Heil dem Löffelhaken!

Für einen jungen Menschen ist die Unstetheit selbstverständlich, Reiz, meist denkt er sich nicht einmal was dabei, wenn er seine Gewohnheiten ändert.

Ab einem gewissen Alter beginnt sich das, schleichend zunächst, bei vielen verhängnisvoll umzukehren. (Ich rede jetzt nur von etwas geistigeren Menschen, der restlichen Trott zum Ende hin interessiert hier nicht.)

“Das habe ich noch nie ausprobiert: Weshalb sollte ich es jetzt noch tun?”

“So schmecken mir meine Nudeln seit Jahren: Weshalb sollte ich sie anders bereiten?”

“Die Uhr, die ich habe, ist die beste. Denn ich habe sie.” (Der zweite, entlarvende Teil wird praktisch nie ausgesprochen, steckt aber hinter der ersten, selbstgefälligen Einschätzung.)

Alles soll irgendwie fest werden, während die Welt drumherum ihre weitere Entwicklung durchmacht.

“Klar”, sagt man dazu, “werde ich mir einen neuen Rechner besorgen, da der alte nichts mehr taugt.”

Und ich habe auch eine neue synthetische Affenradlerhose, wie sie heute modern ist. Denn das macht man jetzt so.

Aber wenn mir einer meinen Heiligen Sankt Suppenlöffel an einen anderen Haken hangt, alswo er seit Jahren hängt, finde ich das reichlich unpässlich und quittiere es auch ganz offen, außer es wäre eine Dame gewesen, vielleicht, oder ein hochmögender Gast, nicht nur mit einem Stirnrunzeln, sondern auch einer deutlichen Kurzpredigt.

Meine Souveränität, meine altersbedingte Lebensweisheit, besteht darin, dass bei mir, und sei es, dass ich darüber verhungerte, meine bewährte Ordnung waltet.

Revolutionswirren mögen entstehen, alles mag durcheinandergeraten, aber mein Suppenlöffel hangt an seinem Platze.

Solche Menschen brauchen nichtmal mehr eine klar definierte sonstige Religion.

Denn ihr Gott ist ihre Uhr und der richtige Haken ihres Suppenlöffels.

Zurück zur Affenradlerhose: Genau dort, wo ein gewisser Konservatismus angezeigt wäre, geht der Suppenlöffelhakengläubige mit der Zeit.

Man will ja nicht altmodisch erscheinen. Man ist weltoffen, aufgeschlossen, liberal. Und sehr tolerant, solange einem das nicht direkt ans eigene Konto und den Suppenlöffel geht.

Man macht sogar Idiotenaffenradlerhosenbilder von sich selbst, vor Neuschwanstein, einreißnagelt sie – man ist ja modern und immer noch zu jedem Scherze zu haben – , zwar erst nach einigem gründlichen Bedenk, direkt über den Suppenlöffelhaken.

Also vergehet Jahr um Jahr, die affengelbe Radlerhose weicht dem Stützstrumpf, das Radl dem Rollator, aber der Suppenlöffel, der findet bis zum Schlusse verlässlich seinen angestammten Haken.

— Anzeigen —


Tags:

6 Antworten zu “Heil dem Löffelhaken!”

  1. Dude sagt:

    Grandios, danke! Mal wieder ein Highlight für mich hier. :-)

    Auch wenn ich keine Affenradlerhosen trage – da weigere ich mich schlicht und einfach, wie noch gegen das meiste andere heutzutage als modern Definierte ebenso -, hängen all meine Suppenlöffel schon länger immer in Ordnung an ihrem Platz, was alles ein-fach macht.

    Das geht allerdings wohl nur dann, wenn man auch zu jenen seltenen Ausnahmen gehört, die nicht im Kalbtanz eingespannt sind, bewusst nicht mittanzen, und sich also frei entfalten können, da man im Tanze schon meistens zum Chaos gezwungen wird.

    Das ist eminent!

    Denn wo Chaos regiert, wird alles kompliziert, sinnlos, und auch die Qualität leidet erheblich darunter, weil das Chaos eben gegen das Leben Selbst ist.

    Also hängt eure Suppenlöffel an die richtigen Haken!

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Selbstverständlich ergibt es Sinn, auch und zumal in der Küche, bestimmte Dinge nach Benutzung stets auf ihren Stammplatz zurückzuführen; das hält selbst der größte Chaot Südwestdeutschlands in aller Regel so.

    Ich hätte aber keine Probleme damit, gesetzt den Fall ich hängte drei verschiedenartige Suppenlöffel stets an drei Haken nebeneinander, die Reihenfolge mal zu vertauschen.

    Und – wenn der Himmel es wollte, dass Sohnemann die drei Löffel an die drei Haken hinge – , so schälte ich ihn sicher nicht, nach solcher Heldentat, wenn er die übliche Reihenfolge nicht eingehalten hätte.

    Und ich hinge sie auch frühestens bei Gelegenheit wieder um.

    Ich koche ja nicht blind.

    Außerdem könnte es mir irgendwann auch mal besser gefallen, hinge die ganz große Kelle in der Mitte, oder die Orgelpfeifen wüchsen statt von Links nach Rechts in der Gegenrichtung nach unten. (Hier vorausgesetzt, dass die drei Haken waag nebeneinander angebracht.)

    Vielleicht kaufe ich mir im Zweithandladen auch mal um zwei Euronen eine gelbe Affenradlerhose, sei es bloß, um meine Zechbrüder zu erschrecken und erheitern. Oder für Fasching oder einen Polterabend. Also gewissermaßen für besondere Anlässe.

    Dazu dann meine ältesten Stinkesandalen, eine rosa Schärpe um den Wanst, drüber ein ärmelkupiertes Holzfällerhemd und dachweis einen grauen, bayerischen Filzseppelhut mit Gamsbart.

    So reißt man zwar nicht unbedingt zwingend in der richtigen Reihenfolge die soigniertesten Damen auf, aber man sieht wenigstens nicht aus wie jeder andere.

    LG

  3. Dude sagt:

    “Vielleicht kaufe ich mir im Zweithandladen auch mal um zwei Euronen eine gelbe Affenradlerhose, sei es bloß, um meine Zechbrüder zu erschrecken und erheitern. Oder für Fasching oder einen Polterabend. Also gewissermaßen für besondere Anlässe.

    Dazu dann meine ältesten Stinkesandalen, eine rosa Schärpe um den Wanst, drüber ein ärmelkupiertes Holzfällerhemd und dachweis einen grauen, bayerischen Filzseppelhut mit Gamsbart.”

    *lo0ol* Ich freu mich schon auf den Youtube-Clip :-D

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Habe mich grade gefragt, welche Garderobe zu Dir als meinem Co-Blödmann auf YouTube passte.

    Da wären zunächst giftgrüne Krokodillederimitatschnabelschuhe (die richtig geilen, mit dem Rückschweif), sodann lila Pumphosen aus Vinyl (besonders nützlich bei 35 Grad im Schatten in der Sonne), darüber ein Bündnerrindsledernes Wams, in dunklem Ocker, mit silbernen Mondsicheln besatzt, allerlei okkulten Zeichen, ein halber, zerschlissener Gesslerhut schräg auf der Tolle.

    Und dann fangen wir an, Du dazu einen Appenzeller Riesenkäs unterm Arm, ich einen Siebenliterstiefel Starkbieres tentaklicht an mich gepresst, der Schwundschwab mit dem Lallallemann, mal so richtig frei zu philosophieren!

    So oder ähnlich begann wohl einst die Fröhliche Wissenschaft.

  5. Dude sagt:

    *lo0ol* Du wirst immer besser hier! :-)

    Also wenn Du mir erlaubst, meinen Gesslerhut noch mit einer Pfauenfeder, einem Peace-Sticker, sowie einem Acid-Smiley zu schmücken, und ich dazu noch eine piratsche Augebinde tragen darf, könnten wir uns das je nach Pegel nach dem Fondue schonmal ernsthaft überlegen. *gröhl*

    Denn fröhlich soll die Welt zugrunde gehn…
    http://www.theintelligence.de/index.php/politik/international-int/4568-russland-china-iran-und-syrien-planen-gemeinsame-militaeraktion.html

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Ich habe den von Dir verlinkten Bericht gelesen, und er stimmt nicht fröhlich…

    Umso mehr, da Dir kurzerhand Deine Heroldsinsignien wie Kurzwaffen gewährt seien, dem Planeten zu zeigen, wie harmlos und ergetzlich der Wahnsinn sein kann, haben wir jetzt den geeigneten Narrenkarren einzurichten.

    Wir wollen ja auch durch Züri und Schduergerd kutschieren, so dass alle die Wähler von Freisinnigen wie Christdemokraten sehen (selbst der intelligentere Rest), wie der Dude und der Magnus sich nicht, weiteren Most zu holen, gar in die Hosen seichen, sondern, völlig korrekt in die Karrenrandrinne, konzentriert am jeweiligen Gulli anhaltend, den Abtropf exakt plazierend, hiemit keinerlei Ordnungswidrigkeit begehend, kanaliter sauber und nicht zu beanständigen verhalten.

    Klar ist, dass wir neben jener speziellen Vorrichtung – die sonsten nötige Ausrüstung des Karrens beschreibe ich späterhin noch, des richtigen Dekors geistert’s mir noch im Kopfe – indes eines verlässlichen Ziehochsens bedürfen, oder auch, besser, zweier.

    Wir wollen ja nicht nur schon durch Züri und Schduergerd unsere Energieen nicht als Pädestranten vergeuden, sondern auch, über Basel, Freiburg (über Straßburg, wenn man uns reinlässt, nehmen wir den weiteren Umweg gerne) das spalierende Volk jederzeit unüberanstrengt unserer Huld teilhaftig werden lassen können.

    Der Karren bedarf zwingend einer hintangelegten, passiven, keilförmigen Ramme.

    Die die zuströmenden, verzückten Massen daran hindert, unseren Siegswagen durch nachsetzende Überwallung aufzuhalten.

    Über die geeigneten Sinnschriften auf den Wänden unserer Jenseitsvonlandvogtskutsche muss ich mir noch Gedanken machen.

    Schließlich ward so ein Triumphzug noch nie zuvor von einem Menschenauge gesehen.

Eine Antwort hinterlassen