Neues vom Netzdeppen

Da ich von der Denkkrankheit schwerstens – chronisch akut – befallen bin, bleibt mir wenig bis nichts, denn auch darüber nachzusinnen, wie eine angemessene Vergütung von Künstlern, geistig Schaffenden insgesamt, im Netzzeitalter beizutreiben sei.

Es möchte über eine Generalkulturabgabe nach “Klicks” gehen, sagen viele. Das sei auch nichts anderes als sonst, wo die Bildzeitung eben mehr gekauft werde als die Frankfurter Allgemeine, obzwar, so ist das Leben, letztere zu produzieren zweifellos mehr Mühe erfordere. Pech halt, wie allüberall, für den, der etwas Gescheites macht.

Im Grunde plädieren derlei Verfechter der totalen Informationsfreiheit damit aber für eine gebührliche Totalüberwachung. Also, dass, wenn dem Missbrauch durch getürkte Klicks nicht Tür und Tor geöffnet werden soll, eben jeder Klick genau IP-abgeglichen sein müsste. (Lassen wir die ganzen Proxy-Tricks zunächst mal außen vor. Ich weiß eh nicht, wie gut das, außer in Profihand vielleicht, tatsächlich funktioniert.)

Das ist alles blank herausgeschwätzt und nicht durchdacht. Keinerlei Folgenabwägung. Einfache Lösung, Zentralrechner zählt mit, das kann der, zackzack.

Dass damit noch viel umfangreichere “Nutzerprofile” aufgestellt werden würden, allenthalben, bis zum Centrest einklagbar, im Zweifel jeder Klick aufs Idiotenpuff “transparent”, öffentlich, daran denken die Infofreibeuter offenkundig nicht für fünf Pfennige. Zum Denken hat man heute ja einen Computer. Der kann das.

So latscht man denn, “Anonymous”, auf Demos gegen SOPA, PIPA und ACTA herum, während man sich auf solchem Wege zum Laffen und Lakaien ebenjener zu machen anschickt, die man vorgeblich bekämpft. Man fühlt sich als Rottweiler und brandet als Rehpinscher an im Hosensack von Warner Bros., Goldman Sachs & Cie.

Soll an der Dummheit Wesen diese Welt genesen? – Es scheint fast so.

Weshalb sagt keiner außer mir (dass ich wüsste) etwas davon, wie hier unter dem Banner der Freiheit eine Form des oligarchisch-kapitalistisch gesteuerten Sozialismus’ herbeigeredet, herbeigesehnt wird?

Bin ich verrückt? Allein: Wer widerlegt das oben Gesagte inhaltlich?

Falsche letzte Frage: Man denkt bislang noch nicht einmal darüber nach!

Noch nicht einmal über das, was der so ziemlich (sagt man, hehe!) letzte Netzdepp des Planeten, aka Magnus Wolf Göller, sich anhand einfachster Konjektur zusammenreimen kann!

Sollte diese “Kulturabgabe” kommen (man bedenke allein schon das Wort!), so werde ich mit aller Wahrscheinlichkeit zum Netzguerillero mutieren, nicht als Hacker, denn das kann ich nicht, will es noch nicht einmal lernen, sondern als deutschübelster Stinkstiefel des Erdkreises.

Welchen Hennenseich lassen sich die Leute eigentlich noch ins Ohr träufeln? 20 Euronen oder so (lieber 5) im Monat, dann beliebig herumklicken, und der Göller schafft sich für 28 Cent je Vierwoch’ den Arsch übers Hirn, fürs Lümmelvolk? Glaubt Ihr im Ernst, dass ich Euch dann noch “content” verbratze?

Ja, vielleicht ist es gut so. Eine Zwischenentwicklungsstufe. Die den Dinkel von den Spelzen trennt. Wo im Netz nur noch Banales, Nutzloses, Verlogenes, Reklame, Datenmüll, Mindkost, Rotz und von uns nur Böses mehr drinsteht.

Alles Positive, Aufbauende, Gute, wird dann nämlich persönlich in Goldkilos abgerechnet. Pro Wort acht Kilo.

Lacht mal lieber nicht darüber. Noch mag ich der einzige sein oder einer der wenigen, die sehen, was gespielt wird. 300 von uns weltweit sind mehr als von Euch drei Milliarden. Mark my words.

Ein solches System der Nichtanerkennung jedes geistigen Wertes, der konsumptiven, freiwilligen Versklavung nämlich wird zwangsläufig, und zwar nicht über lange bestehend, zusammenbrechen.

Mal sehen, wie lange Ihr Eure Denkresistenz durchhaltet.

In der Not frisst nämlich nicht nur der Teufel Fliegen, sondern wird eines Tages auch die Reichstagskuppel, alle Abgeordneten staunend, letzter Luft, wider aller SchabrackInnen willen, sonnwendmorgens von Dichters erlösendem Wort geküsst.

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