Sie ist nicht am Ende

Die europäische Philosophie ist, überall, wo ich davon höre, dass es noch eine gäbe, praktisch am Ende.

(Außer hier: Aber das wird nachher erklärt.)

Die Weisheit ist den sogenannten heutigen Philosophen als Gegenstand zu beschwerlich, gar als ein ungebärdig Tier zu gefährlich geworden.

Man schleicht allenfalls, wenn das gut bezahlt wird und Ehren bringt, um sie herum, lieber, als dass man sie auch nur wenigstens mal streicheln dürfen möchte.

Man ergeust sich in Relativismen, gibt auch gerne mal den Patrioten (wenn der Krieg dann verloren geht, macht man es wie jener Benn und verspottet die letzten Landser), ist sich seine eigene geistesverwilderte Kindertagesstätte.

Man will derweil einfach seine eigene Bedeutungslosigkeit als austauschbare, willfährige, billige Hure nicht wahrnehmen.

Denn das ergäbe immerhin ein Stück Selbsterkenntnis.

Und die wäre, wenn nicht direkt, so indirekt, da man ab da mit voller Absicht wider alle anderen lügen müsste, anstatt nur wider sich selbst, was viel schwieriger ist, im professionellen Sinne verhängnisvoll.

Also duckt man sich, da man sowieso gar kein Philosoph (mehr) ist, nichtmal ein Stück weit, noch unter jene letzten Geistesschabracken, die als Großphilosophen gehandelt werden, weil sie willkommene Kriegstreiber sind.

Man küsst nicht einmal mehr Füße, man buhlt darum, sie küssen zu dürfen, schleimicht, schwülstig, kriechicht, ist gar noch aufgekratzt, wenn man das unter den Zehennägeln der Herrschenden Ausgekratzte irgendwo als doch noch einverleibte Trophäe darzuweisen fertigbringt.

Alles ist irgendwie und irgendwo und sowieso und eigentlich sehr wichtig, während es nichts ist.

Nein, liebe Leute, hier ist das anders, und ich erkläre jetzt, wie versprochen, weshalb.

Hier lebt nicht nur der Geist Nietzsches, sondern meiner erst recht noch dazu.

Und so, wie er damals meinte, dass er den jungen deutschen Kaiser nicht einmal seinen Kutscher sein ließe, ließe ich mir von unserem alten Bundespräsidenten noch nichtmal die Füße waschen.

Wir echten Philosophen schleimen und kriechen nicht, denn das ist der Schnecken.

Wir steigen auf Berge, die andere über ihrem Nebel gar nicht sehen.

Wir lieben alles Schöne, und deshalb bedürfen wir nicht Eures Tands.

Die Erkenntnis, unser Glück, finden wir gleich einem Stück Treibholz am Strande.

Und jede Welle spült uns noch mehr neue Gedanken zu.

Wir sind das eigentliche Erbe der Menschheit.

Oh – mag da Einer etwas nicht wahrhaben, verstehn? Unser gar spotten?

Oder Viele, Alle?

Das bedeutet uns nur einen kurzen Rückblick. Nach da hinten, wo die armseligen Hütten der Lärmenden stehen.

Und ganz vorn, am Kap, da sitzt ein alter Seemann, dem wir von zween Bieren, die wir sorglich dabei, eines ausgeben, noch eine Zigarette dazu drehen, der uns von seinen Fahrten nach Havanna und Murmansk erzählt.

Dem zu lauschen und mit ihm zu lachen, ist nochmal unser Glück.

Und wir kehren zurück vom Gestade, nach nächtlichem Lagerfeuerglücke, allein, schon dem dritten, das uns geschenkt, und wissen, dass wir nur noch mehr davon finden können.

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