Dem Nachwuchse (XIV)

Da Ihr – es wäre die Ausnahme – , nicht schreiben wollt, was Ihr sollt, müsst Ihr, wie der Kaufmann das formulierte, in Eure eigentliche Leistung zu den tausenden unentlohnter Stunden Arbeit auch Eure finanziellen Investitionen “einpreisen”.

Dies wurde so oder etwas anders schon tausende Male von anderen gesagt: Ich beginne diesen Teil aber trotzdem damit, denn man verdrängt diese Tatsache immer wieder allzuleicht, lässt die Vernunft fahren, sich Hoffnungen hingebend, die nur Energie abziehen.

Schaut Euch nur die letzten drei deutschen Literaturnobelpreisträger an: Soweit ich weiß, hat von denen nur einmal einer ein ziemlich gutes Buch geschrieben.

Sie bekamen den Preis eben nicht, weil sie besonders gut schrieben, sondern weil sie schrieben, was sie sollten.

Das heißt natürlich nicht, dass Ihr nicht über Nacht, oder nach und nach, Erfolg haben könnt, auch an den Freimaurern von Oslo und Stockholm und all den anderen vorbei.

Am wahrscheinlichsten ist dieser, wenn Ihr Kriminalromane schreibt oder Fantasyromane oder pseudohistorische Mittelalterromane (“Die Wanderhure von…”) oder sogenannte gesellschaftskritische Romane für StudienrätInnen oder gelungen “Trashiges” oder Kinderbücher. Allenfalls noch Kurzgeschichten (denn man hat vor einigen zig Jahren beschlossen, dass die literarisch besonders modern und daher auch wertvoll seien).

Und, wenn man bei den weltweiten Bestseller-Könnern vom Kriminalromanfach, ich nehme mal Grisham, George und Mankell, etwas genauer hinschaut, dann ist das zwar alles sehr gekonnt und durchdacht (obschon ich George auch schon weglegte, mit ihren ganzen heruntergekommenen Gestalten, Mankell in dem einen, den ich las, der als hervorragend gilt, zudem den Plot nicht besonders gut einfädelte: bei Grisham gibt es wenigstens noch ordentliche Bösewichter, und es wimmelt nicht nur so vor Perversen und sozial Verkrachten), aber doch völlig klischeedurchzogen.

Wer damit sein Brot verdienen will, ähnliches gilt für Fantasy und die tragischen Wanderhuren, die eigentlich uneheliche Töchter von Herzögen und Erzbischöfen sind, ein Talent dazu verspürt, dem kann ich nur raten, sich die “Großen” der Szene anzuschauen und etwas Vergleichbares zu konstruieren: denn denn wenn ihm das gelingt, läuft dem Verleger das Wasser im Munde zusammen.

Ich bin etwas abgeschweift.

Was ich damit sagen wollte, ist, dass Formen wie die Novelle, das (philosophische) Traktat, der Aphorismus, das Gedicht, dichterische Prosa (schöne Geschichten) derzeit, wofern sie von einem noch Unbekannten stammen, im Literaturgeschäft so gut wie keinen Stellenwert haben.

Ich habe, da ist es der Härtesten der Harten, in den letzten Jahren von keinem einzigen heutigen Aphoristiker im deutschen Sprachraume gehört, der auch nur halbwegs von seinen Aphorismen leben könnte. (Auf der größten Buchmesse der Welt, zu Frankfurt, versuchte ich vor drei Jahren bis zum Aufgeben auch nur einen tinzig winzigen Stand zu finden, der sich dieser Textsorte gewidmet hätte.)

Das philosophische Traktat ist einem Sloterdijk und einem Precht überlassen, wobei ich von ersterem auch schon ein paar recht originelle Gedanken las und hörte.

Gedichte, wirkliche Gedichte, wer schreibt heute welche?

Novellen verfassen, kann das noch einer?

Ja, schöne Geschichten höre und lese ich vereinzelt, aber mir ist jetzt entfallen, von wem.

Es gilt also durchaus zu überlegen, ob man nicht g e r a d e  e r s t  r e c h t – es schließt sich ja nichts aus – in einem oder mehreren der oben genannten minderbemittelten Genres sein Glück versuchen sollte.

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Eine Antwort zu “Dem Nachwuchse (XIV)”

  1. Dude sagt:

    “Was ich damit sagen wollte, ist, dass Formen wie die Novelle, das (philosophische) Traktat, der Aphorismus, das Gedicht, dichterische Prosa (schöne Geschichten) derzeit, wofern sie von einem noch Unbekannten stammen, im Literaturgeschäft so gut wie keinen Stellenwert haben.”

    Im LiteraturGESCHÄFT, ganz genau!

    Kein Wunder also, werden derlei Diamanten wie die folgende Kurzgeschichte “Chrom” – die man auch als realsatirische Phantasiegeschichte bezeichnen könnte – auch nicht als Buch herausgegeben.
    http://www.mysticalforum.ch/viewtopic.php?f=29&t=14978

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