Vom Vermissen und von Kindern

Nun sind meine Kinder weg. Zu ihrer Schwester. Genauer: ihrer Halbschwester.

Tagelang habe ich mich gefreut, “mal meine Ruhe zu haben”.

Doch kaum sind sie weg, so vermisse ich sie schon. Kommt mir in den Sinn, welches harte Wort ich in den letzten Tagen vielleicht nicht hätte so führen sollen. Denke an all die Nöte, von denen sie täglich umgeben.

Und ich denke auch daran, jetzt, da ich dies schreibe (was ich nicht sollte, schon klar, “echte Profis” sind immer cool), wiederum, was mir Leute, die keine Kinder haben, so alles erzählen, erzählt haben, wie man es richtig mache, welche klare Konsequenz zu führen sei, mittels welcher Methoden mehr oder weniger alles klappe, wie sie es, diese absoluten Experten, viel besser machten, hätten sie meine Krabben.

Zum Glück weiß meine – ehemalige, inzwischen erwachsene – Stieftochter, dass ich kein wirklich übles Arschloch bin. Es wird ihnen gutgehen bei ihr. Sie wird auch darüber hinwegsehen, dass vielleicht ein oder zwei Socken nicht richtig gepackt sind. Immerhin weiß sie, aus jahrelanger Erfahrung, dass ich zwar ein ziemlicher Chaot bin, aber da, wenn es zählt.

Musste ich so streng sein, gestern zum Großen, heute Morgen zum Kleinen? Habe ich nicht überzogen? Waren es nicht meine Fehler, die eigentlich ursächlich dahinführten? Oder bin ich zu oft zu weich, so dass ich dann irgendwann überhart werde?

Es gibt in der Erziehung kein einfaches Richtig. Wenn ich in “Ratgeber” nur hineinschaue (meist langt mir schon der Titel), lediglich aus journalistischem Interesse, denn ein anderes existiert nicht, bekomme ich schon spätestens nach ein paar überflogenen Zeilen einen Speibreiz. Wie können diese Schrappnellen und Schrappnaster nur so von Eltern und Kindern reden?!

Die abgefeimtesten derer erzählen nicht nur, dass sie ihren Kindern nicht nur niemals auch nur einen Klaps gegeben hätten, sondern gar noch, sie wären nie laut geworden, bis hin zu der Mär, sie hätten ihre Kinder im Grunde überhaupt nicht erzogen, da es das gar nicht gebraucht habe, sowieso nicht brauche, dass nur Gestrige und Idioten noch daran glaubten, es bedürfe dessen.

Das sind die übelsten, hinterfotzigsten Lügner. Denen glaube ich nicht einmal, dass sie gerade auf dem Abtritt gewesen seien. Aber sie sind en vogue. Sie sind perfekt “zeitgeistig”.

Und wiederum: Man hört derlei hintertriebenen, heuchlerisch-schleimigen Hinterhofshundsmist nie von sogenannten “einfachen Menschen”. Ich jedenfalls habe derlei bislang nur von “Gebildeten” gehört.

Das Gros der “Gebildeten” ist heute ohnehin dümmer, wenigstens dummverlogener. Woher das kommt, wie das zusammenhängt, aber mal an anderem Orte.

Sie haben es wohl schon befürchtet. Zurecht. Denn jetzt – wenn auch kostenlos und in dürren Worten – werde ich selber zum “Ratgeber”. Gnadenlos.

Hören Sie auf keinerlei Experten, noch nichtmal auf mich: nur auf sich selbst.

Klicken Sie also jetzt schnell weg, bevor der Arzt, der Familientherapeut, oder gar der endbrutale Psycholog kommt.

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4 Antworten zu “Vom Vermissen und von Kindern”

  1. Lesezeichen sagt:

    Hallo Magnus,

    ich weiß ganz genau, wie du dich fühlst.

    Mir ging bzw. geht es ganz ähnlich und ganz besonders im Moment. In der letzten Woche waren wir in Glasgow, weil unser Sohn dort einen Studienplatz bekommen hat und wir uns die Uni einmal ansehen wollten.

    Für mich war es auch wieder mal ein Stückchen Abschied nehmen, denn ab September wird er – wahrscheinlich – dort studieren. Als wir im letzten Jahr unsere Tochter zur Uni brachten, sah ich ein Ehepaar, das ebenfalls seinen Sohn dort ablieferten, extra zwei Straßen weiter geparkt, damit niemand etwas mitbekam. Er hat sich dann auch am Auto verabschiedet und ist allein zurückgegangen und der Mutter sah man an, dass ihr die Tränen in den Augen standen und sie kurz vor einem Dammbruch stand. Ich dachte nur daran, dass mir ein solcher Sturzbach in diesem Jahr wohl auch bevorstehen würde.

    Der Tag verlief so, dass ich ihn am Haupteingang abgesetzt habe, damit er sich die Fachvorträge und Vorführungen ansehen konnte, Später wollten wir uns treffen. Ich hab mir dann diese riesige alte, und wirklich wunderschöne Universität angesehen. Am frühen Nachmittag schickte er eine sms, dass wir uns am Kircheneingang treffen könnten. Als ich den Weg zur Kirche ging, sah ich ihn oben auf dem obersten Treppenabsatz stehen, lässig an eine Säule gelehnt. Er sah sich das Treiben um ihn herum an und wirkte so total in sich ruhend und angekommen. Und ich dachte nur: Ja, es ist richtig so.

    Das war nicht immer der Fall. Wenn ich an die Verabschiedung aus der Grundschule denke, dann hätte ich damals wohl meine Seele dafür verkauft, wenn ich ihn mindestens noch 2 Jahre hätte dort lassen können. Er war damals nicht entscheidungsreif und ich wusste, dass es völlig egal ist, welche Entscheidung ich treffe. Sie würde immer falsch sein. Und genau so kam es dann auch und was dann kam, hätte ich ihm in weiten Teilen gern erspart. So manches Mal habe ich ihn für sein Durchhaltevermögen und sein Vertrauen in uns bewundert, denn ich glaube, dass andere zwischendurch die Brocken hingeworfen hätten.

    Nun hat er das alles gut überstanden und hier stehen wir. Die Zukunft sieht gut aus, entgegen aller Prognosen von Fachleuten, entgegen aller Beschimpfungen, Anschuldigungen, Drohungen. Sein Schulweg führte eben nicht in die Sonderschule, sondern nun in die Universität und dann auch noch in eine der besten der Welt. 32.000 Studenten haben sich beworben, 3.400 wurden genommen.

    Normalerweise würde ich das nicht so hervorkehren, aber wenn ich an das denke, was uns über ihn schon so alles vorhergesagt wurde, wie über ein Kind der Stab gebrochen wurde, bevor es den Hauch einer Chance hatte, sich zu beweisen, dann ist es Balsam für die Seele, das eben doch mal zu sagen.

    Wir haben die ganze Zeit fest an unser Kind und unsere Familie geglaubt und ich bin überzeugt, dass da der Schlüssel zum Erfolg steckt. Genau deshalb bin ich auch so ein vehementer Gegner der Verstaatlichung der Kindererziehung, einfach weil ich glaube, dass dann noch mehr Kinder durchs Raster fallen werden. Ein berufsmäßiger Erzieher würde sich nicht mit dem Rest der Welt anlegen, um ein Kind durchzupauken. Er hätte auch gar nicht die Zeit dazu.

    Nun habe ich mir überlegt, dass es keinen Sturzbach oder Dammbruch meinerseits geben wird. Ich werde meine Männer allein losschicken. Sie sollen sich ein Männerwochenende in den highlands gönnen oder was immer sie machen wollen und anschließend nach Glasgow fahren. Ich werde ganz einfach zu Hause bleiben und mich an den Strand legen, wenn das Wetter es zulässt.

    Damit wäre dann das Erziehungs-Kapitel abgeschlossen. Nein, es war nicht einfach und manchmal ärgere ich mich, wenn mir Leute sagen, dass wir so ein Glück mit unseren Kindern hätten. Ja, wir haben Glück, aber es war auch über lange Strecken verdammt harte Arbeit mit viel Ärger, schlaflosen Nächten, Sorgen und Zukunftsängsten.

    Wie das eben so ist, in diesem Leben. Es hat uns keiner versprochen, dass es leicht werden würde.

    Herzliche Grüße aus dem sonnigen Norden. Hier bricht gerade der Frühling an, der ganze Ort ist voller blühender Bäume, die Sonne scheint und es ist warm.

    Genießen wir das.

    das Lesezeichen

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Ich würde jetzt gerne aus dem Göllerschen Nähkästchen plaudern, kann das aber leider nicht, da ich – wer weiß, wer hier mitliest – damit meinen noch schulpflichtigen Kindern durchaus möglicherweise Probleme bereitete.

    Aber ich bin froh, dass Ihr es, bei solch harten Schwierigkeiten, geschafft habt, Euren Sohn durch alle Mühlen zu bringen. Darauf dürft Ihr meines Erachtens durchaus auch stolz sein. (Hier haben wir, außer ein paar Fliegerkondensstreifen – mancher sieht darin “Chemtrails” – , auch einen strahlend blauen Himmel, Magnolien und die ersten Obstbäume blühen, Kastanien, selbst Linden, schlagen aus…)

    Der Staatswahn im Erziehungswesen wird immer schlimmer. Wer sich dagegen stellt, wie etwa Eva Herman, wird als “Rechter” (wogegen wir ja alle sind, sein müssen, ja kämpfen müssen, egal, was das nun sei) verfehmt.

    Familien, in denen die Frau ein paar Jahre zuhause bleibt, allenfalls Teilzeit arbeitet, wo Sie wie Er das für in Ordnung halten, werden allenthalben von den FemofaschistInnen diffamiert, hingestellt, als wären sie nicht im 21. Jahrhundert angekommen, pervers, was weiß ich.

    Der Zeitgeist wird, einerseits kapitalistischen Interessen immer gnadenloser untergeordnet (die Schlampe soll bitteschön arbeiten gehen!), immer stärker in eine zwangssozialistische Richtung geschoben, indem immer mehr Kinder verkrippt und verhortet und verganztagsschult werden und Alternativen, oder sagen wir mal besser, das Normale – außer der oberen Mittelschicht und Oberschicht – , verunmöglicht.

    Ja, wir müssen kämpfen: aber nicht “gegen Rechts”, sondern für unsere natürlichen Rechte.

    Die Sache ist ja inzwischen so schlimm geworden, dass sich selbst in der CDU/CSU kaum noch einer traut, dafür einzustehen (vom Rest, bis hin zu jenen Spaßchaoten, die jetzt bald zehn Prozent wählen wollen, mal ganz zu schweigen).

    Ich will mich dem Thema alsbald auch wieder stärker widmen. Auch wenn es, das muss ich leider vermuten, einen großen Teil meiner Leserschaft wahrscheinlich eher langweilen wird. Na gut: Einen Tod muss man sterben.

    Jetzt kratze ich mir aber erstmal das Gestrüpp von den Backen, setze mich aufs Radl, fahre in den hinteren Schlossgarten (den gibt es, trotz Bahnhofsbau, mancher Nichtstuttgarter denkt wohl, wir hätten in der mit Abstand grünsten Großstadt Deutschlands – ich meine damit jetzt den pflanzlichen Bewuchs – nur noch Betonwüste, immer noch) und gucke mal, wen ich da an Schachspielern antreffe, jenem seltsamen Expertenvolk, welches so skurril, dass dort noch nicht einmal ich als besonders schräg oder verkracht auffalle. (Man spricht da zwar gewaltig auf, aber eine Prügelei unter den Jüngern Caissas habe ich noch nie gesehen, noch nicht einmal je davon gehört. Man spinnt zwar mächtig, versucht sich, das gehört dazu, darin auch noch jeweils zu übertrumpfen, haut sich aber nicht. Das finde ich relativ zivilisiert.)

    Liebe Grüße auf die Insel und einen schönen Sonntag noch!

  3. Schmitz sagt:

    Chemtrails?

    Hahaha, die gibt es doch gar nicht, wie dieser Film wieder und wieder beweist.

    Chemtrails gibt es doch nur in den kranken Hirnen von kranken Spinnern.

    Oder nicht?

    http://video.google.com/videoplay?docid=-5428079559382593396&hl=de

  4. Dude sagt:

    @Schmitz

    Also ich hab sie gestern wieder über meiner Stadt gesehen.

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