Weiber, Geld, Lebenskunst

Ich kannte einen Oberspezialisten im Weiberaufreißen, dessen Erwähnung zu tun hier, unter der Rubrik “Schönes”, durchaus mal angebracht.

Ich entzweite mich später mit ihm, allerdings nicht der Weiber halber.

Praktisch immer, wenn er (ein anderer Kumpel nannte ihn nur noch den Casanova) seine Neue anschleppte, war er endgültig unsterblich verliebt, der überaus begabte Naturwissenschaftler (schwäddsa koh er au, abber ed so gued wian i) verdrehte verzückt die Augen, wie als ob er Gaia persönlich entdeckt und hernach gleich erobert habe, dass er darob (sei es aus Neid, sei es gerechtfertigt gewesen, oder aus der reinen lachenden Bosheit heraus) auch manchen Spott erntete.

Denn meistens war’s nach zwei Wochen aus die Maus, und, schwuppdiwupp, war, nachdem er sich einen Tag in fürchterlichem Selbstmitleiden geübt hatte, den Schluss aller Zeiten hinter sich gebracht, alsbald die nächste dran.

Immerhin, soviel Contenance und Anstand hatte er, drohte er (inalsoweit ich mich erinnere) nie damit, sich ob solch unerträglicher Enttäuschung und schlussweiser Niederlage, stante pede, umzubringen.

Was mich aber gerade, denn dieser Typus wurde in der Literatur durchaus schon öfter beschrieben, dazu erwog, die Sache nochmal aufzugreifen, ist jener Spruch, den er einmal bezüglich einer Verflossenen losließ (gerade mal Anfang zwanzig!).

“Die Sibylle (ihr wirklicher Name fing auch mit “S” an, aber wir wollen hier nicht zu indiskret werden) war eine von meinen ganz großen Lieben!”

Eine von seinen ganz großen Lieben!

So viel Selbstwertgefühl muss ein junger Mann erstmal haben.

Ob unserer – aus meiner Sicht sehr hinterrücks herbeigeführten – Entzweiung, die, wie gesagt, mit Femininem nichts zu tun hatte, rächte ich mich viele Jahre später zu einem festiven Anlasse an ihm.

Da saß er, neben ihm eine Ansehnliche, und wie das Gespräch seinen Lauf nahm, frug ich, wie lange die beiden Hübschen denn schon zusammenseien.

“Fünnef Jahre!”

Da schlug es mich schier um. Aber ich berappelte mich behende.

“Was, du, der … bist seit sagenhaften FÜNF Jahren mit derselben Frau zusammen? – !!! DAS hätte nie einer geglaubt, dass je stattfinden könne, aber offensichtlich geschehen doch noch Wunder!”

Beide guckten zunächst ein bisschen vergnätzt, aber – ich vermute, sie war über seine Vergangenheit ein wenig im Bilde – trugen es mit Fassung.

Ich setzte dahingehend noch ein wenig nach, dass ich, der Dame zweifelhaft schmeichelnd, meinte, die müsse schon von einer ganz außergewöhnlich erlesenen Art und Zucht sein, das hingekriegt zu haben.

Er sieht übrigens, beruflich äußerst erfolgreich, in meinem Alter, immer noch fast aus wie 30.

Indem ich dann seinen weilandigen Mitverschwörer wider mich, ebenfalls höchst begabt, aber eher im sprachlichen Bereiche, der nicht im Golde badet (man sieht mal wieder, wer es zu Nix bringt), auf die exzellente äußerliche Verfassung jenes hinwies, meinte der nur: “Des kommd vom viela Geldverdiena!”

Manchen schaden die Weiber offensichtlich ebensowenig wie das Geld.

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6 Antworten zu “Weiber, Geld, Lebenskunst”

  1. Dude sagt:

    “Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe Dich, o Ewigkeit!

    Denn ich liebe Dich, o Ewigkeit!”

    (Quelle findet ihr selber heraus ;-) )

    So ist das, und nicht anders. Wie könnte es auch… ;-)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Naja, lieber Dude, ich kenne den Vers natürlich und weiß, dass er in den Sieben Siegeln zu finden. (Ich kenne ihn gar in meinem Frühneuenglisch, vom spanischen Berge. Im Ernst.)

    Indes fand ich doch ein Weib, außer der Ewigkeit, von dem ich Kinder mochte und auch geschenkt bekam.

    Die habe ich zum Glücke jetzt noch, bin aber ansonsten seit Jahren nur noch mit der Ewigkeit verheiratet.

    Dabei weiß ich noch nicht einmal, ob sie mich wirklich liebt.

  3. Dude sagt:

    Nunja, es gibt ja scheinbar auch Leute die knacken hin und wieder den Jackpot im Eurolotto. Rein von der Glücksebene her, bist Du dann wohl eine der einzelnen Ausnahmen, die gar noch mehr Glück hatten als jene Jackpotgewinner. Wobei, wenn man das Verlassen miteinbezieht, womöglich auch nicht… :-/

    Die Ewigkeit liebt Dich aber mit Sicherheit. Vertrau drauf.

    Liebe Grüsse

    Ps. Könnte sein, dass ich in der nächsten Zeit mal reinschneie. ;-) Du würdest vorher von mir hören. :-)

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Janu, wüssten wir denn von der Ewigkeit mehr denn vom Weibe?

    Mit einem Weibe kannst Du wenigstens einen Redeversuch ansetzen. Es gibt glaubhafte Berichte, dass es schon welche geschafft haben, hernach quasi eingeladenermaßen etwas sagen zu dürfen.

    Ich wohnte solchem gar schon bei.

    Es gibt Frauen, die wissen, das ihnen die Ewigkeit nicht allein gehört.

  5. Dude sagt:

    @Magnus

    Wie mir scheint, hast Du die Ewigkeit nicht verstanden.

    EWIG = ZEIT-LOS!

    Ergo gibt es in der Ewigkeit keinen Zeitstrang, keine Zeitlinie, kein vorher, jetzt und nachher.

    Wie willst Du da überhaupt “Reden” ??

    –> Unmöglich!

    Ps. Aber Du hast schon recht, die meisten haben von Weibern mehr Ahnung als von der Ewigkeit. Ich bin auch hier mal wieder eine Ausnahme, welche die Regel *chchch* bestätigt. ;-)

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Vielleicht habe ich sie nicht so recht verstanden, die Ewigkeit, aber ich denke, dass ich von der gleichwohl ebenfalls mehr Ahnung habe als von den Weibern.

    Denn die Ewigkeit ist bloß ewig, während die Weiber auch noch überall sind.

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