Richtig verstandene “Weltoffenheit”

Ich will jetzt, da ich im Vorartikel der Gesangeskunst halber manche meiner tiefsten unerfüllten Sehnsüchte offenbarte, wieder etwas zur Vernunft kommen, eine Lanze für die Geographie brechen, derer ich, wie auf sonst fast allen Gebieten, dilettierend bemühet mich auch nicht wenig gewidmet (ich habe das Fach gar mal ernsthaft, also universitär, zu studieren versucht), derer, meine ich, weitaus zu wenig geachtet. (Oder falsch, verbogen, zerlogen.)

Vor allem natürlich, denn an die stelle ich, was deren Weltwissen anlangt, die höchsten Anforderungen, von vielen Schriftstellern, Dichtern, Philosophen, wie immer man sie benennen mag. (Von Staatsmännern sollte man Entsprechendes eigentlich auch erwarten, aber die sind mir jetzt grade mal schnurz, da es derzeit in unserer Nähe keinen für mich erkennbaren gibt.)

Wie sollte man ein Volk, dessen Kulturtradition und Denkungsart, bitteschön, verstehen können, wenn man dessen bestimmendes Klima, dessen Landschaftsraum, damit wirtschaftliche und soziale Bedingungen, praktisch nicht kennt?

Die wesentlichen Umstände, unter denen es sich entwickelt hat?

Es ist daher die Pflicht eines jeden, der gerade heute kein beschränkter, unnützer Halbgeist sein will, erst recht, wofern er ein “Globalisierungskritiker” ist, sich bezüglich dieser Dinge möglichst kundig zu machen.

Sonst nämlich, ich sage das bewusst so hart, schwätzt er regelmäßig nur dumm raus.

Das mag ihm dann einen guten Posten bei der UNO eintragen, er mag dafür bestellt sein, aber einen Geist, wie ihn der Planet nicht nur einen braucht, erlangt er so nicht.

Man muss nicht, wie ein Scholl-Latour, fast jedes Land der Erde bereist haben, um sich hierin zu bilden. Bestens wäre das, aber das kann nunmal nicht von jedem ernstlich verlangt werden.

“Weltoffenheit”: Das heißt für mich nicht, dass man jeden Banditen im eigenen Lande naiv begrüßt, auch nicht jeden, der zwar nicht direkt Bandit, aber kulturell schlicht nicht kompatibel, sondern, dass man sich wirklich mir der ganzen Welt beschäftigt.

Denn dass diese heute, wie nie in der bekannten Geschichte, vernetzt und interdependent ist, wird wohl keiner ernstlich bestreiten.

Lösung von Problemen beruht eben in aller Regel doch auf Kenntnis derselben und darausher gewachsenem Urteilsvermögen.

Genau das wollen die Gnadenlosen unter den Globalisten (welche von ihnen wären nicht gnadenlos?) exakt und auf den Punkt nicht. Und die meisten Libertären, gegenüber deren Grundrichtung ich teils Sympathie hege, wenn richtig verstanden, aus Bequemlichkeit, verblendeter Ideologie, auch mitunter Verkauftheit, ebenfalls nicht.

Und ein “Nationaler”, der keine Ahnung vom Rest der Welt hat, der ist nur eine Lachnummer.

Echte Patrioten erweisen sich dadurch, dass sie den vernünftigen und gerechten Ausgleich mit anderen Völkern suchen und auch anzusteuern wissen. Wie sollte das ohne Verständnis, völlig planlos nur im eigenen Sumpfe paddelnd, gehen?

Der vielfältige kulturelle Reichtum, der diesen Planeten auszeichnet, der die Widerstandskraft gegen die plutokratischen Nivellierer schlechthin darstellt, ist das Trumpfas all jener, die nicht zu Sklaven einer korporatistischen Banken- und Großkonzernstrippienzieheroligarchie werden wollen.

Daher stehe ich für die Weltoffenheit der Intelligenten, Gebildeten, Vernünftigen.

Und plädiere deshalb für das Studium der Geographie.

Der Natur-, Wirtschafts- und Kulturgeographie.

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