Der Königin Rüge

Heute morgen bestellte mich die Königin ein und tadelte mich schwer.

Sie meinte, ich versähe meinen Dienst zwar zweifellos stets mit höchster Hingabe, lasse aber dabei immer wieder den nötigen feierlichen Ernst gerade dann vermissen, wenn es auf ebendiesen besonders ankomme.

Sie ließ es auch nicht gelten, als ich erwiderte, dass doch jeder Hof eines Narren bedürfe. Sie meinte, dass der königliche Stallmeister ja nicht auch noch dauernd vermeinen könne, nebenher den Narren zu geben.

Mein darauffolgendes Gesuch, die Stallmeisterei abzugeben und stattdessen Narr im Hauptbehufe zu werden, lehnte sie brüsk ab.

Was ich mir denn einbildete, meinte sie, all ihre edlen Rösser vernachlässigen zu wollen, allein, um meiner Spaßsucht zu frönen?

Und, ich möchte ihr sofort, sauberst gestriegelt, ihren Lieblingshengst, den Substantiv, sowie ihre Lieblingsstute, die Verbin, botmäßigst vorführen, auf dass sie genauer zu inspizieren vermöge, ob es den Tieren nicht an Pflege mangele.

Sie können sich wohl denken, dass ich einen mittleren Schweißausbruch bekam.

Denn in der Tat war ich die letzten Tage vergleichsweis zu häufig auf Adjektiv ausgeritten, hatte Konjunktion liebkosend mit der Hand gefüttert (die Sterne hatten mir wohl mal wieder einen Streich gespielt), mit Präposition herumgetollt, gar mit Interjektion zu viel Zeit vertändelt.

So gelobte ich denn demütigst Besserung.

Denn ihr Gemahl, Gott, stand mit gerunzelter Stirne daneben und sagte gar nichts.

Er spricht zwar ohnehin nie viel, aber wenn er die Stirne runzelt, während sein Weib redet, ist Schluss mit lustig.

So machte ich mich denn gar schnelle fort in die Stallungen, des Heus genauestens zu prüfen (es darf nur feinstverlesenes Runenheu sein), der Koppeln zu warten, Schabracken zu flicken und lüften, Hufstaben auf Losheit zu untersuchen, Schweife zu kämmen, und was dergleichen mehr von einem königlichen Stallmeister zu tun.

Ich wagte ihr nicht mehr zu entgegnen, dass der Posten des Hofnarren doch seit über fünnefzig Jahren vakant sei, mich darob nochmals ernstlich dafür zu empfehlen.

Aber ich weiß, was ich will, und ich gebe nicht auf.

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