Schalwitz komm raus!

Ein Kartoffelchipproduzent dreht ein Werbefilmchen mit Rocker, Hippie, Lagerfeldverschnitt und einem etwas schrägen Inder, alle gespielt von Ashton Kutcher, und schon wieder dreht man im Netz durch, ob des Letzteren, von wegen Rassismus.

Inzwischen hat sich der Chef der Firma bei der ganzen Welt demütigst entschuldigt, den Clip zurückgezogen.

Einen kurzen Bericht dazu und das Video finden Sie hier.

Langsam aber sicher kommen wir an einen Punkt, wo man nur noch hellstweiße Trottel und Spinner persiflieren darf, da es in dem Falle keinen Rassismusvorwurf hageln kann. Und Frauen – außer blonden vielleicht noch – dürfen auch nicht mehr doof sein, weil das ja sexistisch wäre.

Eigentlich sollte man gar keine Witze mehr machen, die sich um einen nichtweißen Nichtmann herumgruppieren. Der sollte überdies kein Moslem oder Jude sein (jedenfalls dass man das erkennte), kein Hindu oder sonstwas, worüber man noch nicht lachen darf. Schalwitz, du bist umzingelt. (Ich entschuldige mich hiermit schonmal präventiv bei allen Schals, allen Kartoffelschalen und schalen Soßen.)

Ich meine aber, dass das unserer Kultur, deren humorigem Teil, nur einen gewaltigen Aufschwung bescheren kann. Endlich weiß der Witzekonsument von vornherein, was ihn erwartet: immer ein weißer, areligiöser (allenfalls Christ oder Heide) Heterodepp, der gerade vor seinem New Yorker Psychiater geflüchtet ist. Oder vor seiner Meersau. Um keine Berufsgruppe zu diskriminieren, ist er auch von seiner Profession her reinweißer Depp. Leider kann ich daran nur als Gagschreiber mitverdienen und nicht als weitaus besser bezahlter Mime. Denn ich bin zwar weiß und von Beruf Depp (Literat und Lehrer), kann aber mit meinen Narben im Gesicht nicht auftreten, da sonst alle Narbigen durchdrehen (scarophobes!) und die beauftragende Kompanie per Scheißesturm versenken. So gesehen bin ich auch ein Opfer.

Das macht mir aber nix, weil ich mich in Punkto weiße Heterodeppen, die nichts Anständiges gelernt haben, auskenne wie kein Zweiter. Habe ich mich doch mein Leben lang nicht nur mit mir selbst beschäftigt, sondern auch sonst weit überwiegend mit den Lächerlichkeiten weißer Heterodeppen (wenn einer von denen schwul war, hat er es gut genug kaschiert), also Leuten wie Heinrich von Kleist, Friedrich Schiller und Gerd Müller. Meine dahingehende Expertise steigt also im Werte täglich mehr, als selbst seltene Erden.

Vorhin haben schon Hollywwod und Bollywood angefragt. Ich soll eine Komödie schreiben, in der nur weiße Heterosimpel auftreten. Das wird ein Spaß!

Ich konnte meine Auftraggeber auch leicht davon überzeugen, dass alle Akteure mit einem deutschen Akzent auftreten, damit sich keine Nation beleidigt fühlen kann.

So tragen denn auch alle Pickelhauben, Seppelkappen, Michelschlafmützen, bayerische Bierbattelhüte. Man will ja auch auf den Köpfen keine Missverständnisse aufkommen lassen.

Ich finde es jedenfalls obersupi, dass bald nur noch die Witze zulässig sind, von denen ich mit Abstand am meisten verstehe.

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6 Antworten zu “Schalwitz komm raus!”

  1. Sundance sagt:

    –dass bald nur noch die Witze zulässig sind, von denen ich mit Abstand am meisten verstehe.–Zitat ende–
    Also neeee glaube ich dir nicht, obwohl ich dir eine dem Zeitgeist entsprechende Intelligenz (das mehr an Verstand) ohne Weiteres zugestehe !
    aber seh es ganz einfach mal so, wenn da oben keine Geschäfte mehr gemacht werden können, bricht insgesamt der Umsatz ein, also weniger; das versucht man nun dadurch auszugleichen für die Produktion weniger zu bezahlen, in der Hoffnung das die die jetzt weniger verdienen, den Scheiss auch noch kaufen , den sie eh nicht gebrauchen können.
    Was hat meine aussage jetzt mit rassismus zu tun ? eingentlich gar nichts, ausser, das Niemand mehr Produkte aus Israel kaufen sollte, weil das Wasser für das Gemüse, den Palestinensern als Trinkwasser entzogen wurde.

    Ich glaube die Welt fühlt sich bedroht durch den Israelischen Rassismus, warum tun die Amerikaner und die Russen sich so komisch im Raketenabwehrprogramm; die haben gemerkt das die Bedrohung von Israel ausgeht, und da muss man doch bisschen was gegen aufstellen.

    Ich frage mich manchmal nur, ob die ein Lineal gefressen haben oder der Teufel seinen Schwanz in ihrem Arsch geschoben hat.
    Von irgendwo muss Aufrichtigkeit ja kommen !

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Sundance

    Dein Deutsch ist schäbig. Nochmal geht das hier so nicht durch.

  3. electrocat7 sagt:

    Vielen Dank, dass Du den Post mit “Sch…esturm” getagged hast, statt des englischen Pendants, mit dem Jürgen, der Banause, Solches illustriert, denn wegen der Mehrdeutigkeit beleidigt er damit massiv ein segensreiches Produkt der sakralen Hanfpflanze. Diesem Fettnäpfchen bist Du erfreulicher- und klugerweise ausgewichen. Gut, Diarrhoe-Hurrikan oder Fäkaliensturm würde mehr der gehobenen Etikette entsprechen… Aber wenn man die PISA Misere bedenkt, bringt einfache Sprache wiederum deutliche Vorteile für den Schreiber und seine Sache.

    Hat “Leser Armin” Dir gegenüber eigentlich inzwischen ein Lebenszeichen von sich gegeben?

  4. TanjaKrienen sagt:

    Satiren beruhen zu 90% auf der überspitzten Darstellung eines Klischees. Man sollte sich einmal das – zugegeben – nach heutigen Comedy-Maßstäben nicht mehr ganz frische Werk “Der Partyschreck” mit Peter Sellers aus dem Jahre 1967 ansehen. Fast alle Gags basieren mehr oder weniger auf der indischen Herkunft der Hauptfigur, deren Hautfarbe ebenfalls “angepasst” wurde. Wie dem auch sei: man will die Benennung der Herkunft nicht, um zu verschleiern, wie weit sie schon fortschritt – http://www.blu-news.org/2012/04/29/die-seerosenregel-und-die-auserirdischen/

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ electrocat 7

    Ich habe von Armin nichts mehr gehört, und es ist auch bedenklich, was aus seiner Seite – conspirare.net – inzwischen geworden ist.

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ TanjaKrienen

    Das Problem hier ist ja nicht, dass ein paar Inder sich echauffiert haben, sondern, dass man so etwas inzwischen ernst nimmt.

    Der Deutsche z.B. wird – gerade in angelsächsischen Ländern – gerne als lauter, rotgesichtiger, bierbäuchichter Trottel mit Pickelhaube dargestellt, obwohl ich in der Realität zum letzten Mal einen mit so einem Teil auf der Rübe auf einem Jahrmarkt gesehen habe. Wer regt sich über so etwas auf?

    Als Inder – soweit ich mich in einen reinversetzen kann – wäre es mir auch nur peinlich, dass Landsleute so wenig Spaß verstehen.

    Das eigentlich Bedenkliche an “Skandalen” wie diesen ist aber, dass sich mit jedem weiteren ähnlichen Fall immer weniger Firmen, Konzeptioner und Künstler sich noch etwas trauen, die Angst wächst, die Schere im Kopf macht schnippschnapp.

    So werden wir mental immer mehr zu Duckmäusern gemacht, jederzeit kotaubereit, und es greifen zudem die Mechanismen, die Du in Deiner Satire auf blu-news.org beschreibst.

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