate unterbrachte und immer wieder unterbringe, ein Stück weit als den (nicht unbedingt einzigen) Feuilletonisten im Reigen der Kontribuenten.

    Und, da ich jetzt schon soviel aus dem Nähkästchen geplaudert habe, hat diese Seite ja auch einen nicht wirklich verhohlenen pädagogischen Anspruch (dass es jetzt trotzdem nicht unbedingt klug ist, das offen zu sagen, ist mir klar), insonderheit was die Sprachpflege im weitesten Sinne anlangt.

    Zu erwähnen wären an dieser Stelle noch ein paar spezielle, selbst entwickelte Kunstgriffe, die diesem Bereiche entsammen und in ihn einmünden, welche ich aber an dieser Stelle nicht öffentlich machen und erklären werde.

    LG

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ haschmech

    Ein Gott, der NICHT für das Bankenkartell arbeitet?

    Ja bist Du denn von Sinnen? – !

    Mir ist ja schon viel an Ketzerei untergekommen: Das aber ist der Gipfel!

    Und so einen sollen wir uns direkt hinter Gehenna abgeguckt selber extra dafür schaffen?

    Hat Dir jemand Bilsenkraut in den Tee getan?

    Die Grundidee ist natürlich trotzdem hervorragend.

    Wir deklarieren einen Einweggott, den wir gerade so lange brauchen, bis dass das Bankenkartell nur noch im Präteritum existiert. Und wenn er nicht guttut, verkürzt er damit lediglich seine eigene Daseinsspanne.

    Deine Theologie, oder, genauer, Theogonie, gefällt mir immer besser.

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