Von der Jesusmanie

Die Jesusmanie ist allenthalben virulent und oft unerträglich.

Bald jedes Thema, wenn es sich nicht gerade um Wäscheklammern dreht, wird ihrer im Handumdrehen Opfer.

Da diese Seite “unzensiert” im Namen führt, will und werde ich die Jessasserei nicht von hier bannen: obschon ich manchmal schon Lust dazu hatte, ganz einfach zu sagen: Jetzt langt es. Bitte zum Thema, bitte zum Punkt, meinetwegen auch mit Jesus, wenn es halt nicht anders geht, aber eben bitte zum Punkt. Und nicht in eine geliehene Mission mit Fußkranken und Hirnschalen.

Selbst für diesen Jesus sollte ein Maß gelten. Nämlich jenes der Verhältnismäßigkeit und Redlichkeit.

Wer selbst noch dann, wenn ich über abgebrochene Zehennägel oder Subalaska referiere, reflexhaft mit dem Nazarener daherkommt, nervt irgendwann nur, bringt nichts zur Sache. Sollte sich mal benehmen lernen.

Ich ergehe mich darum jetzt mal in einer Drohung, die die meisten Leser nicht, aber andere doch interessieren mag: Wer Jesus nicht in einen sinnigen Zusammenhang zum Vorgetragenen zu bringen vermag, wird zwar, wenn im Rahmen des Grundgesetzes, weiterhin freigeschaltet, aber von mir nicht mehr, wie es ansonsten hier im Rahmen meiner Kräfte Usus, gegenkommentiert.

Irgendwann langweilt nämlich auch Jesus. Und zwar wohl nicht nur mich, sondern auch den großen Rest, der das so nicht braucht.

Ich bin nicht für Jesus auf der Welt. Es gibt tausende Netzseiten, die nur für IHN da sind. Hier bedarf er einer wirklichen inhaltlichen Berechtigung. Sonst ignoriere ich ihn fürderhin.

Jener Hebräer hat übrigens meines Wissens noch nie etwas für mich getan (ja, jetzt werde ich mal ein bisschen selbstisch: außerdem hat er mich noch nie sonderlich inspiriert), und von allen beliebigen Aspekten her brauche ich ihn auch nicht. Ich brauche auch Nietzsche noch immer nicht, um mir die Schuhe zu binden oder mir das Hinterteil zu wischen.

Letzteres erscheint jetzt hart, ist aber nur folgerichtig: Wenn er etwas getaugt hat, gehört er nicht in jedes und alles als Faktotum. Ich will, dass auch noch selber gedacht wird. Vielmehr, es ist der Grundbehuf dieses Blogs, solches zu fordern und zu befördern.

Jesus wird zu einer Ersatzfigur für ebenjenes, ebenjedes mangelnde Selbst gemacht. Der arme Kerl. Ob er das verdient hat?

Na, vielleicht schon. Darüber räsonniere ich jetzt aber nicht weiter.

Jesuskranke Christen vermag ich jedenfalls nicht zu achten. Wo der Verstand aushakt, ist meines Respektes nicht länger. Ich erheische Substanz, und kein spiritualistisches Ersatzgeschwätz, für freies, eigenes Denken.

Für allzuviele ist jener Jesus nur eine Projektion ihres gemöchteten Selbstes: Da stand einer! (Also ich selbst!) Da war einer! (Also ich selbst!) Da redete einer! (Also ich selbst!)

Wenn ich mir das anschaue, frage ich mich schon, abgesehen davon, dass ihn alle Überlieferung verfälscht haben mag, ob der Mann denn selber etwas getaugt habe. Wollte man ihn an seinen Früchten erkennen, so stünde das jedenfalls sehr im Zweifel.

Kurzum: Das Außerhalballerrelationstellen einer ungeklärten Legende, Überhalballerstellen jener, gegenüber erwiesenen Geistern, geht mir, mit Verlaub, als Philosoph gewaltig auf den Sack.

Wenn schon Jesus, dann bitte gut bedacht.

Des sinnlosen Geschwätzes ist mir seiner ganz sicher genung.

Irgendwann langweilt nämlich auch Jesus. Und zwar nicht nur mich, sondern auch den großen Rest, der das so nicht braucht.

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4 Antworten zu “Von der Jesusmanie”

  1. Eric sagt:

    Da habe ich doch passend zur Jesusmanie eine schöne Website gefunden. Allerdings wird dieses Wesen, das da spricht, den Jesusimmundeführenden nicht gefallen. Er sagt nämlich, dass der (gegebene) Namen Jesus nur von den “Dunklen” (Mächten) benutzt wird. Das würde zumindest erklären, warum er plötzlich so “in” ist…
    http://iamsananda.wordpress.com/

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Eric

    Ich habe mal in die von Dir verlinkte Seite reingestippt: Das Gesülze dieses selbsternannten Gottesgesandten ist in der Tat beispielhaft.

  3. tabascoman sagt:

    “Die Jesusmanie ist allenthalben virulent und oft unerträglich.

    Bald jedes Thema, wenn es sich nicht gerade um Wäscheklammern dreht, wird ihrer im Handumdrehen Opfer.”

    Wieso sollte Jesus vor Wäscheklammern halt machen,
    wenn Wäscheklammern auch nicht vor Jesus halte machen?

    Das Bild über Jesus & Wäscheklammern kann ich Ihnen leider nicht hier einfügen, das kommt per normaler Email

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ tabascoman

    Jesus hat sich seinen jährlich gewaschenen Lendenschurz wohl von Maria Magdalena fünf Minuten lang in den Wüstenwind seiner Heimat halten lassen und kannte von daher wahrscheinlich keine Wäscheklammerprobleme.

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