SPON: Schwaben zwischen Freud und Neid

Eben las ich auf SPON – mal wieder, wie so oft, unfreiwillig komisch – zum Thema “Weltfischbrötchentag” im Interview mit einem Experten (der wohl im Ernst Schuppius heißt) das:

SPON: “Was macht Ihrer Meinung nach ein gutes Fischbrötchen aus?”

Schuppius: “Das Brötchen muss knackig und der Fisch frisch sein.”

Da wäre ich küstenferner Schwabe nun wirklich nicht drauf gekommen.

Bei uns mag man – ob Karle Pfleiderer oder Klärle Hamballe – Brötchen traditionell nur, wenn sie lätschet sind und isst den Fisch frühestens dann, wenn einem davon ordentlich schlecht wird. Damit man wieder weiß, was man, wofern man den kommenden Freitag noch dankbar erlebt, von seinen abgeschmälzten Maultaschen hat.

So lassen wir denn auch beim neuen Mercedes immer erst die Luft aus den Reifen und das Öl ab. Wir wollen ja nicht, dass “dr Daimler koi Gschäfd meh hod”.

Und deshalb werden Sie auch nie einen anständigen Schwaben sehen, der sich die Schuhe bindet. “Dr Salamander mue jo au vo ebbes läba”.

In Stuttgart fahren auch alle Stadtbahnen (“Schdroßabahna”) rückwärts, damit sie es schneller bis in den Neckar schaffen.

Und mit dem Hamburger Wein gießen wir den Rosmarin, damit “s’Brombeergsälz nochher ed so fad schmeggd”.

Erst wenn wir den Bodensee vollends ausgesoffen haben, werden daher die Hanseaten an der Brandstwiete endlich ihre Ruhe vor Schwabylon haben.

Oder auch nicht. Denn dann ziehen wir gen Norden und schippen zuerst die Außenalster weg. Dann folgt die Nordsee.

Aber mal ganz im Ernst: Wir mögen die Fischbrötchenversteher von der Unterelbe kaum noch missen. Ohnsorgtheater täglich online. Zwar versucht inzwischen auch die FAZ, schräge Salafistenwitze zu machen, aber so köstlich wie jene vom Antigammelfisch-Spiegel sind sie halt doch selten.

Kaum noch einer bei uns liest Bild. Nichtmal auf dem Abtritt oder wenn er den Leberkäswecken draus auspackt. Denn die Zeiten, da man daran vergleichsweis gemessen noch sein Delektierchen haben konnte, sind lange vorbei.

Da lesen wir lieber, was Anne Will will, wenn sie zu ihrer Schwatzschau will und es doch mal wieder wundersamerweise rechtzeitig bis in ihren Sender schafft. Oder wie Augstein Junior sich darüber freut, dass jetzt endlich mal mehr Schulden gemacht werden können, damit der Euro so richtig juckelt. Oder wie der Praktikant von der Nachtschicht sich selber Fragen stellt, alswie ein Zitterrochen mit Klumpfuß und Schlammhirn, den es an den Strand der Alb verschlagen hat. Oder wie klein Hein als Chefredakteur davon brabbelt, dass Hamburg bald so kulturbereichert sein werde wie Mekka und Medina. Oder wie Maike Krampf-Karrensauer davon einherfilibustert, dass das Schanzenviertel umzubenennen sei, da der Name allzusehrsehr an die Kreuzzüge erinnere. Oder wie der Pförtner, der für den Praktikanten einspringen muss, gerne das “HH” (Hanselstadt Hamburch) auf den Mautonummernschildern loswäre, ebenso wie die Zahl 88, weil da die Kaufleute der Stadt inzwischen einmütig gegen sind. Oder davon, wie der Chef vom Dienst den letzten braunen Guppy im Konfernzzimmeraquarium eigenhändig ausgekäschert und zum Trocknen auf die Fensterbank gelegt hat. Oder von den Errungenschaften der Anrduschka von Labskaus im kommenden Dschungel von Grönland, die tragische Verdrängung der Eisbären durch Tapire minutiös-melodramatisch abhandelnd.

Ja, so haben wir täglich unser Luderens, müssen der größten Freude, die der zivilisierte Mensch kennt, nämlich andere für geistig noch flachländerischere unfreiwillige Farsifikanten zu halten, denn sich selbst, niemals entraten.

Bleibt nur, zugegeben, der Neid, dass man den Matjesfanten hier im Ländle das Feld also kampflos überlässt. Noch nicht einmal der dümmste Spätzlesrudi hier sein Auskommen findet, indem er sich ebenfalls auf Heringsseich spezialisiert. Wir sind diesbezüglich einfach ein Entwicklungsland: das muss mal so hart und in aller Deutlichkeit gesagt werden.

Für tapfere, fleißige Schwaben (Badenser werden bei Eignung auch angenommen!) biete ich dessenthalben einen neuen Kommunikationskurs an.

Einziges Lehrmittel: Der Spiegel. (Selbst mitzubringen.)

Das Lernziel besteht darin, nicht nur flacher zu werden als Walzglas, sondern damit auch noch genug Kohle zu machen, damit die Walzglasstraße geschürt werden kann und überdies – am schlimmsten ist, dass der Schwabe die nötige Arroganz aus Unwissenheit so gar nicht gerne lernen will – nicht nur der Kursleiter seinen Schnitt macht, sondern auch der Seminarteilnehmer später prächtig davon zu leben vermag.

Erst dann nämlich ist nach unten klariter gleichgezogen.

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