Dem Nachwuchse XII

Wer die Teile I bis XI verstanden hat, dem vermag ich – bis zu neuen eigenen Erkenntnissen – nur noch wenig zu raten. (Was natürlich nicht heißt, dass es ab da schadete, hier zu lesen.)

Wichtig ist, dass man immer wieder mal eine Gewohnheit ändert.

Das heißt nicht, dass man sich alle vier Wochen eine neue Freundin suchen soll oder jedes Jahr umziehen oder seine besten eingetragenen Bergstiefel wegschmeißen.

Sondern, beispielsweise, dass man, wie ich es erst vor wenigen Tagen gemacht habe, nach jahrzehntelangem Nichttragen, einfach eine Armbanduhr kauft und sich damit einen neuen Werdegang erwirbt.

Dass man, wenn man den Rinderbraten sonst immer mit Salbei oder Rosmarin gemacht hat, ihn auch mal mit Thymian macht.

Dass man, wenn man durch die Stadt geht, einfach mal andersrum geht, als sonst.

Dass man mal mit der Linken macht, was sonst die Rechte besorgt.

Ich werde in absehbarer Zeit sogar nochmal Kürbissuppe versuchen (nach einigen kläglich gescheiterten Versuchen an diesem Matsch, den andere gar höchst köstlich zubereitet fanden; ich kochte sogar schon selber welche, mit aller redlichen Mühe, Sahne usw., doch es half nichts), obschon dies so ziemlich das einzige Essbare ist, was bei mir nahezu einen Kotzreiz erzeugt.

Ich habe ja auch meine Kartoffelbreiphobie überwunden, die mir als wehrloses Kind im Stuttgarter Marienhospital von bösartigen Nonnen auf übelste Weise angezüchtet wurde.

Den Sinn solcher Maßnahmen muss ich hier nicht weiter erklären.

Was überdies Sinn ergibt, ist, sich über wiederkehrende Strukturen in den eigenen Träumen Gedanken zu machen. Was steckt dahinter? Wieso hat man was, von dem man sehr wohl weiß, was für eine Rolle es im eigenen Leben gespielt hat, nicht positiv aufgelöst, so dass man es immer wieder verarbeiten muss? Wieso drücken andere Sachen, vielleicht ärgste, nicht mehr?

Des weiteren die Entwicklung der Wehrlosigkeit als eine der stärksten Wehren und des eigenen Humors und damit der Lebenskraft.

Einfach zugeben, was für ein haltloser Seckel man ist, was für ein Schlamper (wenn man letzteres, wie in meinem Falle, tatsächlich, im konventionellen Sinne der Aufgeräumtheit, auch ist), was für ein Tagdieb, Träumer, Inkonsequenter, Loser, Halbdackel gegenüber den Weibern, Schreihals, Schüchterling, Stinkfatz, Sturbock, Hahnenbambel, Lohle, Aufsprech, Tunichtgut, Selbstverliebter, Arroganzling, Schwätzer, Gottloser gar, Ranzmichel, Schweinepriester usw. usf.

Das ist zwar kein Patentrezept, allzumal nicht an jeder Stelle gegen jeden Angreifer bzw. Widersacher vernünftigerweise anzuwenden, kann aber, richtig verstanden, nicht nur die Selbsterkenntnis und, wie gesagt, den eigenen Humor heben, schon dadurch stärken, sondern mitunter auch noch dem übelsten, abgezocktesten Socken, der einen durch den Dreck ziehen will, den Atem rauben. Denn genau damit rechnet der am allerwenigsten.

“Ich weiß schon lange, was für ein Arschloch ich bin, also was erzählst du diese allbekannte Tatsache mir und den Leuten noch?!”

Schließlich empfehle ich mit Nachdruck die Beschäftigung mit analogen holographischen Zeichensystemen, zuvörderst dem 24er-Runenfuthark und dem I-Ging.

Denn dies schult das mehrdimensionale Denken, jenes über das Wenn-Dann hinaus, über binäre Logik, das geistig Geringe direkt wahrnehmbarer Kausalität.

Jetzt ist mir doch noch etwas Wichtiges eingefallen.

Weshalb wohl irgendwann Teil XIII wird folgen müssen.

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