Menschenfresser auf “Wolke Neun” (II)

Ich habe es jetzt doch noch nicht in die Horizontale geschafft.

“Cloud Nine” heißt wohl auch “Ivory Wave”.

Also nicht nur “Wolke Neun”, sondern zudem “Elfenbeinwelle”.

Da mag der Philolog in mir so einfach nicht ruhen.

Zunächst mal verwunderte mich die “Neun”. (Das erkläre ich jetzt aus guten Gründen nicht näher. Dazu möge sich der geneigte Leser in Zahlensymbolik und -mystik, wofern er das nicht schon ist, selbst kundig machen.)

“Welle” ist also klar wie “Wolke”.

Doch wofür steht “Elfenbein” bzw. “Ivory”?

Ich habe grade mal in einem meiner heiligsten Bücher nachgeschlagen. (Dem Shorter OED.)

Dort findet man den Weg nicht nur, wie zu erwarten, hin bis zum Sanskrit-Elephanten, sondern auch zum “Black Ivory”, dem Negersklaven, den Zähnen allgemein, speziell der Weißheit der menschlichen Haut, den Tasten des Klaviers, den Billiardkugeln, schließlich auch den Würfeln des Spiels.

Das mag alles wiederum nichts bedeuten, einfach zufällig sein.

Ich führe es aber gleichwohl an, um wenigstens den Nutzen zu erbringen, wieder einmal zu zeigen, was das Wörternachgraben dem Wissenwollenden so alles zutage zu fördern vermag.

Also: Spekulieren wir, den ersten grausen Schock verdaut, mal lustig los.

Setzen wir einfach mal die These, der Begriff sei mit Absicht gewählt.

Elephantenjagd, schwarze Sklaven, Weiße, Tontasten, Billiard- und Würfelspiel.

Die semantischen Gegensätze fallen sofort auf.

Schwarze Sklaven und Weiße muss nicht weiter erklärt werden.

Billiard- und Würfelspiel bilden die härtesten aller Kontradiktionen: hier absolute geforderte Präzision, Können pur, dort schlicht “Zufall”.

Elephantenjagd: einst ein lebensgefährliches Unterfangen, zum Behufe, einen ganzen afrikanischen Kral sattzumachen, heute der Feigsten und Abgefeimtesten aller dekadenten Weißen eitles Spiel.

Ich weiß, dass ich jetzt sachbezogen nur Blödsinn rede. Wahrscheinlich. Will aber, wie schon oben gesagt, anhand dieses Beispieles zeigen, wie vermeintlicher Blödsinn aufgebaut sein kann, ganz bewusst realiter, subliminal wirkend, vorsätzlich aufgebaut sein könnte.

Ich greife selbst zu derlei Mitteln, und zwar nicht selten.

Deshalb traue ich das auch anderen zu.

(Ich aber verstecke es nicht und leugne nicht, das zu tun: Ich bekenne mich, das kann keiner bestreiten, der hier öfter und aufmerksam gelesen hat, auf allen Ebenen zur Sprachwissenschaft und Dichtkunst. Wo man so wollte, könnte man sagen, dass ich offen betriege. – Zu “Elfenbein” auf Deutsch habe ich noch nicht einmal was gesagt.)

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