Aufrechte Diplomatie?

Über die Frage, ab wann Diplomatie zu einer Maske der Feigheit werde, hätte ich mich gerne mal mit Konfuzius unterhalten. Sie treibt mich nämlich schon lange um, und ich hätte gerne die Meinung des weisen Chinesen dazu gehört (ansonsten natürlich Cervantes und Nietzsche gefragt).

Wie viel Wahrheit (hier im Sinne der eigenen Sichtweise bezüglich einer Sache gemeint) darf man “abmildern”, weglassen, gar unterschlagen, “nur” um des Brückenschlages willen?

Ab welchem Punkte korrumpiert man sich, wird man letztlich gar zum Verräter, indem man Konfliktives zu entschärfen trachtet?

(Für Leute, die die abendländische Astrologie ernstnehmen, füge ich erläuternd an, dass ich – wenigstens erklärte es sich auf dieser Ebene im Sinne jener einigermaßen – als Waage mit Aszendent Löwe und einer Pluto-Uranus-Konjunktion im ersten Haus diesbezüglich, was sich auch in meiner Lebenswirklichkeit, ob nun Zufall oder nicht, häufig zeigte, nicht selten mal bei “den Guten”, mal bei “den Bösen” lande, indem mal der ausgleichende, mal der Aspekt der Deutlichkeit in den Vordergrund tritt. Verbale Gewitter nicht ausgeschlossen.)

Sicherlich gibt es zur Lösung dieser Frage kein Patentrezept. Aber auch hier Wegmarken.

So stehe ich, nur als Beispiel (meine Familie lasse ich jetzt mal außen vor), seit geraumer Zeit zwischen zwei Freunden, die sich vor Jahren entzweiten, neige mal zu jener, dann wieder zur anderen Seite, denke mir dabei immer wieder, dass ich mein Fähnchen doch zu sehr in den jeweiligen Wind hängte.

Irgendwie haben beide recht, und dann auch wieder nicht. Eine wirkliche Mitte zu finden und zu halten fällt schwer. Nicht, weil ich völlig auf den Kopf oder gar noch auf den Mund gefallen wäre, sondern weil beide keine Blödmänner sind, jeweils jeder seine Sache meist gut begründet anführt. (Sie sind sich zum Glück nicht wirklich feind geworden, aber die Scharten sind da wie dort nicht ausgewatzt.)

So habe ich mich öfter dabei ertappt, der einen oder anderen Seite wohl doch zu weit nachgegeben zu haben, damit hüben wie drüben, streng betrachtet, doch irgendwie illoyal, gar unwahrhaftig geworden zu sein, was an mir manchesmal nagte, da ich so etwas nicht einmal an mir selbst leiden kann.

Die einfachste Lösung bestünde natürlich darin, über jeweilige Dinge, den je anderen nicht mehr zu reden, denn so entkäme ich dieser Bredouille: Das ist aber aufgrund gewichtiger gemeinsamer Themen und Interessens- und Tätigkeitsgebiete schlicht nicht möglich, wenigstens nicht sinnreich.

Man wird sich dahingehend wohl immer beobachten, fragen, prüfen müssen.

Sollte sich unter Ihnen, liebe Leser, eine geglückte Reinkarnation des Meisters aus dem alten China befinden, oder einfach ein sowieso Kluger, der weiterführenden Rats weiß, so wäre das was.

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Eine Antwort zu “Aufrechte Diplomatie?”

  1. Infoliner sagt:

    Kein Wunder, daß bisher keiner etwas dazu schrieb. Könnte es sein, daß Gespräche mit den beiden Delinquenten so lange unproblematisch sind, wie Du Dich nicht emotional von Dir selbst weg- und zu einer der Seiten hinbewegst? Das wäre dann eine schöne Übung, denn gerne lasse auch ich mich hin und wieder auf im ersten Augenblick konsistent erscheinende Argumente ein und schwimme darauf weg von dem mühsamen (aber lohnenswerten) Geschäft, ewig als eigener Herr zu bestehen.

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