Afghanistan: NATO-Niederlage ein Sieg?

Die NATO will aus Afghanistan abziehen. Diesmal dürfen wir davon ausgehen, dass das sogar eintritt. Und faktisch, im Sinne einer kämpfenden Truppe, vielleicht schon nächstes Jahr, und nicht erst 2014, wie offiziell noch projektiert. Weil ja soviel Gutes erreicht sei. Auch.

Von den gesteckten Zielen sind in über zehn Jahren Krieg kaum welche wirklich erreicht. Der Opiumanbau und -handel ist so stark wie nie, für Frauen hat sich so gut wie nichts geändert, was muss man sonst noch sagen.

Die einzige Frage ist, ob die Herren der NATO den Abzug aus der Einsicht heraus ansetzen, dass sie auch in weiteren zehn Jahren nichts erreichen werden, ob es ihnen zu teuer wird (fällt quasi aus, diese Leute drucken das Geld), ihre eigenen Bevölkerungen dawider zu aufmüpfig (kaum etwas davon zu sehen), oder ob sie darauf gekommen sind, dass Afghanistan auf allen Ebenen – die vorgenannten eingeschlossen, vorgerechnet werden die Kosten doch, manche Bürger kriegsabständig – einfach zuviel militärische Kräfte bindet, zu viele Bodentruppen, die man demnächst in Syrien oder sonstwo braucht.

Man lasse sich nämlich durch die rein zahlenmäßigen Mannstärken der NATO-Armeen nicht täuschen. Am Boden einsatzfähige Kampftruppen sind knapp.

Viele von ihnen sind durch mehrfache Einsätze im Irak und in Afghanistan – wenn nicht tot, verwundet oder psychisch schwer gestört, von merkwürdigen Syndromen heimgesucht – äußerst ausgelaugt. Neue, taugliche Krieger zu gewinnen, ist nicht einfach.

Dieser Krieg bringt einfach auf keiner Ebene (mehr) eine Dividende. Er lohnt sich nicht. Lange hat man gebraucht, das einzusehen.

Man vermochte keine strategische Position, keinen Frontstaat gegen China und Russland zu errichten, mit dem diesbezüglich etwas anzufangen wäre. Alles war ohnehin eine einzige Lüge, aber jetzt werden ihre Beine gar zu kurz.

Man wird den eigenen selbstlosen, heroischen Einsatz und Sieg natürlich theatralisch feiern, so gut das eben geht. Dass man sich völlig verkalkuliert hat, weiß man schon lange.

Man weiß inzwischen auch, dass die “Allheilmittel”, namens Special Forces, Bombardements und Drohnenangriffe, eben nur zum Umsturz eines Regimes taugen mögen, aber nicht zur dauerhaften Kontrolle Afghanistans. Wo ja, Privatsöldner eingerechnet, wohl über hundertfünfzigtausend Bestausgerüstete nicht reichten, um mehr als ein paar Kilometer rund um die jeweiligen Stützpunkte tatsächlich unter eine wirksame Kontrolle zu bringen.

Wir dürfen gespannt sein, wie man uns diese Niederlage als Sieg zu verkaufen trachten wird.

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5 Antworten zu “Afghanistan: NATO-Niederlage ein Sieg?”

  1. Sir Toby sagt:

    Und wer schützt dann den Opiumanbau … wenn die NATO-Truppen abziehen?

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Sir Toby

    Gute Frage. Vielleich gehen ja die Chinesen rein, aus später Rache gegen die Opiumkriege der Engländer, und sorgen dafür, dass genug davon im Westen ankommt.

  3. Die Schröder Regierung begann den Krieg mit der Lüge, daß unsere Freiheit am Hindukush verteidigt wird. Die Merkel Regierung wird Afghanistan mit der Lüge verlassen, die Freiheit ist nun gesichert.

  4. Dude sagt:

    …bis die nächste Bedrohung der Freiheit ein paar Tage später vor die Tür gestellt wird… ;-)

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    Ich habe mir zur Sicherheit bei Amazon eine Mini-Freiheitsstatue bestellt. Die kann ich, wenn sie mir nicht mehr gefällt, jederzeit auf dem Hof abflexen. Sollte der Strom ausfallen, muss ich nichtmal feilen. Denn ich habe einen Zweikilofäustel. Der macht sie platt wie eine Flunder.

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