Künstlerfreud mit zunächst zerrissenem Kittel

Die gegenseitige Befruchtung von Künstlern verschiedenster Art ist bedeutungsmäßig wirklich kaum zu überschätzen.

Ich meine das jetzt nicht allgemein, sondern dahingehend, wenn sie sich persönlich kennenlernen und in gemeinsamer Freigeisterei gemütlich bis auch mal heftig zusammen einen heben.

Im Laufe der letzten eineinhalb Jahre hatte ich das besondere Glück, Maler kennenzulernen. (Interessante Musiker auch, aber leider noch nicht ganz in dem näheren Maße.)

Da sind echt abgefahrene Typen dabei. (Das ist normalerweise nicht meine Sprache, aber hierzu passt es.)

Ich versuche, wie es meine altmodische Art ist, auf allen Ebenen von ihnen zu lernen.

Ihre Weltsicht (die ja vor allem auch Sicht ist), führt mich in andere Räume.

Heute (gestern) Abend war ich auf einer sehr gelungenen Vernissage, wo nicht nur Schranzen und Aufgeblasene herumstanden und Sekt schlürften (ich werde jetzt nicht nochmal den Fehler begehen, zu sagen, wessen Veranstaltung es war, gerade, weil ich ihn schon ganz gut kenne, so wie es bezüglich jener Jazzkneipe, über die ich kürzlich sprach, dass dies, wie ich auch wusste und sagte, im Sinne der zeitgeist-Unabhängigkeit schon als grenzwertig angesehen werden konnte), sondern einfach Kunstinteressierte lachten, sich unterhielten, alswo ich mich, kurz gesagt, nicht deplaziert fühlte.

Die Vorwitze dazu (einer traurig, den aber erläutere ich nicht, zwei gefährlich, noch einer wenigstens erträglich) will ich jetzt nicht unterschlagen.

Ich hatte einen wahrhaft weniger lustigen Termin an der Schule meines Sohnes, mit seiner Klassenlehrerin, gehabt. Graus.

Hernach hätte ich beinahe einen vielleicht achtjährigen Buben mit dem Radel überrollt, der einfach unversehens hinter einem großen schwarzen Bus hervorfuhr, so dass ich ihn, in meinem ersten Schrecken, gerade noch gut und geistesgegenwärtig gebremst habend, und wohl zurecht, sehr ernstlich schalt, was er denn da unternommen habe, dass er mit einem deutlich schnelleren Auto über ihn drüber jetzt vielleicht gar kein Kerl mehr sei.

Dann, meinen Kindern Wärmvorsuppe gekocht und alles dazu erklärt, nochmal aufs Rad zur Vernissage. Kurz vor der Adresse, nachdem mir nochmal einer in die Spur hatte laufen wollen, vollvertrant, stellte ich auf einmal fest, dass mein ansonsten noch recht präsentables Seidenhemd einen nicht übersehbaren Riss an der unteren linken Bauchgegend aufwies.

“Stopf es einfach tief genug in die Hose!” – dachte ich, versuchte das, aber damit vergrößerte sich der Riss nur so, dass ich (zumal mit meinen heutztage verpönten nicht unzahlreichen Bauchhaaren) nun dergestalt endgültig nicht mehr sowo antreten konnte.

So gab es zur Dochnochwahrnehmung der Sache nur noch zwei Möglichkeiten: Heimradeln und ein brauchbares Hemd suchen, oder irgendwo ganz schnell ein präsentables besorgen.

Gott meinte es gut mit mir.

Wie durch ein Wunder entdeckte ich am sicherheitshalber angesteuerten Heimwege einen Zweithandladen, der mir für lediglich neun Euro ein absolut vernissageverkehrsfähiges, tatsächlich neues Hemd auswarf. (Ich schloss vor der Tür nichtmal das Rad ab, riskierte also gewissermaßen alles.)

Es, das Hemd, musste dort auf mich gewartet haben.

Es, das Hemd, ist so erträglich, dass ich es selbst jetzt beim Schreiben noch ertrage. (Das andere olle liegt im Straßenstadtmüllkasten, wo es allein schon ob seiner Hinterlist hingehörte.)

Was wollte ich eigentlich sagen?

Das weiß ich schon gar nicht mehr.

Wahrscheinlich war es der Bilder.

Die meisten waren sehr, sehr gut.

Zwei oder drei adrette Frauen waren natürlich auch da.

Die guckt sich ja selbst der Kunstsinnigste manchmal noch lieber an.

Außerdem waren W. und R. dort, mit denen ich mich immer gerne unterhalte, nicht nur über Malerei, sondern auch sonst über Weißsieodereroderichwas.

Hinterher sind wir gar noch – na, so ein Wunder war das jetzt doch nicht – in jener erlesensten aller Kneipen zusammen ein wenig bis mittelprächtig versackt, deren Namen ich aber ebenfalls nicht verrate.

Und ich kam, ausnahmsweise, heil heim. (Das Radl dann lieber geschoben.)

— Anzeigen —


Tags:

Eine Antwort hinterlassen