“Ausgewogenheit” – ?

Vorhin sagte mir jemand, dessen Urteil ansonsten für mich zählt, es gehe ja bei allem Schreiben (selbst meinem und gerade bei jenem) um “Ausgewogenheit”.

Er meinte es zweifelos gut mit mir.

Sein Ding war, knapp gesagt, dass man doch besser auf jeden Artikel hin, der hart sei, auch mal wieder einen bringen solle, der die Gemüter besänftigt, zeigt, dass man kein totales Monster sei.

Der Gedanke ist nachvollziehbar, augenscheinlich nicht verkehrt: aber eben doch grundverkehrt.

Denn letztlich läuft er darauf hinaus, dass man – nein, den “man” kenne ich nicht, und es war ja auch ich gemeint – sich immer wieder beim Es anbiedern müsse.

Also zwischendrein gezuckerte Wattebäuschchen verteilen, auf dass man dann mal wieder sein klein Knittelchen auspacken könne, ohne dass man als manischer Dauerstinksiefel auffiele.

So funktioniert Philosophie nicht.

Ja, ich zeige meinen Lesern auch gerne mal, wie lieb ich sein kann. Ganz einfach deshalb, weil ich auch gerne mal lieb bin und allgemein fürs Liebe bin und eigentlich sowieso nur lieb.

Ich schreibe Liebes aber nicht, um sozusagen Abbitte fürs notwendige Harte zu leisten.

Damit ich dann, ausgewogen, wieder Hartes sagen dürfe.

Auf diesem Wege wird das Wort “Augewogenheit” zu einem Synonym für die Leisetreterei des Minden, der sich noch nicht einmal selbst bis zum Hundsbrunzer traut. Nietzsche hätte bloß gelacht.

Möchte ich jetzt noch, außer “ausgewogen”, auch noch “tolerant” (alles duldend), “weltoffen” (jeden enddumm Salafistierten begrüßend), “modern” (also bestenfalls mittelmäßig) werden?

Das wird mir nicht passieren. Ich habe nämlich noch tiefer ins Wort als je ins Glas geschaut. (Nicht, dass ich in Letzterem immer nur faul gewesen wäre. Ich weiß sogar heute noch, wie man ein Achtele trinkt und darob nicht sofort vom Stuhle fällt.)

Putzig an der Sache ist, dass man vorhält, ich schadete meinen (berechtigten) Sachen ja, indem ich sie allzu deutsch und deutlich vorbrächte. Zu wenig homöopatisch verabreichte ich meine unwitzhaften Dosen. Das vertrüge der moderne Mensch nunmal nicht, so manövrierte ich mich nur ins Abseits, diskreditierte meine Thesen.

Auf diesen Leim krieche ich nicht.

Thesen sollen also dadurch diskreditiert sein, werden, dass man sie direkt und klar aufstellt und darlegt?

Diesen armen Tierchen könne man nur zum Schummerlichte verhelfen, indem man, alle eventuell oder professionell Beleidigten stets im sorgsamen Blicke habend, ein bisschen schleimt und kriecht und salbadert, damit keiner merkt, dann irgendwie graduell doch merken möge, was man zu sagen hat?

Hier kommen wir zu dem Mechanismus, der darüber funktioniert, dass inzwischen fast alle den Rest für so feige halten wie sich selbst.

“Ja, heimlich wird dir ja mancher zustimmen, aber so hart, direkt und grob, wie du das machst, am Ende offen keiner!”

Es ist mir scheißegal, ob sich keiner mehr traut, mir offen zuzustimmen. Mag er sich in seinem Esoklub den Rest seines Arsches reiben. Er wird es ohnehin nicht einmal mehr bis zu einem Stinken bringen, dass das auch nur einer seiner Mitdécandents noch röche.

Während die halbe Welt vom letzten menschenmöglichen Gesindel angebrannt wird, soll ausgerechnet ich in meinen Texten “Ausgewogenheit” zeigen?

Haha.

Hat man mir noch schlechtere Witze auf Lager?

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2 Antworten zu ““Ausgewogenheit” – ?”

  1. ich sagt:

    Dein Problem ist, nicht die Tatsache, dass du dir Gedanken über gewisse Dinge machst und versuchst sie zu ergründen, ja vielleicht auch dir selbst zu erklären. Dein Problem ist es, dass du dann deine Meinung der restlichen Gesellschaft rüber bringen willst, indem du den Rest meistens beleidigst.
    Es gibt durchaus gute Gründe für einige deiner Argumentationen aber du bist nicht der Einzige, der sich Gedanken über das Umgebende machst. Jeder hat einen eigenen Kopf und versucht die Welt zu verstehen.

    Mag sein, dass in deinen Augen viele auf dem falschen Dampfer sind. Aber ganz ehrlich, du hast auch nicht die alleserklärende Antwort. Du reflektierst nur dein Gedankengut. Mag sein, dass du Recht hast aber kann auch sein das du total am falschen Ende stehst.

    Es ist ein wenig, wie diese blöde Aussage: Beweise dass es einen Gott gibt, gibt es nicht aber das Gegenteil auch nicht.

    Nun gut, Jeder hat seine Argumente aber muss man sich deswegen immer gleich beleidigen?
    Sauer darüber zu sein, dass nicht Jeder deiner Ansicht ist, ist ein wenig wie das beleidigte Kind im Kindergarten zu spielen. Es zeugt aber nicht von einem festen, gut ergründeten Standpunkt.

    Es gibt mit Sicherheit einen Grund, dass viele Menschen, egal ob gebildet oder nicht, immer noch an etwas glauben möchten, was deiner Weltanschauung nicht entspricht.

    Ob sie sich dann Hilfe im Krankheitsfall erhoffen oder auch nur Mut zusprechen, weil sie nicht in Ihrem Elend alleine sein wollen. Oder einfach nur weil sie es so wollen, weil es Ihrem Leben einen Sinn gibt.

    Ich muss ehrlich sagen, ich habe nichts gegen Menschen, die an einen Gott glauben oder an was auch immer. Ich bin eher gegen Die, die es ausnutzen um Menschen zu Taten zu bewegen, die man einem Lebenden nicht anmaßen möchte. Das dann immer mit einer Ansicht der Dinge, die keine andere Meinung darüber zulässt.
    So wie du halt keine andere Meinung zulässt. Du rufst dann zwar nicht unbedingt zu Mord und Todschlag auf aber du beleidigst halt und überzeugst nicht mit der Stärke der Argumente. Zudem würdest du nie eine Niederlage zugeben, selbst wenn Andere durchaus eine sinnvolle Erklärung haben, zu gewissen Dingen die du halt anders siehst.

    Immer getreu dem Motto, es kann nichts geben was ich nicht erfassen oder sehen kann. Und Jeder der da anders ist als ich, ist ein bekloppter Idiot ohne ein wenig Gehirn in seiner lehren Halsabdeckung.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ ich

    Danke für Deinen Beitrag.

    Es ist gut, wenn Leute wie Du erstmal beleidigt sind.

    Denn danach möchten sie doch das zielführende Denken anfangen.

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