Gehatet oder Gelovet?

Gerade blubbert auf meinem derzeitigen Lieblingsradiosender ein “App”-Entwickler vor sich hin, der eine Applikation mitentwickelt hat, mittels derer man Bilder ins Netz laden kann, auch wiederbewerten, sich per selbstlernenden virtuellen Stadtplänen von seinem Handy führen lassen, und die beiden zu wählenden Kategorien sind, wie originell, “hate” und “love”, wissen die Appler von “Lover and Hater”.

Es kommt also, wie diese Großmeister der deutschen Sprachoptimierung treuherzig vermelden, darauf an, wer am meisten “gelovet” oder “gehatet” wird.

Dass diese heldenhaften Volkspoeten noch nicht das Bundesverdienstkreuz für die konsequente, zeitgemäße Modernisierung unseres Wortschatzes erhalten haben, verwundert doch zutiefst. Ich möchte meinen, dass man das einen waschechten Skandal zu heißen sich keineswegs übertrieben echauffiert hätte.

Zwar mögen unaufmerksame Sprecher sich da “gelafft” oder “geheided” (also gelackmeiert oder gehäutet) fühlen, wenigstens mag es der Diktion nach so wirken; aber so scheidet sich eben der Weizen von der Spreu. Oder, meintewegen, der Oettinger vom Niederdeutschen.

“Hallo Anni, stell dia ma voa, gestahn sünd meine Bilda nua vierzehenmal gehatet wohdön, aba wieda zichma gelovt! Dat halbe Schanzönviatöhl lovt müch schon, und eina aus Börlin hat mir geschrüben: “Wat de da machst, det können wa Berlina allet bloß nur jutheißen. Icke love Dir.”

Aus Unterfranken, wo ich immer noch ein diskretes Agentennetz betreibe, kommen Meldungen, dass im Raum Hammelburg inzwischen ein geflügeltes Wort aufgekommen sei: “Dar hod mich nid gelöfft, dönn löff ich ach nid!”

Von der sprachbewussten Schwäbischen Alb, die ja endweis bis in allemannisch beeinflusste Gefilde hineinragt, erreichen mich uneinheitliche Berichte, die, zumal ob der oft schwierigen Topographie und relativen Unzugänglichkeit der Leute, schwer im einzelnen zu überprüfen.

Es soll aber zwischen Gmünd und Aalen (manche sagen, das betroffene Gebiet erstrecke sich bis Heidenheim) inzwischen nicht selten folgendes zu hören sein: “Wenn mie oiner vo dera Daggel heided, laff I denn oifach dsrigg. Noh gugged no meh Leid noh on sehed, wia edd gands bacha der Seggel isch!”

Meinen sächsischen Kumpel, aus dem Dresdener Raum, konnte ich dazu noch nicht befragen, vermute aber (mein Sächsisch ist sehr mäßig), dass P. in eddwa sagen dun däde: “Wenn uns Middeldüüdsche eener beehse nischd leiden dud, döhn driffd de Bierschberre!”

Sollten Sie weitere sachdienliche Meldungen aus relevanten Sprachgebieten haben, so bitte ich um horizonterweiternde Einstellung im Kommentarbereich.

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