Dem Nachwuchse (X)

Nietzsche sprach von dem “ungeheuren Verbrauch an Nervenkraft”.

Wenn man, durch dauerhafte, immense geistige Anstrengung nach und nach zu neuen Formen der begrifflichen Assoziation gelangt, zu einer regelrechten Veränderung zerebraler Funktionen, auf Deutsch gesagt, sein Hirn umbaut, darf man sich nicht darüber wundern, wenn zwischendurch eine ansonsten unerklärliche körperliche Mattigkeit auftritt. (Man hat also nicht drei Nächte, nichtmal eine Nacht, durchgesoffen, hat brav und gut gegessen, und schafft es, obschon nicht schlecht und lange geschlafen, kaum aus dem Bette.)

Schon einen Topf anzuheben mag wirken, wie als ob ein Elefant drinsäße.

So ein Zustand mag, ohne jede virale oder sonstige Erkrankung, auch mal zwei bis drei Tage dauern. Langsame lange Spaziergänge, auch viel Lachen, helfen nach meiner Erfahrung am besten ab. Weniger Rauchen schadet beim Raucher selbstverständlich auch nicht, und dass man das nicht wegzuschnapsen unternehmen sollte, dürfte sich von selbst verstehen.

Auch jede sonstige kontemplative, sinnvolle, nicht zu anstrengende Tätigkeit, wie etwa Schuheputzen, Messerwatzen, Umtopfen, ist förderlich. Bier in Maßen ebenfalls, wegen der kontinuierlichen Kalorienzufuhr und des beruhigenden Faktors des gehopften Gerstensaftes. (Wohl auch wegen der B-Vitamine.)

Aber gut, hier wird jeder selber seinen Weg finden müssen.

Ich schreibe dies nur, damit jeder, der es wissen will, wissen kann, dass hier, wenn ihm Ähnliches widerfährt, kein wirklich gefährlicher Zustand vorliegt, er sich den Gang zum Arzt (der glaubt Euch nämlich kein Wort und gibt Euch normalerweise irgendein Mistzeugs, das nichts bessert, oder / und verordnet Euch Ruhe und Entspannung, auf welch geniale Idee man auch selber kommen kann) spart, und die Einnahme irgendwelcher sinistrer Medikamente erst recht.

Oft bessert sich der Zustand noch an demselben Tage, da er eingetreten, so dass man sich um Sechse fidel verdutzt fragt, wieso man um Zwölfe noch deromaßen matt war.

Der Körper, die Materie, hat schlichtweg so viel am Geiste zu verdauen, an dem, was im Hirn geschieht, dass er manchmal einen Warnstreik ausruft.

Also: Wundert Euch nicht, keine Panik, wenn derlei irgendwann auftritt.

Denn es ist völlig natürlich und normal.

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2 Antworten zu “Dem Nachwuchse (X)”

  1. Nietzsche sagt:

    Hatte ich nicht eindringlich vor dem Verzehr von Bier gewarnt? Und zum Weissweine geraten? Ts, ts…

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Nietzsche

    Ich habe eben noch mal im 25. Bande (“V-Verzwunzen”) des Grimmschen Wörterbuches nachgeschlagen, welches mir bestätigte, dass “verzehren” normalerweise zur Beschreibung des Konsums von feststofflichen Nahrungsmitteln verwendet wird.

    Da man nun aber Bier auch traditionell als flüssig’ Brot bezeichnet, könnte man im Umkehrschlusse das Brot als zu verzehrendes Festbier bezeichnen.

    Zur Sache selbst: Weißwein ist zwar regelmäßig auf meinem Verzwurzelungsplane, aber in Lagen wie der oben beschriebenen nur begrenzt zu empfehlen, da er zehrt, während Bier nährt.

    Dass ich lieber einen Sancerre oder Sauternes oder Rheingauriesling oder einen Silvaner vom Stein trinke, als gemeines Bier, sollte sich von selbst verstehen.

    Aber alles zu seiner Zeit.

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