Bald verloren, Atheisten!

Ich habe es mir nochmal überlegt.

Nachher gehe ich raus und drehe im Stadtwald (die Polizei ist in Stuttgart wegen des Bahnhofsbaus immer noch etwas nervös, und ich will als harmloser Deist nicht gleich mit auf die Wache) einfach mal ein bisschen religiös durch.

Ob ich einen der riesigen Lebensbäume umarmen werde oder bloß einen wohlgeratenen Weißdorn, weiß ich noch nicht; ich weiß auch noch nicht, wie ich meinen Gott nennen werde. Vielleicht bringt er seinen Namen ja sogar selbst mit. Wahrscheinlich wird er mit Y anfangen, weil er dann im Lexikon leichter auffällt.

Wie er mir allerdings erscheinen soll, habe ich noch nicht raus. Eine Stichflamme aus der Erde wäre zu abgeschmackt, auch wegen des verkokelten Mooses, das ich liebe. Eine Lateralheranfuhr bis auf etwa dreißig Fuß wäre mir da schon genehmer. Nur, wie soll er aussehen? Darf er sprechen? Muss ich mir eine Nachtkappe aufziehen, damit er mich nicht blende?

Egal, ich habe einen Auftrag. Den Atheisten mal so richtig einzuheizen.

Ich sollte auch ein Stück Gott aus dem Walde mit zurückbringen, am besten ein bisher noch nie gefundenes Konglomerat an Seltenen Erden, das für mindestens 10 000 Handys reichte, um ein glaubwürdiges Zeugnis abzuliefern, den Atheisten mal klare Kante zu zeigen.

Nach was riecht mein Gott? Nach Süskind? Nach Sandelholz? Nach Calvados?

Da werde ich wohl, wenn er dieser winzigen, lässlichen Verschlagenheit zustimmt, da er nicht ohnehin danach riecht, eine kleine heilige List anwenden müssen. Und sagen, dass er nach Purpur roch. Das hat noch keiner gehört und haut die Atheisten fast garantiert glatt um.

Dann das Geräusch, die Posaunen sind schon abgedroschen, was auch immer. Schalmeien wären den Atheisten zu schwul, übers Xylophon bekäme ich den Y-Trick nicht mehr durch, also muss was anderes her. Bei Geige sagten diese ungläubigen Holzböcke wohl gleich, jaja, Arschgeige. Bei Orgel Stalinorgel. Und die Flöte kennten sie schon vom Pan. Mist aber auch. Ringrasseln vielleicht?

Unschwer zu erkennen, dass meine Nahgotterfahrung logistisch noch nicht hinreichend vorbereitet ist, um die Atheisten mit einem Anrennen aus dem Sattel zu stechen.

Ganz so einfach, wie zunächst gedacht, ist die Sache doch nicht.

Wo aber ein Wille ist, da ist bekanntlich auch ein Weg.

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