Religion und Philosophie

Was ist der Unterschied zwischen Religion und Philosophie?

Der Ersteren halber schlagen sich Leute im Wahne massenhaft gegenseitig tot: um die Letztere hinwiederum streiten nur wenige lediglich mittels möglichst immer weiterentwickelterer Ideen und gesetzerer Worte.

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21 Antworten zu “Religion und Philosophie”

  1. Lesezeichen sagt:

    Hallo Magnus,

    Einspruch :).

    Menschen schlagen sich nicht wegen der “Religion” die Köpfe ein, sondern wegen ihres erlernten Gottesverständnis. Das ist etwas völlig anderes, weil damit alles auf eine höhere – nicht menschengemachte – Ebene gehoben wird. Es gibt festgelegte Deutungshoheiten, was bedeutet, dass derjenige, der diese innehat, auch die Macht hat. Er gibt das weiter, was Gottes Wille ist bzw. zu sein scheint.

    Im Gegensatz dazu ist es völlig unerheblich, welcher Philosoph über was denkt, redet oder schreibt – es bleibt menschlich.

    Ob in der Philosphie tatsächlich Ideen weiter entwickelt werden, ist eine Frage. Nach meiner Erfahrung ist Philosophie eher eine nicht enden wollende, vielerorts völlig fruchtlose Endlosschleife.

    Unsere Tochter musste kürzlich ein Essay über Rawl’s Veil of Ignorance und Nozick’s Anarchy, State and Utopia schreiben. Wie das Leben so spielt, fiel das in den gleichen Zeitraum, in dem sie auch an ihrer Dissertation schrieb, was bedeutet, dass sie unter wirklich extremem Druck stand. Jedenfalls ist sie – unter dem Eindruck der drückenden Realität – fast darüber verzweifelt, dass Philosophie kein greifbares Ergebnis hat. Sie besteht eben aus lauter Zwischenergebnissen oder vorläufigen Denkzwischenständen. Manchmal muss man sich auch mit äußerst vagen Aussagen zufrieden geben. Für Menschen, die es gewohnt sind, auf kürzestem Weg auf ein konkretes Ergebnis hinzuarbeiten, ist sowas eine echte Herausforderung, bzw ein Drama, weil man sich eben mit einem ergebnislosen Ende zufrieden geben muss.

    Wir haben in der Zeit viele Wir-gehen-mal-um-den-Block-Gespräche geführt, aber wie sonst auch, fällt Philosphie sehr schwer, wenn man mit alltäglichen Realitäten zu kämpfen hat. Es ist eben doch mehr eine Beschäftigung, wenn man vor einem vollen Teller mit einem Glas Rotwein sitzt :))). Sie taugt nicht für Hungernde, Stressgeplagte oder Unterdrückte. Könnte, wollte, hätte, wäre… dass sind mehr die philosophichen Verben, die man im satten Wohlstand genießen kann.

    Diese tauchen aber in Bezug auf Gott bei vielen Gläubigen nicht auf. Da ist es eben Kann, will, hat, ist. Es ist konkret, weil es für viele Tiefgläubige Zwangsläufigkeiten gibt, die nicht diskutierbar sind. Da gibt es keinen Konjunktiv.

    Herzlichst

    das Lesezeichen

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Sehr starke Entgegnung!

    So liebe ich das!

    Jetzt aber erstmal Mittagessenmachen (der Rotwein ist ausgegangen), dann ein vermaledeiter Arzttermin mit dem Kleinen (es muss sein, du weißt dass ich das hasse, wenn überhaupt was), und später mehr.

    Ich bitte auch vorsorglich um Verzeihung, dass ich Tanja vorhin also unbedacht wie einseitig als meine nicht unwahrscheinlicherweise qualifizierteste Leserin bezeichnete.

    Soviel schonmal: Dass und wie Du das an den Verben bzw. dem Konjunktiv entlang aufbaust…

    Hoppla!

    Ich werde mir wohl wirklich etwas einfallen lassen oder nachgeben müssen…

  3. Dude sagt:

    Liebes Leseszeichen

    Deine Kommentar hier sind mir immer wieder eine grosse Freude! Danke! :-)

    Eine Kleinigkeit möchte ich aber noch anbringen.

    “Sie taugt nicht für Hungernde, Stressgeplagte oder Unterdrückte. Könnte, wollte, hätte, wäre… dass sind mehr die philosophichen Verben, die man im satten Wohlstand genießen kann.”

    Wieso nicht? Es ist doch oft so, dass Clochards, die unter Brücken hausen, sich aus dem “Müll” unserer Verschwendergesellschaft ernähren, zerlöcherte und stinkende Kleider tragen, die grössten und weisesten Philosophen sind, die es gibt.

    Ich erinnere mal nur an Diogenes. ;-)

    Lieben Gruss vom Dude :-)

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen & Dude & Alle

    Zunächst nochmal mein ausdrücklicher Dank an alle treuen Mitdiskutanten in diesem wie in anderen Strängen, die von mir Verfasstes auch mal loben, mir aber auch grundsätzlich nichts einfach so durchgehen lassen.

    Zur hiesigen Sache.

    Dude, Du hast mir gewissermaßen schon eine Steilvorlage zum Einwande wider Lesezeichens Rede geliefert.

    Ich zitiere hier noch einmal ihre schlussentscheidenden Sätze zur Philosophie (versus Religion):

    “Sie taugt nicht für Hungernde, Stressgeplagte oder Unterdrückte. Könnte, wollte, hätte, wäre… dass sind mehr die philosophichen Verben, die man im satten Wohlstand genießen kann.

    Diese tauchen aber in Bezug auf Gott bei vielen Gläubigen nicht auf. Da ist es eben Kann, will, hat, ist. Es ist konkret, weil es für viele Tiefgläubige Zwangsläufigkeiten gibt, die nicht diskutierbar sind. Da gibt es keinen Konjunktiv.”

    Zumindest bei mir ist es ganz anders gelaufen.

    Kann war fast nichts (zwei Wochen Gipsbett, nichtmal Umdrehen oder Rübe bewegen), Will wurde unterdrückt, Hat war Schmerz, Denken an eine Zukunft als Untermensch, und unterengländisches Nonnenabfallschnorchelfutter gab’s zum Extraspaße als erlesenes Ist.

    Gott war nirgends.

    Aber der Konjunktiv, der war da.

    Könnte wieder, könnte wieder wollen dürfen, eines Tages könnte es doch auch wieder was Anständiges zwischen die Zähne geben, die linke Hand wieder zur Faust geballt werden, der Schlund ohne Plastikinneneinfassung mehr als nur einen halben vollverdrahteten Lallzentimeter (ich schaffte es fast bis zum Bauchredner, kann das heute noch ganz gut) aufgehen.

    Das waren meine wichtigsten Konjunktive. Weitere Umstände lasse ich jetzt aus Pietas mit allen Lesern und mir selbst weg.

    Insofern, liebes Lesezeichen, meine ich, dass Deine Interpretation von der dekadenten, saturiert vor sich hinfaselnden Rotweinsäuferphilosophie, wie auch Dude schon auf einer anderen Ebene ausführte, so wenigstens nicht allfällig greift.

    Gut, ich erzähle doch noch was Erläuterndes dazu.

    Auf unserer verspäteten Hochzeitsreise, da wir gerade das Geld dafür hatten, unsere beiden Kleinen von meiner Mutter und einer weiteren Kindsbetreuerin verlässlich versorgt waren (es ist etwa zehn Jahre her), gingen wir in Portree, dem Hauptorte der Isle of Skye, wohin ich meine Frau überraschweis entführt hatte, in einen dortigen Laden, der auch beste schottische Wollwaren führte, von welchen meine Teure auch ein edelstes Umhängeteil ohne jedes schwäbisches Geizmeckern erwerben durfte.

    Es war wie für sie gemacht.

    An der Kasse, indem wir zahlten, sprach mich die Inhaberin des Ladens, eine echte Lady, vielleicht um die Fünfzig, da sie wohl sah, dass ich mit einer so schönen Frau an meiner Seite wohl wenigstens das Schlimmste verdaut haben müsse, darauf an, dass ihr Sohn, so wie wohl ich, einen schweren Brandunfall gehabt habe, jetzt (so eine hätte man mir gleich aufsetzen sollen) so eine fürchterliche Maske tragen müsse, was sie ihm denn sagen könne, ihn aufzubauen, zu stützen, ob ich wisse, was.

    Ich fühlte mich gefordert, denn ich sah, wie diese tapfere Frau litt.

    Ich sagte nach kurzem Zögern: “Tell him to just stay on!”

    Und sonst nichts.

    Wir zahlten, und ich hatte den Eindruck, sie bedankte sich, dass ich irgendwie geholfen hatte.

    Da war kein Gott, keine Religion: nur der Konjunktiv für die Mutter und den schwerverletzten jungen Mann, dem bloß noch üble Zukunft bevorschien. (Ihn hatte es wohl mit 16 oder 18 getroffen anstatt mit 8).

    Die Philosophie, wie auch die Möglichkeitsform, ist nicht nur der Décadents.

    Herzlichst, beste Wünsche!

    Magnus

  5. Lesezeichen sagt:

    Hallo Magnus,

    ein schwieriges Pflaster, denn wir bewegen uns wieder in Richtung der Frage danach, warum Gott Leid zulässt. Auf diese Frage habe ich auch noch keine endgültige und mich zufriedenstellende Lösung und muss eine Antwort darauf vertagen. Ich kann nicht sagen, warum uns dies oder das passiert, warum es Menschen mit schweren Schicksalen gibt und warum andere scheinbar verschont bleiben. Scheinbar deshalb, weil es uns als Außenstehende oft so vorkommt, als würden sie verschont.

    Aber du schreibst:

    “….Kann war fast nichts (zwei Wochen Gipsbett, nichtmal Umdrehen oder Rübe bewegen), Will wurde unterdrückt, Hat war Schmerz, Denken an eine Zukunft als Untermensch, und unterengländisches Nonnenabfallschnorchelfutter gab’s zum Extraspaße als erlesenes Ist.

    Gott war nirgends….”

    Doch, nach meinem Verständnis war Gott da. Die ganze Zeit. Er hat dir geholfen, wieder aufzustehen. Mit kleinen Schritten, mit deiner Fähigkeit zu denken, mit deinem Willen, wieder ein selbstständiges Leben führen zu können. Daher das “könnte”, das in diesem Zusammenhang nichts weiter symbolisiert als die Hoffnung auf Besserung. Der Weg dahin musste von dir selbst gegangen werden.

    Das ist aber ein anderes Könnte, als es in der Philosophie gemeint ist. Die Philosophie hat nicht das Leben des einzelnen im Focus, also nicht Lesezeichens oder Dudes oder deines, sondern befasst sich mit dem Gesamtbild, mit solchen Fragen wie der nach dem genannten Veil of Ignorance.

    Ohne Gott wäre dir natürlich nichts passiert, weil du ohne Gott nicht existieren würdest. Die Tatsache aber, dass du existierst, beweist, dass Gott sehr wohl präsent ist.

    Es drängt sich die Frage auf, warum er nicht geholfen hat?

    Auch das ist etwas, was ich nicht beantworten kann, einfach weil ich es nicht weiß. Ich habe ein paar Gedanken dazu, die ich aber gern in einem anderen Thread ausführen würde, weil es hier zum einen zu weit führen würde. Zum anderen hast du hier die Gottesfrage mit deinem eigenen Schicksal verknüpft und da läuft man Gefahr, mit grundsätzlichen Gedanken zu verletzen und das möchte ich nicht.

    Weiterhin schreibst du:

    “Insofern, liebes Lesezeichen, meine ich, dass Deine Interpretation von der dekadenten, saturiert vor sich hinfaselnden Rotweinsäuferphilosophie, wie auch Dude schon auf einer anderen Ebene ausführte, so wenigstens nicht allfällig greift.”

    Es mag sein, dass man das so lesen kann. So schrieb ich es aber nicht.

    Das Bild vom vollen Teller mit dem Glas Rotwein symbolisiert für mich einen gewissen Lebensluxus. Wenn man dieses Niveau erreicht hat, dann lässt sich trefflich philosophieren, weil man sämtliche Existenzsorgen überwunden hat. Wobei natürlich auch Dude nicht unrecht hat, wenn er auf die Clochards verweist, nur sind von denen nur wenige berühmt geworden. Die meisten Philosophen jedoch – auch Nietzsche – entstammten der oberen Gesellschaftsschichten, waren studierte, gebildete Menschen ohne relevante Existenzsorgen.

    Herzlichst

    das Lesezeichen

  6. Dude sagt:

    @Lesezeichen

    “denn wir bewegen uns wieder in Richtung der Frage danach, warum Gott Leid zulässt.”

    Die Frage aller Fragen. ;-)

    Letztlich ist die Antwort aber simpel, geht sie doch aus dem einen und einzigen Gesetze Jesu hervor, nämlich LIEBE die Quelle allen Seins und Lebens, und LIEBE Deinen nächsten, wie auch Dich Selbst. Das allein ist Gottes Wunsch, und es liegt immer im absolut freien Willen – da LIEBE niemals erzwungen werden kann -, diesem Wunsch zu entsprechen, oder nicht.

    Die Liebe ist also auch der Motor für jedes schaffende Licht, weil das schaffende Licht allein, ohne Liebe, nur Sinnlosigkeit schüfe. Erst die Liebe vermag den Sinn zu geben – in allem.

    Innerhalb der materiellen Schöpfung ist letztlich alles eine Interaktion von ursächlichem freiem Willen des Individuums, und wirkenden kosmischen Gesätzmässigkeiten, wie Dualität, Kausalität, Resonanz, Zyklik, etc.

    Es gibt also keine Zufälle.

    Liebe Grüsse auf die Insel :-)

    Ps. Onkel Friedrich war sich dessen übrigens bewusst. ;-)
    Pps. Berühmtheit wird in diesem Bewusstseinszustand irrelevant.

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Vielleicht war “Gott” ja doch da.

    Immer, wenn Du schreibst, denke ich, dass es “Ihn” doch geben könne.

    Ich bin jedenfalls noch auf keine klügere Sachwalterin seiner gestoßen.

    Für mich aber, dabei bleibe ich, war er nicht da.

    Und Du hast natürlich recht damit, dass die meisten Philosophen nicht eben direkt von Existenzsorgen getrieben waren.

    Wir sollten aber alle, meine ich, froh sein, dass es solche Menschen gab.

    Und das, was sie uns, zumindest einige von ihnen, gegeben haben, kann wenigstens manchem auch noch in der schlimmsten Not hilfreich sein.

    Als ich “meine Philosophie” existentiell benötigte, hatte ich, mit acht, neun, zehn… Jahren selbstverständlich noch nicht eines deren Werke bewusst rezipiert.

    Nietzsche begriff ich erst mit 24 einigermaßen.

    Dass Du es schaffst, mit “Gott” so gut auszukommen, finde ich bewundernswert.

    Vielleicht ist “Er” für die einen da, und für die anderen eben nicht.

    Oder: Vielleicht ist er ja sogar für “Ungläubige” wie mich da, nur dass wir Toren das nicht merken (wollen).

    Ich hätte gar nichts dagegen. Wieso auch?

    Immerhin ist “Er” ja schonmal inalsoweit “da”, dass Du und Tanja und Eric und der Dude und ich uns recht interessant über “Ihn” (bzw. seine Entourage und was er so alles angerichtet habe oder noch anrichte) austauschen können, dergestalt, dass wohl auch stille Leser daraus manches mitnehmen können mögen.

    Insofern (Du kennst meinen schrägen Humor) ist “Er”, wofern es “Ihn” gibt, sehr wahrscheinlich gar kein so schlechter Kerl.

    Bloß weil er mich nicht sonderlich mag, kann er ja ansonsten ganz anständig sein.

    Mit einem angeregten Lächeln und einem herzlichen Dankeschön,

    Magnus

  8. Dude sagt:

    Dürfte ich mal dümmlich-naiv fragen, weshalb Gott fälschlicherweise immer mit “Er”, “Ihm”, .. benannt wird?

    Merkt ihr nicht, dass ihr damit die einseitigen, patriarchalen Herrschafts- & Machtkonstrukte stützt???

    Gott verein(ig)t in SeinerIhrer Apolarität das männliche, wie auch das weibliche Urschöpfungsprinzip.

    Licht (m) & Liebe (w) also!

    Alles andere ist falsche Spaltung, die von der symbiotischen Quelle hinweg führt.

    In diesem Sinne: LiebeLicht @All :-)

  9. Dude sagt:

    Ps. Das widert mich nämlich allmählich so an, wie wenn von “Bewusstsein haben” gesprochen wird.

  10. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Ich habe, das dürfte Dir nicht entgangen sein, das “Er” wie das “Ihn” usw. ganz bewusst (in meinem Umfelde gibt es manchmal sogar Bewusstsein), grade erst recht auch oben, mit voller Absicht, genau in Deinem Sinne, in Anführungszeichen gesetzt.

    Denn selbstverständlich ist es ein geplanter abrahmitischer Ohnsinn, Gott als einseitig maskulin anzusetzen. (Man unterscheide dabei aber auch in diesem Zusammenhange bitte das grammatische vom natürlichen Geschlechte. Die Butter ist ja auch kein Weib. Ebensowenig wie der Mond im Deutschen ein Kerl ist und “la luna” im Italienischen eine Jungfrau.)

    Bewusstsein als solches kann man selbstverständlich auch nicht “haben”, im Sinne von besitzen.

    Gleichwohl sagt man meiner Meinung nach völlig richtig: “Der hat ein Bewusstsein von der Sache wie ein halbes Ei von drei alten Hühnern!”

    Nur als Beispiel.

    Und: Wenn Du “Gott” im Deutschen sein grammatisches Geschlecht grundsätzlich aberkennen willst, ist das Spiegelfechterei.

    Dann nimm lieber ein anderes Wort.

    Ich schlug das “Es” dafür (zwar etwas indirekt, manchem vielleicht lustig und klar) ja erst kürzlich vor.

    Auch das “All”, oder das “Alles” bietet sich hierfür an.

    Zudem: Du sprichst gerne von der “göttlichen Quelle”.

    Damit machst Du, so gesehen, Gott zum Weibe, was ja auch nicht unbedingt sinniger ist. (Ich weiß selbstverständlich, dass Gott ein Weib ist, aber das wissen nunmal wieder nur die Wenigsten von den Wenigen.)

    Kurzum: Wir müssen, da wir uns der sprachlichen Genauigkeit verschrieben (hehe!) haben, erst recht aufpassen, dass wir nicht selber ins Genderloch fallen.

    Da unten gibt es nur kranke Kühe. (Man findet nichtmal mehr ein Es.)

    LG

  11. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Da Du mich schon so schön ins Schwatzen gebracht hast, gibt es jetzt noch einen Nachschlag.

    Du könntest das Es oder das All oder Alles auch das Sich nennen.

    Oder, Eric scheint einen Plan zu haben, das Selbst.

    Das Wesen.

    (Die Mitte wäre schon wieder zu zergendert.)

    Das Eigentliche. (Wort für Religion zu lang.)

    Der Quell wäre schon wieder ebenso maskulin wie der Born.

    Ich plädierte selbstverständlich für das Ich. Oder, internationaler, das Ego.

    Aber das wird Dir wohl auch kein Plaisir schaffen. (Obzwar es immerhin ein scheinbares Neutrum ist.)

    Wie wäre es drum, um die Sache zu vereinfachen, mit das Das? (Englisch dann “the that”.)

    Die Romanen hätten wir damit leider ausgegrenzt.

    Die kennen gar kein Neutrum. (Allenfalls in Partikeln, aber die taugen hier, beim Weibe Sprachwissenschaft liegend, wohl doch nicht so recht noch auch links.)

    Bei uns hieß es auch mal “das Reich”.

    Das aber hat auch nicht lange durchgehalten.

    Das Das aber hat das Es uns gelassen.

    Insofern ist es wohl der beste Vorschlag zur Verdaslichung des Göttlichen.

  12. haschmech sagt:

    @ Lesezeichen

    “Menschen schlagen sich nicht wegen der “Religion” die Köpfe ein, sondern wegen ihres erlernten Gottesverständnis.”

    Das ist, weil in bezug auf das Gottesverständnis Liebe und Hass dieselbe Wurzel haben. Es gibt kein Licht ohne Schatten. Und wenn es nicht erst dunkel gewesen wäre, hätte es Gott gar nicht Licht werden lassen können.
    Mit Religion wird nur versucht in bezug auf den Hass, das Schlimmste zu verhindern.

    Christen bezeichnen sich selbst gerne als christlich, sind es aber oft gar nicht.
    Moslems lassen Salafisten machen, halten sich derweil im Hintergrund und ersehnen für sich die Weltherrschaft.
    Juden sehen sich als Volk Gottes ersten Ranges, die Religion ist bei ihnen nur was für den Rest der Welt.
    Buddha ist schon tot. Hat sich wahrscheinlich am weltlichen totgefressen.

  13. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ haschmech

    “Und wenn es nicht erst dunkel gewesen wäre, hätte es Gott gar nicht Licht werden lassen können.”

    Das wäre ja nunmal wirklich peinlich für ihn gewesen.

  14. Lesezeichen sagt:

    Hallo Dude,

    erst einmal vielen Dank für deinen Interpretationsansatz zum Thema “Warum lässt Gott Leid zu?”

    Du schreibst dazu:

    “Letztlich ist die Antwort aber simpel, geht sie doch aus dem einen und einzigen Gesetze Jesu hervor, nämlich LIEBE die Quelle allen Seins und Lebens, und LIEBE Deinen nächsten, wie auch Dich Selbst. Das allein ist Gottes Wunsch, und es liegt immer im absolut freien Willen – da LIEBE niemals erzwungen werden kann -, diesem Wunsch zu entsprechen, oder nicht.”

    Das ist sicher vom Grundsatz her richtig, wenn man es isoliert betrachtet. In Bezug auf das menschliche Leid komme ich mit dieser Erklärung nicht so gut zurecht bzw. nicht weiter.

    Dazu erst mal als eine Art brainstorm, denn ich bekomme das noch nicht in einen Zusammenhang.

    Hat Gott Empfindungen für menschliches Leid oder gibt es das für ihn vielleicht gar nicht?

    Gott hat den Tod nicht nur als Bestandteil in seine Schöpfung eingebaut, er ist sogar Bedingung. Nur, wenn wir sterben, wird der Boden bereitet für neues Leben. Bestes Beispiel dafür ist Humus. Wenn aber der Tod ein bedingungsloses Element des großen Plans ist, dann ist er aus Gottes Sicht etwas positives. Er wird nur für uns negativ, weil wir denken können, Gefühle haben, empathiefähig sind und eine tiefe Sehnsucht nach Bindung haben. Stirbt ein Mensch, an den wir uns gebunden fühlen, so stirbt ein Teil von uns mit und wir leiden. Sind wir vom Tod bedroht, haben wir Angst, stehen unter Stress, hadern mit dem Schicksal. Nur selten sind wir so sattelfest in unserem Glauben, dass wir uns unserem Schicksal offen stellen.

    Würde eine menschliche Welt auch ohne diese Eigenschaften funktionieren? Würden unsere Kinder ohne Bindung, Empathie und Fürsorge überleben? Nicht so, wie wir gebaut sind. Das bedeutet, dass wir diese Dinge brauchen, wie Wasser und Nahrung. Bedeutet aber auch, dass wir nicht nur Glück empfinden, sondern auch Leiden. Man kann das nicht trennen oder nach Belieben ein- oder ausschalten. Ich gebe zu, es hätte durchaus Vorteile, einen solchen Knopf zu haben.

    Vergleicht man das aber z.B. mit einem Fahrstuhl und stellt sich vor, das oberste Stockwerk ist Gott. Ist es aus Gottes Sicht so ein Drama, wenn wir das irdische Leben und Leiden überwunden haben und ihm nun, dem Guten, eine Etage näher gekommen sind?

    Ich gebe zu, dass das ein sehr menschliches Bild ist, aber es vermittelt vielleicht ansatzweise, was ich meine.

    Warum greift Gott nicht helfend ein, um schwere Schicksale zu vermeiden, Unfälle, Mord, Todschlag, Kriege? Da wird es noch schwieriger, denn wir kann man so etwas mit Liebe erklären? Mit der Liebe aus menschlicher Sicht lässt sich das auf gar keinen Fall in Einklang bringen. Auch nicht mit der Tatsache, dass wir freie Wesen sind.

    Da kommt dann wieder ins Spiel, wie wir ausgestattet wurden. Wir haben Fähigkeiten, die uns von anderen Lebewesen unterscheiden. Wir sind enorm lernfähig, begeisterungsfähig, wir können unter Stress unglaubliche Kräfte entwickeln und wir haben einen starken Überlebensdrang. Ich glaube, dass der Schlüssel zu Gott in diesen Fähigkeiten steckt, so wie der Volksmund so schön sagt: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Eigentlich müsste es anders herum heißen: Gott hilft dir, indem du dir selbst helfen kannst. Wenn du dir selbst nicht mehr helfen kannst, dann “erlöst er dich von dem Bösen” und nimmt dich zu sich. Wenn du dich hängen lässt, obwohl du anders könntest, dann vergrößert sich dein Leiden, aber nicht, weil Gott dich quält, sondern weil du nicht das machst, was du tun könntest. Unser Problem ist nur, dass wir in Momenten tiefen Leides, Schmerzen, Unglücks diese Dinge nicht wahrnehmen, sondern uns ganz menschlich auf die Fragen konzentrieren: Warum ich? Warum hat Gott nicht geholfen? Warum war Gott nicht da? Jesus selbst hat sich das übrigens auch gefragt, als er in den Momenten höchster menschlicher Not war.

    Gott war aber da, so wie er immer da ist. Es ist nur nicht Bestandteil seiner Schöpfung, Verkehrsunfälle zu verhindern oder Mord und Todschlag. Bei der Intelligenz, die uns Menschen gegeben ist, ist es unsere Aufgabe, diese Dinge zu verhindern, es zumindest nach Menschenmöglichkeit zu versuchen. Werden wir dem gerecht?

    So, hier muss ich eine Pause einlegen. Ich habe mir nämlich ein ganz menschliches Fitness-Programm auferlegt und muss jeden Tag in die Gym. Die schließt aber in einer Stunde und deshalb muss ich jetzt zu meinem ganz persönlichen no-excuse-program

    :)).

    Ich melde mich dann später noch mit ein paar anderen Gedanken.

    Herzlichst

    das Lesezeichen

  15. Eric sagt:

    Ich wollte ebenfalls einen Beitrag schreiben, habe aber festgestellt, dass schon der Ansatz, “das Glauben” zu definieren, ungeheuer komplex ist. Zu glauben ist eines der am meisten missverstandenen mentalen Werkzeuge und wurde von den religiösen Institutionen gekapert. Die nicht-religiösen Menschen glauben ebenfalls, nennen es aber Theorie oder Weltanschauung und manche davon haben, mit etwas Glück, ein wenig mehr Spielraum als die blindfremdgläubigen Gläubigen. Das ist eventuell der Beginn der Philosophie…

  16. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Eric

    Ich begrüßte es sehr, wenn Du nochmal was dazu schriebest. (Ist ja auch schon eine ganze Menge da.)

    Lass Dich von der Komplexität der Sache nicht abschrecken.

    Einfach loslegen.

    Solltest Du dann merken (meinen), dass das Geschaffene noch nicht das taugt, was Du Dir vorstellst, dann lege es einfach mal in ein Eck.

    Es wird dann schon zu Dir zurückkommen und Dich bitten, weiterzumachen.

    (Vielleicht ist die Sache auch gar nicht so kompliziert, wie Du jetzt noch denkst. Manchmal ist es auf einmal viel einfacher, sobald man sich wirklich dranmacht. Vor allem natürlich, wenn man vorher im Grunde schon alles hin und her bedacht hat.)

    LG

  17. Dude sagt:

    @Magnus & Lesezeichen

    Sorry, ich finde keine Zeit mehr auf all diese Punkte einzugehen. Das würde Stunden verbraten. Da ich darüber schon unzählige Male geschrieben habe, und es Leid bin, es immer wieder neu zu schreiben, verweise ich mal auf einen sehr alten Beitrag von mir.

    http://www.mysticalforum.ch/viewtopic.php?f=29&t=10666&p=107911#p107911 & ff.

  18. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Dein Text, auf den Du verlinktest – danke! – ist eine inzwischen relativ gängige, doch in diesem Sinne allemal lobenswert gut und konzis gefasste synkretistische Darstellung des Gottproblems. (Du schreibst glücklicherweise nicht gleich dreißig Bücher darüber. Die läse ich nie.)

    Ich will jetzt gar nicht näher auf die Probleme der (Re-)Inkarnationslehre eingehen, auch nicht nochmal die Frage nach dem Entstandensein des ersten Es aufwerfen, sondern lediglich anmerken, dass ich nicht nur viele Gründe und Erfahrungen wider diese Erklärungsform setzen könnte, sondern mich daran besonders stört, wie sie alles und jeden in einer Art kosmischen Einses letztlich relativiert.

    Hiemit letztlich unerheblich, gleichgültig macht.

    Ein solches Denken bzw. Glauben untergräbt meines Erachtens den Willen und die Schaffenskraft, die geistige Freiheit zumal, ist daher für mich nicht akzeptabel.

    Ich wollte darüber ohnehin nochmal gesondert schreiben, umso besser aber, da ich schon ein paar Stichworte dazu notiert hatte, dass die Erinnerung daran dergestalt erfolgt ist.

    (Neue Favoriten habe ich übrigens inzwischen: auch dahingehend hast Du mir sinnigerweise erinnernde Meldung gegeben.)

    LG

  19. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Um es hier schon ein wenig anklingen zu lassen, da die Gelegenheit es beitreibt: Eine solche oder ähnliche Darstellung wie die Deinige ist seit einigen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, bei vielen Leuten in Mode, die sich zur Sicherheit immer noch auf “Gott” beziehen wollen, drunter und drumherum aber gleichzeitig Platz für jede philosophische Beliebigkeit und zumal für die sich darausher ergebende großverständige Verantwortungslosigkeit.

    Jeder labert irgendwie rum, aber das macht im Grunde nichts, denn er entstammt ja auch der göttlichen Quelle.

    Dazu lässt sich gut guter oder auch schlechter Schnaps saufen.

    Das ist geistiger Hedonismus.

    Der übrigens, in dieser Form, was wunder, besonders häufig bei Kinderlosen zu gewahren ist.

    Das soll jetzt kein persönlicher Angriff sein: Aber bei vielen von denen wird alles erst dann relevant (oder noch weniger, denn jetzt geht’s erst recht um ihrs), wenn ihnen selbst ein Bein fehlt, oder, vielleicht gelinder, die 15 Jahre lang kompatible Tante nicht mehr will.

    Vorher ist alles halt so und “der göttlichen Quelle” entsprungen.

    Dass sie (es sind zumeist Männer) dabei in ihrem Hagestolzentum dann mit zunehmendem Alter auch noch oft immer wunderlicher, pingeliger, kleinlicher und unleidiger werden, sobald etwas ihren Weg kreuzt, das da nicht hingehört, verwundert erst recht nicht im geringsten.

    Dass sie anderen, die Kinder haben, die sichersten besten Ratschläge zu wissen vermeinen, selbstverständlich nicht minder.

    Philosophische Fragen gelten nicht Gott, sondern der Weisheit.

    Und derer Antworten bedürfen wir hier, und nicht erst dort hinten oben unten sonstwo überwo erstwoselbst, wenn wir wieder dahingefahren sind.

    Oder eben auch nicht.

  20. Dude sagt:

    @Magnus

    Ja, ich weiss worauf Du hinaus willst. Aber beachte, dass ich den Text vor etwa vier Jahren geschrieben habe, und er eigentlich schon längstens ein Update bedürfte. Nur ist diese unleidige Vergänglichkeit dauernd hinter mir her, und immer dann, wenn ich ohnehin schon in der Arbeit ersaufe, kommen auch noch immer auf allen Seiten Romane, die eigentlich detailliert zu beantworten wären, auf mich zu.

    Das geht dann aber natürlich nicht, oder nur bedingt, weil die Tage ja keine 50, sondern nur 24 Stunden haben. Tja.

    Ps. Danke fürs Update – hatte es bereits vor Deinem Kommentar gesehen. Auch perfektes Timing… *lol* :)

  21. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Lass Dir Zeit. Ich weiß, dass Du nicht weniger schaffst und machst, als ich.

    Wollte ohnehin, wie schon gesagt, zur Reinkarnationslehre noch was verfassen, davon auch manches von oben einbauen, dauert vielleicht noch ein bisschen, und dann haben wir einen gründlich neu aufgebauten Strang.

    Nur die Ruhe.

    Beste Wünsche

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