Kübelkrieg

Gestern meldete mir mein Virernschutzprogramm artig, dass mein Rechner vor dem Schadprogramm “Flame” bestens geschützt sei. Das hat mich umso mehr beruhigt, alsda an meinem Kübel keine Atomkraftwerkskühlung dranhängt und ich sowieso nicht so bescheuert wäre, irgendwas, was irgendeiner mit Sicherheit nicht wissen soll, auf meinem angeleinten Datenhuber abzuspeichern.

Außerdem ist man als Philosoph ohnehin perfekt “geschützt”: Man kann nämlich gar nichts wissen, was da draußen auch nur eine Cyberkriegssau interessiert. Weisheit ist denen so gut wie Scheißheit.

Über moderne Artillerie z.B. weiß ich nur, was jeder Schulbub weiß oder der Ficki hergibt. Meine Eins in Chemie in der Elften ist lange verjährt, so dass ich auch keine Ahnung von Spezialsprengstoffen habe, meine letzte Eins in Physik, wo es mal um den Hangabtrieb oder schiefe Würfe ging, datiert noch weiter zurück, so dass ich auch über U-Boote fast nur sagen kann, dass die Dinger unter Wasser fahren können und wohl meist ein Periskop und einen Schnorchel haben.

Und bezüglich Computern bin ich glücklicherweise noch ahnungsloser.

Lediglich, dass diese Elektrokästen manchmal unerklärlicherweise nicht so funktionieren, wie sie das sollten, ist mir bekannt. Ansonsten habe ich mir im Laufe der Jahre von Experten allerlei abenteuerliche Geschichten angehört, was wann warum wo wie sei, ohne diese auf ihren möglichen Wahrheitsgehalt hin ernstlich prüfen zu können. Zumal der eine Cyber-Supermann das erzählt, worüber sich der nächste nur scheppelich lacht.

Gut, der Ex-Verteidigungsminister kannte wohl zumindest einen, der, ebenso wie ich inzwischen, die Befehle Strg A, Strg C und Strg V anzuwenden in der Lage war, doch habe ich dem seine Doktorarbeit nicht abgekupfert, doch denke ich trotzdem nicht, dass ich darüber zum bedenklich gefährlichen Geheimnisträger mutiert bin.

Mein Wortschatz, den man mir vielleicht abzuschakalen trachten könnte, ist zwar wohl etwas größer (zumal im Deutschen), als jener selbst der meisten deutlich überdurchschnittlichen pentagonesischen Beuteltierbitbastler, aber da die immer noch weit davon entfernt sind, etwas damit anzufangen, was über ein unzuverlässiges Rechtschreibprogramm oder eine Schwachsinnsübersetzungsschleife, für die jeder Mittelschüler der Siebten die Jacke sich voller Sechsen hängen dürfte, hinauskommt, mögen die und andere, zumal bei den Suchmaschinen, zwar schon mächtig am Analysieren sein, was ich indes trotzdem nicht für bedenklich halte, da sie ja nichts mehr abzuschakalen und zu analysieren haben, wenn sie mich nicht mehr schreiben lassen bzw. mein Kübel streikt.

Und auf den Aufwand, vom Nachbarhaus aus mit Spezialmikrofonen das Füllerkratzen auf dem Papier so abzuhören, dass es taugt, haben die schließlich auch keine gesteigerten Riesenböcke.

Es sind, sozusagen, “savant idiots”. Also Leute, die praktisch alles wissen, aber nichts davon kapieren. Jedenfalls wenig.

Denn ihre lächerlichen Maschinchen arbeiten ja noch im Quadrillionenbereich.

Ich schaue jetzt (vor diesem Satz) mal nach unten, wo mein Kübelein (vor der Nachkorrektur und Ergänzung) 420 in diesem Text bis jetzt verbratene Wörter anzeigt. Bei einem eher niedrig angesetzten Wortschatz von 50 000 Lexemen ergibt das 50 000 hoch 420 Möglichkeiten, allein auf dieser Ebene. Dabei ist der mögliche sinnstiftende, semantisch differenzierende Einsatz von Satz- und Sonderzeichen noch gar nicht eingerechnet, von Neologismen mal ganz zu schweigen.

Ich will jetzt zu keinem genauer trefflichen Überschlag ausholen, wie lange die selbst mit ihren Helferlein der übernächsten Generation, wofern sie alle auf Terra verfügbaren zusammenschalteten, rechnen müssten, um sich ein ungefähres Bild zu erwuchten. 10 hoch 100 Jahre jedenfalls mindestens. Also, dass sie nach vielleicht einer Trilliarde Göllerscher Reinkarantionen einen Essay von mir meinen werden, “geknackt” (ja, nicht “gekanakt”!) zu haben.

Was sie allerdings sicherlich schon können, ist einen Satz wie “Obama erschießt Osama” erfassen. Mit der Tücke hinter der Sache allerdings, dass sich der Schreiber ja vertippt haben könnte. Also der Falsche den Richtigen erschossen hätte.

Dabei bezweifele ich allerdings nicht, dass Google und damit die NSA (die selbstverständlich auch noch eigene Spezialabteilungen unterhält) und noch ein Verein, den ich aus Pietätsgründen jetzt nicht nenne, bereits über ziemlich ausgereifte Abfisch- und Abgleichsmodule bzw. -methoden verfügen, sowie, selbstverständlich, dass es ihnen nicht mehr an Speicherkapazität dafür mangelt, diesen wie alle anderen ins Weltnetz geblasenen Texte formal zu verhaften. Soherum benötigen sie ja mal grade ein paar Kilobyte je Gestammel.

So herum ist dieser Text nicht einmal, analog betrachtet, ein Basentriplett in einem bitfälligen Mitochondrium auf einem Mammutfriedhof.

Fazit: Wir Philosophen haben nicht den geringsten Anlass, uns von den Elektrokastern verrückt machen zu lassen.

Von der E-Techne her können wir sie zwar nicht aufhalten.

Und sie werden noch eine Menge üblen Unfugs anrichten, zweifellos.

Unsere Welt aber ist und bleibt ihnen wenigstens auf sehr lange hermetisch verschlossen.

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