Hicks-Bosom: Gott ist groß

“Seit 40 Jahren fahnden Physiker nach dem Higgs-Boson, das auch Gottesteilchen genannt wird. Es spielte nach herrschender Teilchentheorie eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Universums nach dem Urknall. Das nach dem britischen Physiker Peter Higgs benannte Teilchen sorgt demnach dafür, dass alle Objekte eine Masse haben.”

(Das mangelnde Leerzeichen zwischen “auch” und “Gottesteilchen” stammt nicht von mir, sondern unter dem Titel “Cern meldet Erfolg bei Suche nach dem Gottesteilchen” vom Focus-Praktikanten. Ich zitierte selbst Gott unverändert.)

“Würde es nicht existieren, stünde das gesamte seit Jahren die Physik beherrschende Theoriemodell infrage.”

Da soll es also ein Teilchen geben, das seit dem ersten divinen Bums dafür sorgt, dass alle anderen Teilchen eine Masse haben.

Interessant.

Und es MUSS da sein, weil sonst der Urknall nicht hätte stattfinden können, die ganze Physik der letzten 40 Jahre Scheiße gewesen wäre und überdies Gott und wir noch dazu nicht da und vor allem keine Forschungsgelder mehr.

Na denn. Hicks. (Bitte um Verzeihung, ich trinke gerade meinen Vormittagsroten.)

Gott soll also ein besonderes Teilchen gebraucht haben, um all den anderen Teilchen Masse zu verleihen und uns damit unter anderem die Schwerkraft.

Ich wollte, ich wäre ein Hicks-Bosom (also stets etwas angedudelt im Schoße einer meinetwegen angelsächsischen Holden, irgendeine Ansehnliche findet sich bei denen auch), hätte stets genug Sauternes von den Leuten aus Cern, könnte mich also immerzu, gelegentlich danebendichtend, um das Schöne, nämlich die nur solchermaßen befangene freiwillige Erschaffung einer neuen Welt besorgen.

Da wäre mir nicht einmal mehr die Schwerkraft unerklärlich.

So sinkt ein Gott gerne.

Da lernt er gar noch das Singen beim Sinken.

Und wenn der Rotwein ausgeht, schwirren alle Teilchen aus, ihm neuen Vega Sicilia und Chateau Margaux zu schaffen.

Zum, um zwischenzeitlich zu neuen Schöpferkräften zu kommen, Deichlamm mit Böhnchen und Schwenkkartoffeln. (Vor dem Armagnac.)

Gott ist groß.

Denn er darbt selbst im Kleinen nie.

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10 Antworten zu “Hicks-Bosom: Gott ist groß”

  1. Eric sagt:

    http://www.popsci.com/science/article/2012-07/hello-higgs-boson-lhcs-new-particle-looks-real-thing

    Hello, Higgs Boson: LHC’s New Particle Looks Like the Real Thing

  2. Thomas sagt:

    Gott sei Dank ist Gott das alles egal. Sonst wäre Higgs ja ein heiliges Wort und müsste schon in der Bibel auftauchen. Aber wer weiß, vielleicht wird die dafür noch umgeschrieben, damit die Kirche endlich einen schlagenden Gottesbeweis bringen kann.

    Ist aber schon lustig das Thema: Jetzt haben wir ein Teilchen, dass für die Schwerkraft verantwortlich zeichnet. Was aber genau nun Schwerkraft ist und wie sie entsteht, wissen wir immer noch nicht. Aber wir haben jetzt ein Teilchen, dem wir die Schuld geben können. Super.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Eric & Thomas

    Ich nehme diesen Leuten erst dann ein Wort ab, wenn sie irgendetwas Reales zustande bringen.

    Bislang wirken sie mir wie reichlich gut bezahlte Pfaffen in verdammt teuren Tempeln, die analog zu dem, wie früher viele die Erde für eine Scheibe hielten, noch an die Lichtgeschwindigkeit glauben.

    Ich habe selber schon paranormale Phänomene erlebt und hinreichend von anderen davon gehört. Erklärt haben diese Helden noch nimmer nicht kein eines davon.

    Vielleicht kriegen sie irgendwann ja doch was raus.

    Kann aber auch gut sein, dass sie komplett auf dem Holzweg sind.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Alle

    Wenn mich mein Langzeitgedächtnis nicht trügt, behaupten die Leute von Cern etwa alle ein bis zwei Jahre, kurz vor, knapp an einem Sensationsfund zu sein, beinahe schon schier sicher etwas Grandioses entdeckt zu haben…

    Was sollten sie denn auch sonst tun?

    Mag sein, dass es an meiner Unwissenheit liegt: Aber mir ist keine einzige reale physikalische Anwendung bekannt, kein nützlicher Apparat, der auf den “Erkenntnissen” jener beruht. (Bitte hier erklärend einstellen, wofern es sowas doch geben sollte.)

    Womöglich finde ich als Sprachwissenschaftler noch eher das kosmosentscheidende Nullmorphem, als die ihr Higgs-Boson.

  5. Alex sagt:

    Hat Cern nicht das Internet erfunden?
    Was die Teilchenphysik betrifft, weiß ich nicht, welchen Nutzen CERN direkt auf die Menschheit hat, aber CERN ist zumindest ein Prestigeobjekt, welches viele junge Physiker anlockt dazu kommt, dass sie Grundlagenforschung betreiben, niemand kann genau sagen, welchen Nutzen wir in der Zukunft daraus ziehen, dass konnte man in der Vergangenheit bei vielen Dingen nicht und im Nachhinein, haben sie sich doch als recht nützlich erwiesen.

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Alex

    Dass Cern das Internet erfunden habe, wäre mir neu.

    Und, klar, sollen die forschen.

    Sie sollten sich dabei aber, wenn sie schon im Privileg stehen, so viel Geld verbraten zu dürfen, nicht deromaßen aufspielen, wie sie es tun, und zur Abwechslung auch mal ein bisschen denken.

  7. Dude sagt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Internet#Geschichte

    Für derartiges kann man Wiki schon brauchen. ;-)

    Das Problem an dieser Grundlagenforschung ist aber, dass sie von einem völligen verkehrten Verständnis über den Kosmos ausgeht. Schon die Prämissen sind Fehler!

    Denn der Kosmos ist holographisch-fraktaler Natur und multidimensional, was bedeutet, dass die nächst höhere Dimension, mit herkömmlichen Messinstrumenten ohnehin nie erforscht werden kann, weil sie eben lediglich auf die grobstoffliche Dichte dieser Dimension ausgelegt sind…

    Simple Shit eigentlich… gibt auch lesenswerte Bücher darüber. Michael Talbot z.B.

    Ps. Der Teilchenbeschleuniger beim CERN wurde übrigens extra gebaut, und ist eine ziemliche Geldverschleuderung… aber gewisse haben’s ja wie Bauern Heu…

  8. Lockez sagt:

    @Alex:

    Das Internet war lange vor CERN da! Das haben die US-Militärs entwickeln lassen. ;-)

    Ich denkemal, das die mit CERN ganz was anderes erforschen als die uns klar machen wollen, denn mit dieser riesigen und sauteuren Maschine läßt sich bestimmt interessante Sachen fürs Militär entwickeln, z.B. Antimaterie-Bomben.

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lockez

    Der Verdacht, dass hier – zumindest auch – fürs Militär geforscht werden könnte, vielleicht gar unbewusst (“Irgendwas, das knallt, werden die Jungs dort schon finden, harhar”), drängt sich natürlich auf.

  10. Thomas sagt:

    Wer sich mit dem Thema Teilchenbeschleuniger etwas die Zeit vertreiben will, kann sich folgenden Thriller antun: Credo: Das letzte Geheimnis von Douglas Preston. Schöne Unterhaltung, tolles Thema.

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