Radiospreeech

Eben habe ich sie wieder gehört, diese seltsame Radio-Intonation, die zumal bei vorbereitet eingespielten Berichten und Reportagen immer häufiger vorzukommen scheint und mich mitunter gewaltig nervt.

Ihr Merkmal besteht nicht nur in einer gewissen Nasalierung (worüber ich als rettungsloser Schwabe auf den ersten Hör wenig Recht habe zu lästern, aber, da wird sie hineingekünstelt), sondern in in einer merkwürdigen, langgezogenen Quasi-Starkbetonung endständiger, eigentlich schwachtoniger, selbst kurzer schwachtoniger Silben, im schlimmsten Falle sogar endständigem “er” oder “en”, besonders verstärkt noch an Neben- wie Hauptsatzenden. Es reicht bis hin zum “Spreeecheeen”.

Irgendwie soll das der vorgetragenen Sache anscheinend Emotio und Gewicht, Nachdruck verleihen: Ich finde es also albern wie aufgesetzt und affektiert.

Aber vielleicht finden mal wieder andere “cool”, was ich für bescheuert halte.

Irgendeinen Grund muss es für diese Sprechvariante ja geben.

Auch stellt sich die Frage, ob da nur einzelne Sprechprofis anderen ihren fragwürdigen Aufmerksamkeitserzeugungstrick abgelauscht haben, bewusst oder unbewusst, oder ob diese schleimige, unästhetische Behandlung unserer Hochsprache doch schon an einschlägigen Ausbildungsstätten gelehrt wird.

Es nähme mich nicht Wunder. (Wunder mit zwei starktonigen Silben, die letzte lang.)

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