Dem Nachwuchse (XV)

Ich fand gestern beim Aufräumen ein handschriftliches, bereits vergessenes Traktat, das sich recht peinlich larmoyant dessen befasste, dass ich leider nicht in der Lage sei, bestimmte Themen so ausladend zu behandeln, wie andere das können, nämlich dahingehend, aus dem Inhalte eines Essays ein ganzes Buch zu machen.

Schluss mit dieser irren, erbärmlichen Jammerei!

Das ist ja geradezu tragikomisch lächerlich!

Wozu sollte ich denn aus einer Sache ein Buch machen, wenn alles Wesentliche auf einer oder zwei Seiten gesagt werden kann, zu sagen ist?

Mögen sich doch die Beispielklauber und Endloserklärer darum kümmern!

Gibt es derer etwa nicht genung?

Was soll diese – ich gebe es beschämt zu – Nacheifer- und Buchgeschriebenhabergeltungssucht?

Solch minder Drang nach Kommerz und Anerkennung?

Kann ich nicht, in der Zeit, in der quälenden Zeit, derer es bedürfte, einen Grundgedanken, der in wenigen Zeilen klar darzulegen, zu einem halbwegs lesbaren Buche aufzublasen, hundert Ideen betreuen?

Was liegt an denen, die einer klar dargelegten Sache noch tausend Beispiele brauchen, einer Redundanz bedürfen, dass eine solche noch nicht einmal in der Ausbildung von Jagdhunden notwendig sein sollte?

Will ich Buchrücken für Deppenregale?

Heilandsack!

Seit ich die Universität verlassen habe, muss ich doch nicht alles und jedes eindeutig Darstellbare auch noch mittels ichweißnichtwievieler Quellen und Querverweise, Zitaten von Altvorderen, obsoleter Gegenpositionen, qua Handapparat und Schnickschnack, dummstudentenfest, belegen!

Ja, ich weiß: Das Buch ist alles, der Essay, das Traktat, ist nichts.

Na und?

Was schert mich das, wenn ich das Richtige sage?

Auch noch – das ist frech, man mag das gar nicht, ich weiß das wohl! – so sage, dass es jeder halbwegs gebildete Laie, wenn er will, ohne weiteres nachvollziehen kann?

Bin ich denn der arrivierten Linguisten, Psychologen, Philosophen ungraduierter Esel?

Kann nicht etwa jeder, den so etwas interessiert, ohne auch nur ein sprachwissenschaftliches Einführungsseminar besucht zu haben, meinen Vorgängerartikel bezüglich der “Fuckin’ Motherfuckers”  durchaus verstehen?

Ja, gut, die Lautqualitäten im Altisländischen gemessen am Altsächsischen und Gotischen: Das mag nicht so einfach verständlich zu machen sein. Dafür haben wir Spezialisten an den Instituten.

ABER: Was ist mit dem, was alle angeht?

MUSS das so viel Papier verschlingen, dass es ohnehin kaum einer liest?

Hätte ich das Sagen, so forderte ich noch vor dem Examen von jedem Studenten der Sprachwissenschaft eine Darstellung eines bedeutenden sprachlichen Phänomens in einer so allgemeinverständlichen Form, dass es für jeden Sechzehnjährigen, der die Mittelschule erfolgreich hinter sich brachte, mit nicht allzugroßer Mühe erfassbar wird.

Ein Sprachwissenschaftler, der normalen Menschen grundlegende Phänomene der Sprache nicht zu erklären weiß, gehört von der Universität verwiesen und soll meinetwegen, wie Joschka Fischer, Steineschmeißer, Taxifahrer, Büchereinklauer, Polizistenverprügler, Kriegstreiber, Volksverdummer, und was der sonst noch so gelernt, zu seiner Profession machen.

Ach ja: Dies ist ja dem Nachwuchse.

Wenn Ihr nicht bereit oder in der Lage, mit denen zu reden, die sich mehr mit Metall oder Holz oder Kindererziehung beschäftigt haben, dann schleicht Euch.

Dann brauche zumindest ich Euch nicht.

(Jeder, der diese Seite genauer kennt, weiß, dass ich die Sprachwissenschaft als die Königin der Wissenschaften erachte. Der eben auch die sonst behaupteten, Mathematik und Astrologie, lediglich Zofen. Eine Königin aber, die sich nicht von und mit ganzem Herzen ihrem Volke widmet, ist keinen rostigen Hufnagel wert, ist eine endschüttere, zu stürzende Schranze.)

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5 Antworten zu “Dem Nachwuchse (XV)”

  1. Dude sagt:

    In der Kürze liegt die Würze.

    Ps. “Dann brauche zumindest ich Euch nicht.”
    Ja, das gilt momentan auch für mich…

  2. Thomas sagt:

    Wow, klare Worte. Schade, dass Sie nicht (mehr?) in Hammelburg wohnen. Hätte mich gar frech und ungedrungen zu einem Bierchen oder Weine geladen, im passenden Momente, oder umgekehrt, sei´s drum, wie, jedoch sicherlich einmal.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Danke. Habe grade den Text nochmal gelesen. Er ist ja selber fast zu lang…

    Sollten Sie mal Stuttgart streifen, einfach vorher anrufen, vielleicht klappt es dann mit dem Bierchen oder Weinchen.

    LG

  4. haschmech sagt:

    “Wozu sollte ich denn aus einer Sache ein Buch machen, wenn alles Wesentliche auf einer oder zwei Seiten gesagt werden kann, zu sagen ist?”

    So gehts mir eigentlich auch.

    In den meisten Fällen täten es sicher auch schon zwei Worte.

    Nix gut!
    Alles Scheiße!
    Dummes Geschwafel!
    Nix glauben!
    Null Bock!
    Alles doof!
    So nicht!
    Entrückung heute!
    Jetzt Nonligion!
    Zeit – Geist!
    Deppen los!
    Wahnsinn Wahnsinn!
    Hasch mich!
    Fiese Krise!
    Alle aufhängen!
    Freimaurer arbeitslos!
    Im Irrtum!
    Es werde!
    Fußpilz Krieger!
    Dämonen verhauen!
    Mut Dude!
    Fatimas Hoden!
    Apokalypse Now!
    Islam Bimbam!
    Rückkehr! Wohin?
    Curiosity Lüge!
    Auswandern später!
    Alpha Julia!
    Kreuzige ihn!
    Satanische Nächte!
    Wir siegen!
    Zeitlos glücklich!
    Geschmackloser Abstieg!
    Leyen Sinn!
    Außerirdischer Schwachsinn!
    Irdische Arroganz!
    Keine Erkenntnis!
    Kein Fortbestehen!
    Chemtrails überall!
    Lieber krank!
    Endlich Schluß!
    Haschmech geht!

    Wem fallen denn spontan noch zwei gute Worte ein, zu dem was momentan so läuft?

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ haschmech

    Ja nu, da wüll üch müch denn ma’ doch nüch’ drücköhn. (Man sieht unschwer, dass ich doch, zumindest schriftlich, auch das beherrsche, was in Ostniedersachsen als Hochdeutsch gehandelt wird.)

    Wurz kurz!

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