Krieg den Künstlern?

Unter dem vielsagenden Titel “Lieber frei als gerecht” äußert sich ein Michael Seemann zum Urheberrecht im Internet auf SPON.

“Manche glauben, dass ich gegen das Urheberrecht argumentiere, weil ich es den Künstlern nicht gönne. Nein, ich gönne den Künstlern alles Geld dieser Welt. Aber vor die Frage gestellt: Urheberrecht oder freies Internet, zögere ich nicht lang.

Wenn die Piratenpartei sich nicht traut, fordere ich es eben: Schafft das Urheberrecht ab!” – also elegant schließt der Mann sein Plädoyer.

Soso, er gönnt uns gar alles Geld der Welt. So viel wollen wir gar nicht. Arbeiter und Fabrikanten und anständige Polizisten, Lehrer zumal, sollen ruhig auch noch etwas davon abbekommen.

Isses nicht drollig, wie da einer, der uns unsere (potentiellen) Einkommensquellen ersatzlos streichen will – denn von greifbarem Ersatz berichtet er nichts – derart großzügig als unser Gönner auftritt?

Will wohl heißen, dass er niemandem verbieten will, uns ein paar Kreuzer in die Kappe zu werfen. Und wer gerade seine Hasen geschlachtet hat, der mag uns gerne mal einen halben Schrumpelkohl und zwei Mohrrüben in die Künstlerrestetonne hinterm Marienplatz schmeißen, ohne dass sich der brave Bürger dafür schämen müsste. Auch gebrauchte lange Unterhosen nimmt man in Herbst besonders gern.

Solchen Heuchlern sind wir nichts als Leute, die ob ihrer wertlosen Erzeugnisse ganz zurecht obdachlos werden, auf den Status von Bettlern gebracht. Immerhin ist noch keine spezielle Bettelsteuer gefordert, brauchen wir noch keinen Künstlerbettelschein vom Ordnungsamt. Die anderen Bettler allerdings werden wenig begeistert sein, wenn sie so viel neue Konkurrenz kriegen.

Die Hübscheren von uns können natürlich auch auf den Künstlerstrich gehen (was die Altprofis wiederum nicht witzig finden werden), nach dem Motto, wer für ‘nen Hunni ein Bild kauft, darf auch noch einmal dazu. Wenn er es danach als Spende dalässt, darf er sogar schon für ‘nen Fuffi. Lukrativer und manchem vielleicht angenehmer als Betteln.

Bleiben noch Gaukler, Jeck, Straßenmaler, Straßenmusikant, Wanderpoet, Akrobat, Schuhputzer (nein, geht nicht, der würde ja arbeiten und nähme einen Lohn dafür), Spitzel, Flaschensammeln, die Reste von großzügigen Restaurants.

So lohnt sich für den Künstler, wo er nicht gerade ein Bühnenengagement hat, oder einen guten Kundenkreis für Originalbilder oder -skulpturen, nur noch die ephemere Possenreißerei, der Gassenwitz des Augenblicks, kein Tifteln an Höherem, Dauerhafterem, da es ihm die Welt noch nicht einmal im Falle größten Erfolges lohnt, höchstens bealmost.

Und wenn die Ausnutzergesellschaft dem Künstler dergestalt feind, wird auf nicht über lang auch der Künstler feindselig werden. Nicht jeder, aber viele.

Ja, ich gebe es zu: Ich habe es als Autor bisher nicht geschafft, ein Werk so gut zu verkaufen, dass es wirklich etwas abgeworfen hätte. Nach Stand der Dinge kann sich das aber jederzeit ändern. Und nur, weil es bisher noch nicht den großen kommerziellen Erfolg gebracht hat, weshalb sollte das bislang Geschaffene nicht einst eine Menge wert werden? Darf ich nicht wenigstens mehr darauf hoffen und setzen, dass tausende Stunden harter Arbeit, die durchaus auch in Werke mündeten, welche eine gewisse Wertschätzung erfuhren, irgendwann belohnt werden könnten? Selbst dann, wenn man oft nicht das schreibt, was die Masse hören will? Hieße also, bei geschasstem Urheberrecht, dass ich mich über eine wundersame Verbreitung meiner Werke freuen dürfte, aber grade noch, zum letzten Hohn und Possen, erst recht nichts dafür bekäme? Haben die ein Rad ab? Überhaupt noch eins dran?

Nein Ihr Lieben: Ich werde nicht mitbetteln (außer vielleicht mal als PR-Aktion, eine solche wäre jetzt schon angezeigt), erst recht nicht auf den Strich gehen, für Spezialisten, die auf haarige Monster stehen, aber den Zotenknaller von Stuttgart, einen sehr bösen Knilch, der den Leuten Sachen sagt, die schon lieber keiner mehr kopiert, oder wenn, egal, der Klingelbeutel ist voll, jenen des Wanderpoeten von der traurigen Gestalt, so dass es egal ist, wie viele Netzaffen das Originalspektakel leider versäumt haben, ja, den überlegte ich dann schonmal zu geben. Dreisprachig. Auf Schwäbisch, Deutsch und Englisch (macht es am Weltmarkt schwieriger, kostenlos für viele was rauszuholen und sich daran fettzumachen, hehe!).

Nebenher aber entstünde, im stillen Kämmerlein, wenn überhaupt an einem Rechner, dann an einem, der nur mich als Außenverbindung kennt, Tieferes, ein so Boshaftiges, dass der Autor, sobald er es in den Käfig voller Narren, der das Netz dann fast vollends ist, freisetzt, sich über jedes kostenlose Herunterladen diebisch freut, um wieviel mehr noch über jeden Scheißesturm, in dem die Empnerdten aller Länder wider das Abscheuliche aufblasen, ihres ärgsten Feindes, seines Werkes süchtig, delirant ausgeifernd, sich verausgabend, er sich daran labend, wie ihre Gierschlünder trief-gelbgallig zerzogen, Millionen Borgs, die in ihren Kuben rotieren, einer Sache halber, die irrelevant da ineffektiv sein müsste, dies merkwürdigerweise aber nicht ist, so dass alle Schaltkreise hyperindividuell verrückt spielen, bis die Königin bebt und platzt.

Macht Euch also auf etwas gefasst, Ihr lieben Gönner unser. Euch werden wir auch etwas gönnen.

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Eine Antwort zu “Krieg den Künstlern?”

  1. Urheber- und Künstlerrecht? Die wollen sogar die Gedanken der eigenen Piraten scannen.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/04/24/piraten-spinner-verlieren-ihre-unschuld/

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