Deutschland! – So wird Pflicht zur Kür

Ich werde mir nachher, nach meinem endlich verdienten Mittagsschlafe, das Spiel der Restdeutschen anschauen und zumal anhören.

Nicht direkt der Restdeutschen, oder viel weniger, derer, die da solcherart zu kicken sich anschicken wegen, sondern vielmehr des Mienenspiels, der Gesten und Gebärden halber, des Gefluches, Gejubles und Geschreis meiner ernsthaften Mitzuschauer.

Das wird mir ohne weiteres den Preis von einem bis drei Kneipenbieren wert sein.

So viel Investition muss der selbstständige Philosoph schon bringen.

Denn nimmermehr gewahrt man des gemeinen Volks unmittelbarer, denn bei einer Fußballwelt- oder Europameisterschaft.

Insofern ist das für mich ein Pflichttermin. (Mein Selbstmitleiden darob hält sich in derzeitigen deutschen Grenzen. Ich werde ihn, obschon Pflicht, jederenfalls zu genießen trachten.)

Diesen zu versäumen, wäre wie als ob der Schnitter im August nicht am besten Sonnentage ausrückte, Sense gut gewatzt, Schleifstein, Brotzeit und guts Mostes dabei.

Ich werde so oder so gewinnen. Ob Sieg, Niederlage oder Remis.

So wird Pflicht zur Kür.

Ich wünsche den ballführenden Restdeutschen natürlich trotzdem alles Gute.

Und juble gerne mit, wofern sie auf anständige Weise gewinnen.

Und juble gerne mit, wofern sie auf anständige Weise gewinnen.

Und juble…

(Nachtrag, kurz vor dem hoffentlichen Doch-Noch-Bettgang: Ich war selber mal ein Spitzensportler, wenn auch nur in meiner Jugend und nur im geldirrelevanten Hockey, hätte es aber gleichwohl und erst recht niemals ertragen, ein Spiel unsauber gewonnen zu haben. Der faule Geschmack eines solchen Sieges hätte mich nie verlassen. Das mag mir glauben, wer das möchte. Der echte Sportsgeist hat nämlich, dafür sei den Engländern, die den Begriff prägten, deutschstämmiger Rückdank, etwas Heiliges. Mehr davon, mindestens, als die zwerche, weitestgehend unsportliche Bibel. Ende der vorschläflichen Predigt.)

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2 Antworten zu “Deutschland! – So wird Pflicht zur Kür”

  1. Dude sagt:

    Panem et Circenses!

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Wie als ob sich doch einemal eine Jungfrau einen Stachel zur sinnigen Stelle gewunscht.

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