Weg mit X und W!

Ich weiß, jeder weiß, dass in Deutschland bestimmte Symbole in öffentlicher Verwendung verboten sind: Das hat sich, wenigstens fallweise, inzwischen bis hin auf das Keltenkreuz ausgedehnt. (Die Odalsrune ist auf Uniformen von Haupt- bis Oberstabsfeldwebeln statthaft, auch auf Werbeveranstaltungen der Bundeswehr, aber nicht auf beliebigen Demonstrationen.)

Die Türkei indes, dazu durfte ich wohl eben eine diesbezügliche Bildungslücke schließen, ist in ihren Bestrebungen, den Bürger vom Ohngeiste freizumachen, vielleicht sogar schon etwas weiter als wir, was wir neidlos anerkennen sollten. Denn sie verbietet, wenn man dem folgenden Zitat aus der FAZ Glauben schenken darf, bei uns völlig übliche, an das lateinische Alphabet angelehnte Buchstaben:

“Gerade hat ein Gericht in Diyarbakir, der inoffiziellen Hauptstadt der türkischen Kurden, die Annullierung von 19 kurdischen Namen für Parks und Straßen verfügt, da in den Bezeichnungen die verbotenen kurdischen Buchstaben x oder w enthalten waren.”

Nun, mit der Tilgung des “X” wäre es im Deutschen nicht gar so schwierig, denn man könnte es ja leicht als “cks” oder (bei den seltenen Wortanfängen) “ks” transkribieren: Was aber machen wir, um nicht als Terroristenfreunde dazustehen, mit unserem “W”?

Wie, wann, wohin weg mit dem “W”?

Nun, das “W” hat sich aus einem doppelten “U” entwickelt: Sind wir also aus dem Schneider, wenn wir künftig statt “Möwe” und “Löwe” “Möuue” und “Löuue” schreiben, da die Türkei, souueit ich weiß, das “U” ja noch erlaubt?

Ingesamt spannende Zeiten für Linguisten.

Man bedarf unser ja auch schon dafür, Gotteslästerung allverständlich unter eine angemessene Strafe stellen zu können zu verargumentieren.

Uuer uuorts uuider das Uuort und selbst noch den Buchstaben vorgeht, der hat jedenfalls derzeit gute Berufsaussichten.

Nachtrag

Da das Chinesische kein “R” kennt und das Japanische kein “L”, sollten wir uns beide ab- oder eben einen Mischlaut angewöhnen. Frankt man sein “R” nicht gar so guttural daher, verlagert es zum romanischen Zungen-R, so ist man vom “L” schon gar nicht mehr weit weg. Wenn das dann schon in den Krippen und Kitas mit gutausgebildeten Fachkräften regelmäßig geübt wird, diskriminieren wir endlich noch ein gutes Fünftel der Weltbevölkerung weniger.

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Eine Antwort zu “Weg mit X und W!”

  1. Dude sagt:

    Vielleicht würden wir am besten sowieso alle Buchstaben verbieten, und uns stattdessen fortan wieder in Grunzlauten und Unkenrufen verständigen. ;-)

    Dem WixxerXoxx häz doch is ufgweichte, verwirrte und wanzeversüüchte Hirn xeicht… Xehsches? :-D

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