Volker Rieble (FAZ) für Scharia-”Friedensrichter”

Als ich gestern, das Käsfondue vorbereitend (halal, koscher und vegetarisch, nur leider nicht vegan), den Aufmacher des Artikels “Gerade Recht – Scharia” auf faz.net gewahrte, las ich ihn zunächst nicht, mir nicht den Appetit zu verderben.

Darin preist Volker Rieble die private Konfliktschlichtung – grundsätzlich zurecht – als der Gesellschaft und der Rechtsordnung dienlich und nützlich, aber: Er stellt dann derart hanebüchene Vergleiche an, dass einem schlecht werden kann.

Er hievt nämlich die Tätigkeit von Scharia-”Friedensrichtern” kurzerhand auf eine Ebene mit internen Schlichtungen “in Adelshäusern, Sportvereinen, Handwerkszünften etc.” oder auch derjenigen einer Straftat in einem Betrieb durch ein Betriebsratsmitglied.

Dabei erwähnt er – so dumm ist er nicht, das zu tun – mit keinem Wort, dass ein Scharia-”Friedensrichter” selbstverständlich (sonst wäre er wohl keiner, oder hielte sich nicht lange als solcher, oder?) an die Rechtsvorstellungen des Islams gebunden ist, hiemit das Verprügeln einer als aufmüpfig empfundenen Ehefrau als korrekt ansehen muss, ebenso als richtig, dass eine Frau nur halb erbt, nur ein halber männlicher Zeuge ist, selbst nicht vom Manne wegdarf, der aber sehr wohl von ihr, Apostasie eine Todsünde sei, Lästerung des Propheten ebenso, und was dergleichen all die Scharia noch an “Rechtsvorstellungen” mit sich bringt.

Hier davon auszugehen, Einvernehmlichkeit sei Einvernehmlichkeit in dem Sinne, wie wir das normalerweise verstehen, es werde kein einseitiger Druck hin zu einer “Einvernehmlichkeit” ausgeübt, ist nicht einmal lächerlich, da die Sache nicht zum Lachen ist.

Eine solche interne Konfliktlösung mit jener auf eine Stufe zu stellen, wie sie stattfindet, wenn einer Frikadellendiebin nicht gekündigt wird, da sie sich verpflichtet, nicht nur kein übriggebliebenes Fleischküchle mehr ungefragt mit nach Hause zu nehmen, anstatt es ordnungsgemäß in den Müll zu werfen, sondern auch noch sechs Wochen lang Kaffee für den Gesamtbetriebsrat zu kochen, oder mit dem Sportbuben, der seinen Kameraden so gefoult hat, wie es nicht mehr im Rahmen, der sich dann vor allen zu entschuldigen hat und vier Wochen die Geräte auf- und abbaut, mit der Satisfaktion innerhalb der Adelsfamilie, wenn der Sprössling öffentlich gar zu besoffen war und ausfällig wurde, ihm die Apanage für ein Jahr halbiert wird: Eine derartige Verharmlosung ist dreist.

Ist sie auch dumm? – Ich denke nicht. Denn es ist mir nur schwer vorstellbar (könnte natürlich auch sein, wer weiß?), dass der FAZ-Journalist das nicht weiß. Weiß er es nicht, so ist er ein trauriges Exemplar seiner Gattung.

Weiß er es aber, so begeht er eine vorsätzliche, arglistige Täuschung.

Dann stellt sich aber die Frage, weshalb er das tut. Etwa, weil… Na, ich werde mir das Spekulieren darüber jetzt mal lieber sparen.

Zum Glück ist das Käsfondue schon verdrückt und verdaut. Es kann mir ob solchen Geschreibsels schonmal nicht mehr hochkommen.

Dieser mein für mich gesund durchgezogener Egoismus allerdings, werter Herr Rieble, hilft den Moslem-Frauen in Neukölln (ein netter Libanese, der dort seinen Scharia-”Friedensrichter”-Dienst tut, ist über dem Artikel abgelichtet) leider gar nichts.

Früher hätte man gesagt: “Sie sollten sich was schämen!”

Da ich kaum glaube, dass Sie sich für Ihre Einlassungen öffentlich entschuldigen werden, bitte ich Sie immerhin, nochmal über Ihre Aussagen nachzudenken.

Und: Es gehört natürlich zur Meinungsfreiheit, für Leute die Trommel zu rühren, die damit wenig bis gar nichts am Hute haben (na gut, kommt immer darauf an, gilt im Falle des Islams, sonst aber nicht unbedingt). Ob das wirklich zu Ihnen passt, Sie ziert, das müssen Sie selbst entscheiden.

Da kann ich Ihnen leider nicht helfen.

Vielleicht fahren Sie mal nach Neukölln zu Herrn Hassan Allouche. Der mag Sie, bei einer Tasse halallichtem Tee, diesbezüglich sinnfällig beraten.

Nachtrag: Ich habe eben erst festgestellt, dass Herr Rieble nicht eigentlich ein Journalist ist, sondern ein Rechtsprofessor. Das macht die Sache nur noch schlimmer.

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4 Antworten zu “Volker Rieble (FAZ) für Scharia-”Friedensrichter””

  1. Schmitz sagt:

    Wir sollten allen Glaubensrichtungen die Möglichkeit geben, “Recht” zu sprechen nach ihren Regeln.
    Was mag wohl dabei rauskommen, wenn ein Klima-”Richter” über jemand vom Bleifußglauben zu richten hat?
    Oder wenn die Mafiakirche einen Konflikt mit der Pizzakirche schlichten will.
    Nein, Gesetze brauchen wir nicht mehr. Die sind ja eh nur für die Dummies, die nicht genug Geld haben, sich eigene Gesetze machen zu lassen wie die Finanz-Branche, also eine weitere Mafia.

  2. landbewohner sagt:

    eigentlich lohnt es sich nicht über solch einen unfug auch nur ansatzweise zu debattieren. extra rechte, extra gerichte für extra volks-,berufs- und sonstige gruppen? schlimm genug, daß da schon ansätze vorhanden sind.
    normal wäre ja wohl, daß die einwohner eines staates alle den gleichen gesetzen unterliegen und nach einheitlichen maßstäben behandelt werden, von den erwähnten “schiedskommissionen” einmal abgesehen.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Schmitz

    Wie bereits gesagt, kann ich mir schwerlich vorstellen, dass Rieble nicht weiß, was er da ansetzt. Lebt der hinterm Mond?

    Und wenn er es weiß, weshalb tut er das? Cui bono?

    Jedenfalls hat er dafür gesorgt, dass sich die Pro-Scharia-Fraktion jetzt auf einen prominenten deutschen Rechtsprofessor berufen kann.

    Allerdings hat er in seiner Argumentation auch die oben beschriebenen Fehler der extremen Verharmlosung durch sachlich haltlose Vergleiche sowie qua absolut mangelnder sozialer Inbezugsetzung gemacht.

    Letztere, das darf man getrost unterstellen, unterließ er wohlweislich.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ landbewohner

    Nun, ich meine die Frage ist nicht, ob “es sich lohnt” über derlei Unfug zu debattieren. Entlarvt werden aber muss er.

    Vielleicht liest dies hier ja mancher Jurist oder auch Jurastudent (vielleicht sogar welche seiner eigenen) und sieht, wie der Herr Professor eine solche Sache öffentlich in der FAZ abhandelt. Für einen derartigen, auf lachhaften Vergleichen und der Unterschlagung entscheidender (un-)rechtsmächtiger Gesichtspunkte aufgebauten Standpunkt kann es normalerweise noch nicht einmal im ersten Semester einen Schein geben.

    Wahrscheinlich sähe Herr Rieble das in so ziemlich jedem anderen Zusammenhang genauso. Pech für seine Studenten.

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