Blanke Blindfische

Ich bleibe dabei: Es gibt seit bald drei Generationen keine neue große Kunst mehr.

Das betrifft jeden, der es noch nicht zu ändern vermochte, aber um wieviel mehr jene, die sich dessen noch gar nicht bewusst sind. Sich noch gar keine Gedanken um die Implikationen der möglichen Tatsache gemacht. Noch nie darüber nachgedacht, warum dies so sein könnte.

Die Kunstszene ist diesbezüglich noch eine der blanksten Blindfische.

Selbst alte Hasen relativieren alles. Früher war es halt anders.

Es gibt Gründe dafür, weshalb wir seit bald drei Generationen keine große Kunst mehr haben.

Es gilt zunächst, sie herauszufinden.

 

 

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18 Antworten zu “Blanke Blindfische”

  1. Eric sagt:

    Wie wäre es mit Banksy?

    http://www.banksy.co.uk/

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Eric

    Bansky ist ganz lustig, aber nicht das, was uns fehlt.

  3. Lesezeichen sagt:

    Man sollte eben auf Leute hören, die etwas davon verstehen.

    Einer davon:

    Sir Ken Robinson “Do schools kill creativity?”

    http://www.youtube.com/watch?v=iG9CE55wbtY

    One of my favorites :)).

    Herzlichst

    das Lesezeichen

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Ab acht Minuten dreißig wird es wirklich spannend. Brilliant vorgetragen!

  5. Eric sagt:

    Was fehlt denn?

    Möglicherweise ist das Leben die neue Kunst!

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Eric

    Es fehlt das, was über den Tag, das Jahrzehnt, ein Leben hinausreicht.

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Man könnte auch sagen: Kaum griff die allgemeine Schulpflicht zur Edukation von Produktionsbürgern, gingen Kunst und Kreativität verreckt.

    Ein Grund ist gefunden.

  8. Lesezeichen sagt:

    Hallo Magnus,

    da ist etwas dran. Im Moment geht mir da ziemlich vieles durch den Kopf, auch und gerade wenn ich die aktuelle Betreuungsgelddebatte mitsamt den politisch verfälschten Berichten in Deutschland beobachte. Ach wenn sie es doch nur mit einem Hakenkreuz oder sonstigem Nazi-Etikett versehen könnten, dann wäre die Welt so heil, insbesondere der Journalisten und Politiker, die selbst so gar keine Kinder haben. Ich könnte darüber wirklich verzweifeln, wenn ich sehe, wie da eine unglaubliche Staatsgläubigkeit aufgebaut wird. Der Staat soll alles richten. Alles ist besser als Betreuung durch die eigenen Eltern. Das geht so weit, dass man den Kindern psychische Schäden andichtet, die ihnen widerfahren können, wenn sie zuhause betreut werden, bis sie mit 3 in den Kindergarten kommen. Die absurdesten Argumente kommen da zum Vorschein und alle beten es mantramäßig nach. Nicht eine Schlechtwetterzone legt sich über Deutschland, sondern eine riesige Beschwörungsformel.

    Man muss der Wahrheit ins Auge sehen und erkennen, dass die Genies, die Dichter und Denker Deutschlands nicht aus dem öffentlichen Bildungssystem stammen. Ken Robinson hat da völlig Recht mit seinem Hinweis, dass das Bildungssystem nicht nur aus der Zeit der Industrialisierung stammt, es ist auch exakt so konstruiert Vergleichbar mit einer Produktionsstraße in einem Fast-Food-System durchlaufen alle die gleichen Bänder, erhalten den gleichen Ketchup und Senf, das gleiche Salatblatt, den gleichen Fleischklops mal mit und mal ohne Käse, und hinterher das gleiche Einwickelpapier.

    Erschreckend!

    Bei so etwas kann keine individuelle Bildung entstehen, auch wenn man noch so oft umetikettiert. Bei Gammelfleisch wird so etwas bestraft, bei verrotteter Bildung nicht. Geistige Nahrung unterliegt offensichtlich keiner Haltbarkeitsprüfung.

    Kürzlich habe ich mal die Nobelpreisträger “Deutschlands” in den Naturwissenschaften, genauer gesagt Physik, überprüft. Sie haben fast alle ihre Nobelpreise in den USA bekommen, weil dort die Mittel für diese Forschungen zur Verfügung gestellt werden. Da taucht die berechtigte Frage auf, ob sie nicht eigentlich den Nobelpreis für die USA gewonnen haben? Die – meist älteren – Preisträger sind zu einer Zeit in Deutschland zur Schule gegangen, als man für alles, was nicht Volksschule war, noch Geld bezahlen musste. Bei meinem Vater war das übrigens auch noch so.

    Ich würde die sofortige Einführung der Bildungspflicht dringend befürworten. Eltern, die ihre Kinder in staatliche Schulen schicken wollen, werden ja nicht daran gehindert, aber für die anderen gäbe es mehr Freiraum.

    Sollten wir mal Enkel haben, dann werden rechtzeitig Schulfonds angelegt, damit echte Wahlfreiheit in der Bildungseinrichtung möglich wird.

    heute nachdenklich

    das Lesezeichen

  9. Eric sagt:

    Die Kunst des 20. Jahrhunderts war die Technik und neue Erkenntnisse wie die Relativitätsformel, die Quantenphysik und Ähnliches…

    Ich nehme an, dass jetzt etwas vollkommen Neues kommt, das ich als “Leben” bezeichnet habe. Eine andere Art zu leben, wie es noch nie gelbt wurde… Wissend sozusagen.

  10. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Eric

    Sage deutlich, wovon Du sprichst.

    Die Relativitätsformel ist keine Kunst. Sonst wäre der Satz des Pythagoras das auch. Und der steht schon länger.

  11. Eric sagt:

    Kunst ist und war in meinen Augen schon immer die Fähigkeit, unentdeckte Bewusstseinsaspekte – Fähigkeiten – des Menschen aufzudecken und darzustellen, meist in symbolischer Form, sei es als Gemälde, Poesie oder Prosa. Dieser Vorgang muss dem Künstler nicht einmal bewusst sein.

    Heute aber sind viele Menschen so weit, dass diese Bewusstseinsaspekte direkt gesehen werden könnten – natürlich nur wer will um sie zu leben, so dass die Erfahrungen eine Folge dieses Wissens sind. Das Leben wird gewissermaßen kunstvoll. Eine Hochkultur. Das sehe ich als Kunst des 21. Jahrhunderts.

    Und nein, nicht alle wollen daran teilhaben, sei es aus Angst oder sonstigen Interessen. Aber wie der von Dir so ungeliebte Goethe treffend sagte:

    “Die Menge schwankt im ungewissen Geist; dann strömt sie nach, wohin der Strom sie reißt.”

    Und ja, der “Satz des Pythagoras” ist eindeutig Kunst!

  12. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Eric

    Das Goethe-Zitat ist gut; ansonsten aber vermag ich Dir kaum zuzustimmen.

    Der Satz des Pythagoras ist keine Kunst, sondern beschreibt ein geometrisches Verhältnis. Die Eulersche Zahl ist auch keine Kunst, sondern die irrationale Zahl, die Konstante des natürlichen Logarithmus’. Auch der Goldene Schnitt ist keine Kunst, sondern das Streckenverhältnis im Pentagramm, zahlenmäßiges Ergebnis der sogenannten Fibonacci-Reihe, sowie von 1 plus Wurzel 5 geteilt durch 2. Sie sind sozusagen da, also nichts kreativ Menschengeschaffenes.

    Was die Kunst des 21. Jahrhunderts anlangt, als Hochkultur des kunstvollen Lebens, so sehe ich bislang wenig davon. Wer hat in den letzten sieben oder acht Jahrzehnten noch ein Buch geschrieben, das Jahrhunderte überstrahlt?

    Soll man den hedonistischen Firlefanz saturierter Selbstverwirklicher einschließlich seines neuen Heldenbildes, jenem eines neuen Dorian Grey, aber des Humors eines Oscar Wilde verlustig, als Kunst verorten? Als große Kunst gar?

    Man ist liberal. Laberal. Man schmiert altes Fett auf Schrott und deklariert es dem Publiko als Kunst. Ein anderer steckt sich in der Wiener U-Bahn eine Rübe in den After, kriechlings, und das ist auch – Kunst. Zehn Milliarden gefühlte Indigokinder nicht zu vergessen. Das Pfählen aller möglicher Körperteile dito. Dass man was über Proxy-Server meint zu wissen. Yoga macht. Kürbissuppe. Beim Worte spirituell nicht gleich an den nächsten Boonekamp denkt. Im Zirkus der Eitelkeiten. Als Panda, Knut, Tanzbär in der Unräterepublik.

    Nönö, das ist des Pöbels. Der schon in einer Art Matrix gefangen, aber nicht jener, dann doch auch wieder jener, der Gebrüder Wachowski. Der – ja, ich habe gewartet, kann es hier aber nicht auslassen – jetzt verzückt zu den “Piraten” rennt, sein Konsumententum als Hochseedrahtseilakt sich einzuverbilden. Handy an der Back’. Schoßhund Laptop, im Kühlschrank alter Joghurt. Jeder ein Wunder. Nicht an gutem Geselchtem, an Seich und Unsinn.

    Gut, es mag ja noch Dich und Lesezeichen und teils mich auch noch geben, die nicht ganz diesem Bilde vom modernen Seinsgroßkünstler entsprechen. Klar. Ich frage aber nach den Werken.

    Wenn Literatur und Tonkunst keine neuen Höhen mehr finden, muss der Geist abgeflacht sein. Darum geht es mir.

    Ich freue mich auf weiteren Widerspruch.

    Zuspruch wäre natürlich mindestens ebenso willkommen.

    LG

    Magnus

  13. Lesezeichen sagt:

    Und noch einmal Ken Robinson

    http://www.youtube.com/watch?v=r9LelXa3U_I

    Sein Buch “The Element” ist übrigens absolut lesenswert.

    Ich wünschte, es gäbe mehr von seiner Sorte.

    Noch zum Satz des Pythagoras:

    Für so manchen mag dieser Satz oder auch diverse andere sich wie ein Kunstwerk anfühlen, weil er sich die drängende Frage stellt:

    Was ist DAS denn????

    Herzlichst

    das Lesezeichen

  14. Eric sagt:

    Zustimmung bekommst Du von mir natürlich für Deine Beschreibung großer Teile der Bevölkerung in der sogenannten zivilisierten Welt. Für mich sind das aber keine Hedonisten, sondern eher Manisch-Depressive. Und das, was heutzutage als Kunst bezeichnet wird, wird von “Autoritäten” bestimmt, wie z.B. von Museumsdirektoren oder Ausstellungsmachern. Kein Wunder, was dabei herauskommt. Ich kenne mich zu wenig in Literatur und Musik aus, um mir eine Beurteilung zu erlauben. Aber mir scheint, dass auch da “Kritiker”, zumindest bei der Literatur, den Ton angeben.

    Keine Zustimmung natürlich beim Satz des Pythagoras und ähnlichen bahnbrechenden Entdeckungen. Ja, es war schon da. Alles ist schon da. Die Kunst ist es aber, diese Bewusstseinsaspekte wahrzunehmen – wahr zu nehmen – und sie in die gefühlte, erlebte Wirklichkeit zu bringen. Das ist der schöpferische Funke! Es ist egal, was jemand entdeckt, der Punkt, an dem seine Vorstellung, seine Fantasie, seine Theorie Wirklichkeit wird, ist die Kunst. Deshalb würde ich den Begriff Kunst nicht so eng an traditionelle Definitionen binden.

    Eine Minderheit, die selber denkt und selber schöpferisch tätig ist, wird die Zukunft bestimmen. Im Internet sind diese Menschen heute schon sehr stark vertreten. Es waren sowieso noch nie Mehrheiten, die irgend etwas verändert haben, sondern Individuen, oft sogar nur ein Individuum. Ich sehe allerdings, dass demnächst eine kritische Masse von Individuen den “Strom” bestimmt und diesmal zum Wohl aller. Das ist dann die von mir gewünschte und erwartete Hochkultur. Das kunstvolle Leben…

  15. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Eric

    Bisher sehe ich die von Dir gewünschte und erwartete Hochkultur nur sehr begrenzt ausbrechen; wäre allerdings sehr erfreulich, behieltest Du recht.

    Ich denke nicht, dass die Kunst nur bereits Seiendes vor Augen führt, sondern selbst originär schöpferisch sein kann. Wenn man so will, allem Seienden noch ein bislang Nichtseiendes hinzufügen.

    Hier kommen wir natürlich zur Betrachtung des Ganzen. Lesezeichen scheint ja, wie sie anhand des Satzes des Pythagoras andeutet, auch Deiner Sichtweise zuzuneigen. Die Welt als Gesamtkunstwerk des Einen (Schöpfers). Alle Kunst gesehen als Emanationen aus Einer Quelle.

    So mag es sein; ich habe keinen schlagenden Gegenbeweis; aber der Ansatz gefällt mir nicht. Denn dies System ist mir zu abgeschlossen, zu final. Wie als ob alles Seiende als unser ewiges Hamsterrädchen fertig geschaffen sei.

    Dawider spricht meine Wertschätzung des (binär abgeleiteten) I-Ging sowie des Runenfutharks (eher ternär, multidimensional abgeleitet) nicht im Mindesten, denn damit werden allgemeine funktionale Strukturen abgebildet, keineswegs jedoch wird die Welt darin als ein lediglich Entdeckbares, zu Wiederholendes eingegrenzt.

    Letztlich ist eine solche Weltsicht eine Form der impliziten Negation der schaffenden Erweiterung dessen, was schon alles sei. Eine, genau betrachtet, monadisch gegründete, im Letzten sehr statische Weltsicht.

    Die sich übrigens auch darin ausdrückt, dass heute viele sagen, es gäbe halt nichts Neues mehr in der Kunst, es sei alles schon dagewesen, letztlich immer dasselbe.

    Was ich sage, klingt hart, aber es dürfte logisch kaum zu widerlegen sein.

    So bleibe ich denn auch bei meiner Frage nach der Dekadenz der Kunst allem wie ausgeführt gegründeten Relativismus abhold.

  16. Eric sagt:

    “Die Welt als Gesamtkunstwerk des Einen (Schöpfers). Alle Kunst gesehen als Emanationen aus Einer Quelle.”

    Emanation aus dem Bewusstsein, ja. Aber nicht des “einen Schöpfers”, sondern als eine stetige Veränderung, abhängig von dem jeweiligen Wesen, das da lebt. Es scheint paradox zu sein, dass Alles schon existiert. Aber ich denke da eher an eine Art Blaupause, die als Wahrscheinlichkeit bereits vorhanden ist. Der schöpferische Akt des Menschen – oder irgendeines Wesens, der sich diese Wahrscheinlichkeit bewusst macht, ist aber deshalb nicht minder bedeutend.

    Vielleicht muss man dabei bedenken, dass die Zeit nur in Niedrigfrequenzbereichen gebraucht wird und dass es im Bewusstsein keine Zeit gibt, sondern alles im Jetzt existiert.

    Das heisst natürlich nicht, dass nichts Neues hinzugefügt werden kann… Es ist eben ein Paradoxon.

  17. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Eric

    Dein Kommentar ist zum Einrahmen.

    Auf einmal sind wir sehr dicht beeinander.

  18. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen & Eric

    Meinen Erwägungen in dieser unserer philosophischen Skatrunde will ich noch hinzufügen, dass mir eine Welt, wie ich sie von Dir, Eric, zunächst beschrieben wähnte, nicht nur nicht gefiele, sondern ihr auch, und wäre es Wirklichkeitsflucht, den Gehorsam verweigerte. Denn selbst, wenn ich für mich sicher wüsste, dass sie seit Jahrmilllionen so sei, bliebe für mich das Wörtchen noch.

    Und das Doch! Zeit! Du! Willst mir erzählen, was Du noch nicht gesehen? Na, dann haben wir ja Grund zum längeren Plausch darob! Wenn Du darüber nur nicht einschläfst!

    Ich mag es aber, wenn Du auch mal schläfst, mich alleine mit mir zu Rate gehen lässt, unser aller Kind.

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